Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1851)
- Date
- 1851-07-07
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Cicero 1× ep/1024888
- Homer 1× ep/1025156
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824 Oder wollen wir unseren Kindern, wenn sie aus den höheren Bildungsanstalten, von Plato und Cicero, von Homer und Horaz u. dgl. begeistert, nach Hause kommen, den Traktat Baba mezzia in die Hand geben, um über Dinge zu grübeln, die ganz außer ihrem Horizont liegen; wollen wir sie, wenn sie die Dampftraft im Fluge durch Länder und Völker geführt, aufrichtig um Rückkehr nach Palästina beten lassen und um Restauration des Opferdienstes, wollen wir sie, wenn sie sich mit den Fortschritten der Chemie und Mechanik vertraut gemacht haben, wenn sie eben die Lektüre eines Humdold'schen Kosmos beendigt haben, in der That anweisen, ja nicht das auf dem Butterteller gelegene Messer auf den Fleischteller zu legen, da es Todsünde wäre. Oder glauben wir, daß solche Lehren und Anweisungen etwas fruchten könnten? Es ist also gewiß: 1) jede religiöse Zdee muß eine konkrete Gestaltung gewinnen, 2) das Judenthum hatte dieselbe zuletzt in seinen häuslichen Einrichtungen, 2) diese häuslich-konkrete Gestaltung ist im Verfall, von dem größten und zwar gebildetsten Theil gänzlich verlassen, 4) das Judenthum ist im Begriff, eine neue konkrete Gestaltung sich zu verschaffen, die von der neuern Bildung nicht absordirt werde. Es sei nun Gegenstand unserer Untersuchung, wie wir zu dieser neuen konkreten Gestaltung, aus der bisherigen heraus, durch die Erziehung unserer Jugend beirragen, sie durch diese Erziehung herbeiführen können, und wie diese theoretisch und praktisch in dieser Hinsicht zu leiten sei. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Großbritanien. Jamaika. Jew. Cliron. bringt aus ber Jamaica Morn. Clnon. einen Artikel, welcher die englische Unduldsamkeit bekämpft, aus Jamaika, wo bekanntlich die Juden gänzlich emanzipirt sind. Es heißt in dem Artikel: Der Einwurf, daß die Zulassung der Juden zum Parlament das Ehristenthum des Landes gefährden würde ist lächerlich. Dies Volk sucht nie Proseliten seiner Glaubenslehre zu machen; und obgleich man Beispiele findet, daß Juden sich zum Cbristenthume bekehrten, so haben wir niemals gehört oder gelesen, daß ein Clirist sich zum Jubenlhum bekannt hätte. Strebten sie in der Thal danach das Land zu entchristlichen, so hätten sie dazu nicht nöthig Sitze im Parlamente zu suchen. Weder im Hause der Gemeinen noch in dem der Lords würden sie ihren ersten Versuch machen. Nur wenige Menschen, die mit der Staatskirche in keinem Verbände stehen, zeigen mehr Abneigung, sich in die Angelegenheiten derselben zu mischen, als die Juden. Diese Bemerkung machen wir nicht auf die Autorität Anderer gestützt, sondern aus eigner Erfahrung und aus der Beobachtung des Benehmens der jüdischen Mitglieder unserer gesetzgebenden Versammlung. Vor einigen Jahren sind die Beschränkungen, unter denen die Juden im Mutterlande zu leiden haben, auf dieser Insel aufgehoben worden, und wir sind in der Lage, nach wirklichen Erfahrungen über das Ergcbniß einer so gerechten und vernünftigen Maßregel zu sprechen. Die Zulassung der Juden in unser Repräsentantenhaus hat unsere Insel nicht entchristlicht. Sie hat nicht zum Abfall eines Einzigen aus unserm Volke vom christlichen Glauben, noch auf irgend eine Weise zur Beeinträchtigung der Staatskirche geführt. Wie könnte also ihre Zulassung in das englische Haus der Gemeinen England entchristlichen oder die dort bestehende Religion gefährden? Sie haben im Vergleich in England weit weniger Einfluß als hier, und es giebt unsers Wissens keinen Grund, der ihre Zulassung zum Parlamente in dem einen Falle verbieten, in dem andern rechtfertigen sollte. Trotzdem ist es eine Thatsache, daß eine gebildete und aufgeklärte Körperschaft, daß die Aristokratie Englands sich der Erlaubniß zu ihrer Zulassung in's Parlament widersetzt. Der Ungläubige, der Skeptiker, der die Heiligkeit des Eides in Zweifel zieht, der Unitarier, der sich Christ nennt, zu diesem Namen aber nicht mehr berechtigt ist als der Jude, sie Alle dürfen im Hause der Gemeinen und der Lords ihren Sitz einnehmen, der gewissenhafte Jude aber darf es nicht. Welch' lhörichte Inkonsequenz. Die Weigerung, die Juden zum Parlament zulassen, ist ein merkwürdiges Beispiel der Gewalt, welche das Borurtheil selbst über gebildete und zivilisirte Geister haben kann. Es scheint fast unglaublich, daß im neunzehnten Jahrhundert, in einem Lande wie England, welches wegen seiner Intelligenz und seiner freim Ansichten berühmt ist, daß unter einem Volke, dessen demokratische Tendenzen beträchtlich und mit jedem Tage im Wachsen begriffen sind, es Männer geben soll, welche auf Grund ihrer religiösen An-