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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-07 · Heft 28 (7.7.1851) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 28 (7.7.1851)
Date
1851-07-07
Page
Seite 328 (sequence 8)
Language
German
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328 Handlung, und kann nach ältestem Recht von Jedem vollzogen werden, welcher das jüdische Eherecht kennt, und kann an jedem Orte vollzogen werden. ES wäre dies ein Entlehnen eines Stückes Fanatismus, das völlig unjüdisch ist. Redakt. d. A. Z. d. Jud.) Prag, im Juni. (Privatmitth.) Der weise Daniel aus der Löwengrube des Stadtverordnetenkollegiums hat gesprochen — Sie errathen bereits, daß ich von der Anschluß frage rede. Diese Frage ist der Alp, der auf uns zentnerschwer lastet, daß wir kaum aufzuathmen vermögen. Alles und Jedes, was die Kultusgemeinde betrifft, stockt, weil erst der Anschluß realisirt sein muß, che man anderweitige Bestimmungen treffen kann. Und jemehr wir uns überzeugt halten, daß der Anschluß zu Stande kommt, kommen muß — desto schmerzlicher berühren uns die Manöver von gewisser Seite, die die Sache in die Länge zu ziehen zum Zweck zu haben scheinen. Seit dem Beginn der Verhandlung ist bereits die dritte Kommission niedergesetzt, um den Gemcindefvndsbeitrag zu bestimmen. Endlich ist von Seiten dieser dritten ein bestimmter Antrag an die Vertrauensmänner der Josephsstadt (früher Judenstadt) gestellt worden; er lautet: Die israelitische Kultusgemeinde habe einen Fondsbeitrag von */« Million, sage einer Viertel Million fl. K. M. binnen 4 Jahren zu entrichten, mit 5 °/o zu verzinsen, und zwar unter Garantie von zehn annehmbaren Bürgen, doch unter dem Vorbehalt, daß der Anschluß auf die bestehenden Gewerbs- und Handelsverhältnise keinen Einfluß ausübe!!! Demnach stehen wir wieder beim Alpha. Unser Trost bleibt aber die feste Ueberzeugung, daß hier mehr als irgendwo das Sprüchwort gilt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben! — 0(f.— Prag, 23. Juni. (Privatmitth.) Hirschs Abgang vonMahren ist nunmehr entschieden, was von Bielen, die diesen achtbaren Seelenhirtcn näher kennen, sehr bedauert wird. Der Mann war dort an seinem Platze, und sein Abgang in diesem Moment der Verwirrung muß die Verwickelung nothwendig noch größer machen. — Dieser Tage ging auch der Rabbiner aus Böhmisch-Leipa, Herr Hamburger, nach Emden, seinem nunmehrigen Wirkungskreis, ab. Herr Hamburger ist ein Mann in den besten Jahren, von gefälligem Aeußern, tüchtigen rabbinischen Kenntnissen und bedeutender Rednergabe. Wir zweifeln nicht daran, daß es ihm bald gelingen wird, sich die Achtung und Liebe seines neuen Sprengels in demselben hohen Maaße zu erwerben, wie er sie in Leipa besessen hat. —n—. Prag, 18. Juni. Unter diesem Datum enthalt die Nat. Ztg. einen gut geschriebenen Artikel über den Anschluß der Josephsstadt, der zwar nur Bekanntes enthält, so jedoch, daß die lichtvolle Zusammenstellung auch hier intercssiren wird. Wer das finstere Ghetto in der Hauptstadt Böhmens durchschreitet, das nach kaiserlichem Befehl nur aus steinernen Häusern bestehen und gegen die Christenstadt mit keinem Erker, Fenster» Gitter oder Thurme schauen durfte; wer die uralte Synagoge betritt, die fast an ein geschwundenes Jahrtausend mahnt, und zwischen den versunkenen Leichensteinen wandelt, deren kaum mehr zu entziffernde Inschriften die längst verklungenen Namen hochberühmter und ihrem Volke theurer Männer nennen — der fühlt, daß diese Stätte von der Geschichte selbst geheiligt, gleichsam ein zweites Jerusalem ist, wo der wandernde Ahasver zu rasten versuchte. Diese Mauern und Steine reden von einer untergegangenen Ordnung der Dinge, wie das ausgegrabene Herkulanum von der Römerwelt. Ein göttlicher Morgenwind der Geschichte hat den Stein von den Thoren des prager Ghettos fortgeweht, die Eingrsargten befreit und in ihrem Schicksalsbuche freudvollere Seiten ausgeblättert: wer da wähnt, daß die Wetter des Jahres 1848 nur zerstört und nicht gesegnet haben, der frage bei den Juden Oesterreichs nach. — Ich will heute von den Hemmungen reden, mit denen die Emanzipation in Böhmen zu kämpfen hat; zuvor aber auf die Geschichte der Juden in diesem Kronlande einen Rückblick werfen, damit der Leser einen Begriff davon bekomme, was hier gesündigt und was aufzuräumen ist. Mit der Begründung des Städtewesens in Böhmen, in welchem Ottokar II. ein kräftiges Widerstandsmittel gegen den Uebermuth des Adels fand, beginnt die Leidensgeschichte der böhmischen Juden. Im I. 1290 wird ihrer eine große Anzahl von prager Bürgern ermordet, weil Einige ihrer Glaubensgenoffen in Deutschland eine Hostie an das Kreuz geheftet haben

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