Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1851)
- Date
- 1851-06-30
- Page
- Seite 318 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Korrespondenzen: Aus Seesen, 4. Juni. Ich komme soeben von einer kleinen Reise zurück, auf der ich auch die Jacobsons-Schule in Seesen kennen gelernt, und halte es für Pflicht, Ihnen darüber einen kleinen Bericht zu übergeben, es natürlich Ihnen überlaffend, ob Sie für Ihr Blatt davon Gebrauch machen wollen. Es war aber immer mein Grundsatz, das Schlechte ohne Rücksicht zu tadeln und das Gute aus eignem Antriebe zu loben, weit es mir so Freude macht, und ich darf auch wot sagen, daß ich ein Urtheil über das, was ich gefunden habe, abgeben darf, denn in Allem, was Unterricht und Erziehung anbetrifft, würde mir nicht leicht Etwas entgehen. Aus Seesen habe ich aber die freudigsten Erinnerungen mitgenommen. Ich wollte nur einige Stunden weilen, und blieb doch wahrend eines ganzen Tages im Institute, und dieser Tag war mir ein sehr freudiger. Hier werden 140 Schüler mit ebenso viel Kraft, als Lust und Liebe unterrichtet; unter Lehrern und Schülern herrscht dieselbe Freudigkeit, derselbe thaikge Sinn, das Beste nach Kräften zu erstreben. Die achtzig Pensionäre des Instituts, unter denen 32 Zöglinge sind, d. h. die Anstalt sorgt, unentgeldlich für alle Bedürfnisse, sind fröhliche, muntere Knaben, denen man es auf den ersten Anblick ansieht, daß sie glücklich sind — und das ist das beste Kriterium. Ich war beim Unterricht, bei Tisch, beim Spiel gegenwärtig, und immer durste ich mir sagen, daß hier der Lehrer einen beneidenswerthen Wirkungskreis findet. Ueberall Wohlwollen, Ordnung, Thätigkeit, immer ein Erziehen durch Liebe, Fürsorge für die größte Einzelheit und das wahre Wohl des Kindes von jedem Lehrer aufrichtig erstrebt, das sind Vorzüge, der Anstalt, die jeder Lehrer, der dorthin kommt, gleich erkennen wird, und die sich eben nur durch tüchtige Leitung und inniges Zusammenwirken erreichen lassen. Ich kann Ihnen nur sagen, daß mir dort recht wohl geworden ist. DaS Institut feiert im Juli den Jahrestag seines 50jährigen Bestehens; ein freudiger Tag, um so freudiger, wenn man solches Wirken erkennt. Im Herbste dieses Jahres wird dort ein neues Institut in's Leben treten; Herr Meyer Jacobson gründet nämlich mit einem bedeutenden Kapital ein Waisenhaus, zu welchem Zwecke ein schönes Haus bereits im Bau begriffen ist. So wird Seesen von nun an auch nach einer andern Seite hin segensreich wirken. —n. Goch, im Mai 1851. Bericht über die in Krefeld stattgehabte Versammlung israelitischer Lehrer ans der Rheinprovinz und Westphaleri. Mit der diesjährigen Session ist dieses, vor einigen Jahren in's Leben gerufene und mit mancherlei Opfern gehegte und gepflegte Institut in ein neues Stadium der Entwickelung getreten. Es haben nämlich die Mitglieder der westphälischen Lehrerkonferenz, die unter der umsichtigen Leitung des Herrn Wolff zu Lübbecke schon viel Gutes gewirkt, sich der kreselder angeschloffen, was zu der Hoffnung berechtigt, daß durch die Vereinigung der Kräfte beider Institute ihre Wirksamkeit für die heilige Sache der Jugendbitdung fortan noch nachhaltiger und segensreicher sein wird. Die besagte Versammlung fand am 30. April und 1. Mai im israelitische Schulhause zu K. statt und hatten nachstehend verzeichnete Herren daran Theil genommen: Oberrabbiner Bodenheimer, Blumenfeld aus Essen, Bonin aus Korschenbroich, Cohn aus Frechen, Cohn aus Uerdingen, Eramer aus Viersen, Cos mann aus Dinslaken, Konsistorialmitglied Engersch aus Krefeld, Felsenthat aus Steele, Fischbein aus Ruhrort, Goldstein aus Anrath, Gumpricht aus Wevelinghoven, Leeser aus Dülmen, Liffgens aus Krefeld, Löb aus Odenkirchen, Otlendorfaus Ratingen, Wilmersdorf aus Krefeld, Wolff aus Lübbecke und Wedell aus Goch. Die erste Sitzung, Mittwoch, 30. April, Vormittags 10 Uhr, wurde mit einer gehaltvollen, recht herzlichen Rede des Herrn Oberrabbiner Bodenheimer eröffnet, die ich jedoch nur nach flüchtig aufgezeichneten Notizen in ihren Hauptgedanken wiederzugeben vermag. Nach einigen Begrüßungsworten an die Versammlung sprach der Redner über die Bedeutsamkeit der jüdischen Schulen, wies darauf hin, daß dieselben schon im alten Israel in hoher Achtung gestanden, und daß zu allen Zeiten die hervorragendsten Männer für ihr Erblühen gewirkt. Er erwähnte, wie schon unter Vespasian 481 dreiklasflge Schulen in Jerusalem bestanden haben, die derselbe zerstören ließ, wofür ihm — weil nur dadurch Juda in seiner Wurzel vernichtet werden könne — von dem rö-