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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-07 · Heft 28 (7.7.1851) · p. Seite 327

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 28 (7.7.1851)
Date
1851-07-07
Page
Seite 327 (sequence 7)
Language
German
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327 Deutschland. Aus der Provinz Posen, 20. Juni. (Privatmitth.) Der Mangel an jüdischen Lehramtskandidaten fängt bereits an, sich fühlbar zu machen. Stellen sind vakant und können ans Mangel an Bewerbern nicht wieder besetzt werden. Und wie sollte es auch anders kommen? Keine besondere Anstalt zur Ausbildung jüdischer Lehrer, — schlechte Stellung der jüdischen Lehrer in der ganzen Provinz — Lauheit und Gleichgiltigkeit der Gemeinden gegen die Schule und Alles, was zu ihrer Verbesserung nöthig: — das, lieber Leser, sind wol Gründe genug, die erwähnte Erscheinung vorläufig zu erklären. Ein andermal wollen wir etwas ausführlicher über diesen Gegenstand berichten. Für heute noch einige Notizen anderer Art. — In Schneidemühl ist noch immer keine Ordnung in die Gemeindeangelegenhcitcn eingetreten. Der alte Rabbiner, ein 80jährigcr Greis und mehrere Dezennien im Amte, ist abgesetzt, aus der Stadt und ihrem Umkreise von 6 Meilen verbannt — und die bitteren Kämpfe zwischen „Alt" und „Neu", zwischen „Konservativ" und „Liberal" wollen doch noch nicht aufhörcn. Woran liegt's? Man braucht nicht weit zu suchen. Solche tragi-kornische Schauspiele inmitten der Gemeinden Israels gehören wenigstens in unserer Provinz leider! nicht mehr zu den seltenen Erscheinungen. — In Gnesen spielt, wie bekannt, dasselbe Stück, nur mit etwas anderen Formen und Schattirungen. Das Neue und. Bessere^ das Zeitgemäße soll ü laut prix gestürzt werden. Als erstesOpfer soll der „Ehorgesang beim Gottesdienste" bluten. Wer weiß was dann an die Reihe kömmt. Das Schlachtmesser ist geschlissen, es heißt: „Opposition um jeden Preis, und wenn auch noch so gesinnungslos". — Zum Schluß etwas Besseres. — Die Gemeinde Wittkowo hat den Bau ihrer Synagoge (s. No. 23 d. Bl.) bereits begonnen. Am 3. d. M. ist die Grundsteinlegung feierlichst begangen worden. Herr Rabbiner Dr. Gebhardt aus Gnesen hat die Festrede abgehalten, der erste Lehrer an der jüdischen Schule zu W. den Ehorgesang geleitet. Die Feier war sehr würdevoll, ihrem Gegenstände höchst angemessen. Solche Erscheinungen sind der Veröffentlichung durch die Presse durchaus nicht unwürdige, zumal wenn sie in solchen Gemeinden sich zeigen, welche, weil sie dem Lande der Knute und der Ukase so nahe liegen, als noch ganz finstere verschrieen sind. DasLicht derAufklärung scagt Nichts nach Nachbarschaft, und der Geist des Fortschrittes spottet aller geographisch en.Verhältnisse. Soest, im Juni. Man schreibt dem „Wests. Merk." ausSoest: Wir haben eines rühmlichen Beispiels von Toleranz und Menschenfreundlichkeit zu erwähnen. Unser Mitbürger, der israelitische Vorsteher Herr Hellwitz, feierte dieser Tage sein 25jahriges Amtsjubiläum als Prediger an hiesiger Synagoge. Aus diesem Anlasse hat derselbe ein Kapital von 720 Thalern der Stadt, „die ihn seit 25 Jahren mit Liebe und Güte ausgenommen", geschenkt. Die Revenuen dieses Kapitals sollen zur Pflege und Unterhaltung eines armen kranken Einwohners der Stadt Soest, gleichviel welcher Konfession er angehört, in der Krankenanstalt des hiesigen Waisenhauses verwendet werden. Mannheim, im Juni. (Privatmitth.) Hier wird der Bau einer neuen Synagoge beabsichtigt, die sehr großartig werden wird. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 23. Juni. Der gewesene Alterspräsident des prager Gemeinderathes, der Stadtverordnete Herr M. Landau, der rücksichtlich der Anschlußfrage der Josephstadt und der noch immer schwebenden Judensteuerfrage sich seit zehn Tagen hier befand, ist heute abgereist, nicht ohne Hoffnung der baldigen freundlichen Lösung. Pesth, im Juni. Die öffentlichen Blatter berichten Folgendes: Eine jüngst bei der israelitischen Reformgenvffenschaft stattgefundene Trauung in Pesth gab dem Gemeindevorstande Veranlassung, bei der hohen Stelle zu protestircn, daß die Vornahme priesterlicher Handlungen in jenem Tempel ungiltig sei; man ist auf die Entscheidung sehr gespannt. (Vorausgesetzt daß sich dies also verhielte, so könnte man nicht energisch genug gegen die Verfolgungssucht des Vorstandes der pesther Jsraelitengemeinde protestiren. Die jüdische Trauung ist keine priesterliche

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