Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1851)
- Date
- 1851-06-30
- Page
- Seite 312 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225742--11813-3241945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
312 Ladung das erschütterte Fahrzeug einigermaßen gekrästigt hat; wird es dem drohenden Sturme Stand halten, wird der Steuermann nicht den Weg verlieren, wird die ruhige See und ein sonniger Hafen den stolzen Orlog oder ein elendes Wrack begrüßen? Das sind Fragen, die ein jeder Patriot sich vorlegen muß, das die Punkte, welche wir überlegen, welche wir wohl in Erwägung ziehen und , oft durchdenken müssen. Die Losreißung eines oder mehrerer Staaten ist mit den schlimmsten Folgen verknüpft. Ein grimmiger Bürgerkrieg würde die erste Frucht derselben und die Befreiung der Welt, die große, erhabene Bestimmung dieses Landes, würde in dem mörderischen Abgrunde von Millionen Erschlagener begraben sein. Diese Seite der Frage darf nicht aus selbstischen Motiven unseren Blicken entzogen werden, sie muß unsere ernste und volle Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Man trenne diesen Staatenverband, zerreiße den Nimbus/ der die Geschichte, den Ruhm, die Macht dieser Union umgiebt, lahme Handel und Industrie, verstümmle die edle Flotte, die unsere Nationalflagge entfaltet, erhebe die Fackel des Ausstandes und des Verrathes: und der gigantische Bau wird schwanken und fallen, und Jahrhunderte der Fknsterniß, Verzweiflung und Knecht- ’ schaft werden sich auf dem Glücke und dem Segen der Gegenwart und Vergangenheit erheben. Ich sage Knechtschaft! Es wird eine Sklaverei der niedrigsten und schimpflichsten Art sein; ein stolzer Militardespot würde bald herrschen, wo setzt der Freie alleiniger Herr ist; eine kriechende, geist- und herzlose Generation würde ihm huldigen, wahrend die seufzende, in Fesseln geschlagene Welt unserer Thorheit und unserm Verrathe fluchte. Die glänzenden Hoffnungen dieses so reichlich mit allen Dingen, die den Menschen zu beglücken vermögen, gesegneten Landes, stehen in gewaltigem Kontraste mit seinem erbärmlichen und niedergedrückten Zustande, wenn es in einander befeindende Staatengebiete zerstückelt wird, so daß nur ein Wahnsinniger es vermöchte, dasselbe ohne Reue, ohne Gewissensqual zu opfern — aber so ist es. Bei so bewandten Umstanden geziemt es uns nicht als Juden allein, sondern als freie, amerikanische Bürger zu sprechen. Mögen Alle wissen, daß wir für die Union sind, jetzt und für immer, daß wir zur Konstitution halten werden, jetzt und für immer, daß wir bis auf den letzten Mann unsere Hand dazu bieten werden, Aufstand und Verrath zu zerstreuen, jetzt und für immer. Mag diese Erklärung in alle Welt gehen, mögen | die Wogen sie über die See, und die Winde des Himmels über die Bergketten, welche die Menschen von einander trennen, tragen — und wenn Verräther den Schlag ausführen, wenn Fanatismus die Brandfackel erhebt, und dieser stolze Bau menschlicher Freiheit in eine formlose Ruine verwandelt werden sollte, so wird die Nachwelt uns Gerechtigkeit angedeihen lassen. Wir wollen kämpfen so lange wir können, wir wollen treu und unerschüttert zu dieser ruhmreichen Union stehen, wir wollen ihren Vertheidigern unsere physische und moralische Stütze geben, wir wollen uns an sie klammern als an unsere schönste Hoffnung und letzte Zuflucht; und dann mag der Wille der Vorsehung geschehen—der Vorsehung, die dem ersten Kampfe dieser Republik, die ihrem Wachslhum und Gedeihen lächelte, der Vorsehung, die sie so oft aus drohender Gefahr befreite. Die Pflichten eines jeden Israeliten sind klar vorgeschrieben und gebieterisch. Keine Hilfe darf den Wühlern, mögen sie groß oder klein sein, gewahrt werden; hangt an den Gesetzen des Landes und macht alle Anstrengungen, den Sturm der Leidenschaften und des Vorurtheils zu beruhigen. Drückt eure Meinung offen und frei aus, wenn sie gefordert oder erwartet wird, schreckt nicht vor hinterlistigen Argumenten zurück, sondern verlaßt euch auf euer gesundes, patriotisches Gefühl, als auf Eure Vertheidigungswaffe. Unterstützt alle hochherzigen Patrioten, die sich willig in die Bresche werfen, um ihr Vaterland zu retten und entfernt euch von einem Jeden, der Aufstand predigt. Die Lehren der Bibel haben für Euch entschieden. — So weit Herr vr. Watermann. Allerdings geht er noch auf einiges Spezielle in der Sklavenfrage ein; theils interessi'rt es uns aber nicht, theils ist es aber auch unrichtig; denn die heilige Schrift fünftes Buch Moses Kap. 23, V. 16. verbietet uns, den Sklaven seinem Herrn auszutiefern, wenn jener sich zu uns gerettet hat, ja befiehlt uns sogar, ihm, wo er will, einen Wohnplatz unter uns anzuweisen. Redakt. Zeitungsnachrichten. Norwegen. EHriMania, 1). Juni. Abermals scheint ein glänzender Sieg errungen zu sein, und die tiefe Schmach der Unduldsamkeit, welche Norwegens Verfassung befleckte, ihrer Aufhebung nahe. Das norwegische Stör-