Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1851)
- Date
- 1851-07-07
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
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325 sichten oder Meinungen von einem allgemeinen Rechte ausgeschlossen sind. Indessen die Sache ist wahr, und wir müssen bedauern, daß mit den Lords in dieser Beziehung so wenig Veränderung stattgefunden hat. In diesem Hause werden die Hoffnungen eines großen Theilcs Ihrer Majestät Unterthanen, wie es sich erwarten läßt, vernichtet werden. Diese Unduldsamkeit kann jedoch nur noch wenige Jahre dauern. Vorurtheil und eine bigotte Vorliebe für einen Namen müssen der Vernunft und der Gerechtigkeit Raum geben; mag es sich noch lange verzögern, dennoch wird der Tag kommen, an dem auch erblichen Gesetzgebern, welche Kenntnisse, Klugheit und Intelligenz schon mit der Mutterbrust einsaugen, welche dieselben von ihren Vätern erhalten und ihren Kindern nicht wie ihre Sünden auf's dritte und vierte, sondern auf alle folgenden Geschlechter übergeben, an dem auch diesen die Thorheit begreiflich werden wird, Männer auf den wahren Glauben eines Christen schwören zu lassen, deren ganzes Christenthum darin besteht, daß sie gelaust sind, oder daß sie sich selbst Christen nennen. Der Herausgeber der Jew. Chron. macht folgende Bemerkung hierzu: Es freut uns zu vernehmen, daß der Herausgeber und Verfasser des obigen Artikels ein Farbiger ist, dessen Rare, welche er auf so würdige Weise vertritt, 1829 cmanzipirt wurde. Er wurde 1830 zum Mitglicde der gesetzgebenden Versammlung von Jamaika erwählt und in den letzten zwei oder drei Monaten mit einem Sitze im Rathe geehrt. Die Emanzipationsbill der Juden ging in Jamaika 1830 durch. Die Juden Großbritaniens unterliegen noch 1851 politischen Beschränkungen. O England, wo ist deine Schamröthc. London, 23. Juni. In der heutigen Unterhaussitzung bcricth das Haus im Komite die Oath of Abjurations-Bill (Judcnbill). Sir R. Jnglis ist der Bill noch ebenso feindlich, wie früher, hält es aber nicht für paffend, das Komite bei der gegenwärtigen Gelegenheit mit einer Abstimmung zu belästigen. Plumptre ist derselben Ansicht. Der Umstand, daß die Regierung trotz aller Anstrengungen und angewandten Mittel es nicht weiter gebracht habe, als in einem Hause von 400 Mitgliedern die zweite Lesung mit einer Majorität von nur 25 Stimmen durchzusetzen, breche den Stab über die Bill. Er hoffe, man werde an einem andern Orte diesen Umstand nicht aus dem Gesichte verlieren. Walpole findet eine lächerliche Inkonsequenz darin, daß die Gesetzgebung Juden zu verschiedenen Aemtern zulassen wolle, von welchen sie Katholiken ausschließe, z. B. zur Würde des Premier-Ministers und Lord-Kanzlers. Oberst S i b t h o r p e bemerkt, daß, Falls die Bill durch einen seltsamen und unwahrscheinlichen Aufall an einem andern Orte durchgehe, man um der Juden willen alle möglichen Anstalten werde treffen müssen hinsichtlich der Samstagssitzungen, der täglichen Gebete rc. Der Solicitor General erinnert daran, daß die Ausschließung der Katholiken von den erwähnten Staatsämtern ihren Grund nicht in religiösen, sondern in politischen Rücksichten habe. Rapier äußert sein Befremden darüber, daß Männer, welche vor Kurzem monatelang für die Aufrechtcrhaltung des sogenannten Supremats der Königin gekämpft, jetzt ein Gesetz befürworten, welches geradezu gegen das Supremat unsers Herrn und Heilandes gerichtet sei. Lord John Russell halben Vorredner vor nicht langer Zeit äußern hören, daß seiner Ansicht nach die Berechtigung zu Aemtern und Auszeichnungen nicht von dem Glauben oder den Ansichten, sondern von der Handlungsweise abhängig gemacht werden müsse; er bedauere, ihn jetzt im entgegengesetzten Sinne sprechen zu hören. Es scheine ihm (Russell), daß, während man vollkommen Recht daran thue, nach Kräften zur Förderung der christlichen Religion und zur Verbreitung derselben über den ganzen Erdkreis zu wirken, das Christenthum nicht gekräftigt werde, wenn man dasselbe durch irgend ein Mittel ausbreite, welches sich, wenn auch im geringsten Grade, als bürgerliche Verfolgung bezeichnen lasse. Er aber halte dafür, daß die auf religiöse Gründe basirte gesetzliche Ausschließung loyaler Unterthanen Ihrer Majestät von bürgerlichen Aemtern eine Art der Verfolgung sei, die dem erhabenen und reinen Geiste des Christcnthums durchaus widerstrebe. Newdegate spricht gegen die Bill. Reynolds findet für die versuchte Unterdrückung der irischen Katholiken einigen Trost darin, daß man wenigstens einer andern lange unterdrückten Klaffe der Unterthanen Ihrer Majestät sich gerecht erweisen will. In England sei die Volksstimmung der Emanzipation der Juden günstig, und in Irland sei diese Gesinnung fast eine allgemeine. Mit einer einzigen Ausnahme habe jedes irische katholische Parlamentsmitglied die Bill durch alle ihre verschiedenen Stufen unterstützt. Die Bill ge-