Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1851)
- Date
- 1851-07-07
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
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322 Blick in eine jüdische Gemeinde geworfen. Der erste | Gedanke des Juden ist Opposition gegen das, was in! der Gemeinde bestimmt worden. Hingegen ist der Jude feiner Religion und seiner Stellung nach konservativ. Wenn das Judenthum die Aufgabe hat, ein viertausendjähriges Bekenntniß fort und fort zu erhalten, so wird ihm Niemand den konservativen Charakter absprechen. Wenn die ganze äußere Darstellung des Judenthums aus uralten Gesetzen besteht, deren Hauptfach-- Lichsten selbst der modernste Jude sich unterzieht — so wird wahrlich die konservative Richtung des religiösen Juden nicht zweifelhaft sein. Ich bemerke ausdrücklich, daß ich hier nicht etwa die orthodoxen Juden allein meine, sondern, mit Ausnahme einiger Extreme, auch alle Juden, welche Kultusreformen anstreben, und in deren Streben eben in der That sich ein höherer und wahrhafterer Konservatismus bekundet, als bei den starren Orthodoxen, welche das Judenthum in ein Leichentuch schlagen und in einen verpichten Sarg legen. Nicht minder macht die Stellung und Lage die größere Zahl der Juden konservativ. Papierhandel, große Fabriketablissents, Manufaktur en Gros und en Details, Modewaarenhandel bis auf den Hausirhandel mit kurzen Maaren herab machen wenig revolutionär. Der erste Stoß — all dergleichen stockt, Millionen sind verloren, Vertrauen kehrt langsam zurück-nein! nein! das vertreibt iedes Revolutionsgelüste, und schließt der Ordnungspartei um jeden Preis an.... Aber freilich Hallen diese konservativen Elemente nicht aus, wo die Individuen einer Genossenschaft oder Klaffe mit Gewalt zur Opposio nspa rtei getrieben werden, zu der Partei, welche nur in einer gänzlichen Umwälzung eine Verbesserung ihrer Verhältnisse finden kann! Oder war es möglich, daß vor 1848 die Juden in Oesterreich nicht zur Oppositionsportei gehören sollten, sie, die damals noch den drückendsten Ausnahmsgesetzen des Mittelalters daselbst unterworfen waren, und keine Anstalten, keinen Anfang der Besserung sahen, höchstens einmal einige Worte! Oder war es möglich, daß vor 1848 die Juden in Preußen nicht zur Oppositionspartei gehören sollten, in Preußen, wo sie noch mehr Hohn — und der brennt rief — als Druck, noch lnehr Zurückstoßung und die schmerzt sehr — als Joch erfuhren! Es war gar nicht anders möglich — das Judengesetz vom 23. Juli 1847 und die famosen Debatten darüber konnten gar nicht anders als den konservativsten Juden zum gründlichsten Oppositionsmann machen. j Wenn wir aus den Handlungen zu schließen wagen > dürfen: so will die österreichische Staatsregierung durch eine aufrichtige und durchgreifende Erfüllung der den Juden verheißenen Gleichstellung das Interesse der Juden an das der Staatsregierung knüpfen, und jedes Hintreiben zur Opposition durch eine ungleichmäßige Behandlung beseitigen. In der That können die österreichischen Juden ihre bürgerliche Gleichstellung nur als eine Frucht der jetzigen Staatsregierung ansehen, da Volk und Unterbehörden mit dem Ungeheuern Sprung, der in Oesterreich damit geschah, nicht ganz einverstanden waren und sind, und erst mit der Zeit den jetzigen Zustand als den der Gewohnheit sich aneignen werden. Jetzt werden die konservativen Elemente im Juden, wie wir sie oben geschildert, hervortreten und wirken, und der Zweck sicher erreicht werden. Was wird man in Preußen thun? Wird man die einzig moralische wie politische Richtschnur verfolgen, und erfüllen, ganz, ohne Hinterhalt erfüllen, was so oft verheißen und zuletzt in der Verfassung beschworen worden^ Dann wird sicher auch in Preußen die Mehrzahl der Juden echt konservativ sein; ihre Stellung, ihre Lage, ihre Religion werden sie dazu bilden und führen. Oder nicht? Nun, so wird man die Juden wieder mit Gewalt zur Opposition treiben; man wird durch alle mögliche Verletzung jedes konservative Gefühl untergraben, jede konservative Regung unterdrücken, bis das Herz voll bittrer Kränkung und atzenden Widerspruchs ist.... Erziehung der Zugend. Von Uri. (Fortsetzung.) „Du sollst diese Lehre (von der Einigkeit Gottes 'n -M8 und von dem Glauben an ihn auf Grund der Liebe 822 deinen Söhnen ein schärfen"; das war die einzige Erziehungelehre, die der große Religionslehrer und Gesetzgeber seinem Volke gab. Diese Lehre sollte in immerwährende Erinnerung gebracht werden, in Charakteren an der Hand, an der Stirn getragen werden, an den Pfosten des Hauses stehen u. s. w. Jede Idee muß aber konkrete Gestaltung gewinnen, und vor Allem sucht diese die religiöse Idee. Die konkrete Gestaltung — und das wußte Moses auch, wie wir an einem andern Orte Nachweisen werden — ist aber ver-