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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-06-30 · Heft 27 (30.6.1851) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 27 (30.6.1851)
Date
1851-06-30
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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311 nett, wovon er bis jetzt, in seinem fünfzehnten Jahre, noch keine Idee hatte. Indessen konnte er Ln Frankfurt nicht so viel erübrigen, daß er einen Lehrer darin hatte bezahlen können, er versuchte es, vermittelst des ersten besten Lesebuchs, sein eigner Lehrer zu sein. Es ging ziemlich gut und was ihm schwer und unverständlich vorkam, ließ ec sich bald von diesem, bald von jenem erläutern, und in kurzer Zeit war er im Stande, in allen deutschen Büchern lesen zu können. Er sagte mir oft, daß es ihm gewesen sei, als stelle sich seinen Augen eine neue Welt dar, da er nun deutsch lesen und sich bald aus diesem, bald aus jenem Buche belehren konnte/' — — Es sind seit diesen Leseübungen des fünfzehnjährigen Bachurs sechzig Jahre verflossen. Unsere Jugend braucht nicht mehr erst durch die melodischen Klange Dativ und Akkusativ zum Lesenlernen angespornt zu werden, der fünfzehnjährige Knabe, der in der Sprache der Bibel und des Talmuds bewandert war, der hebräische Briefe nach Hause schrieb, der über rabbinische Satzungen scharfsinnige Diskussionen führte, der eine immense Menge von Notizen über alle Zweige des rabbinisch-häuslichen und synagogalen Lebens im Kopfe barg, stand damals vor einer deutschen Fibel, wie vor einem Buche mit sieben Siegeln, eine „neue Welt" eröffnete sich ihm in dieser Fibel. Jetzt stellt den fünfzehnjährigen Knaben, erleuchtet durch Zerenners Kinderfreund seit seinem zweiten Lebenslustrum, bekannt mit der Melodie des Dativs und Akkusativs in den Variationen dreier oder vier Sprachen seit seinem dritten Lebenslustrum, jetzt setzt ihn vor Talmud und Midrasch — ihm ein Buch mit sieben Siegeln— und ihr habt den Gegensatz zwischen vormals und heute, den Gegensatz, den wir zu beleuchten suchen werden. (Fortsetzung folgt.) Die Juden und die Union. *) Bon Dr. S. Watermann. (Aus dem ^ämonean.) Die Frage, welche gegenwärtig alle Gemüther beschäftigt, ob der Bestand der Union durch die Krisis, der *) Um die inneren Kämpfe der vereinigten Staaten, wie sie namentlich in der Sklavenfrage zwischen den nördlichen und südlichen Staaten theils schon entbrannt sind, theils bevorstehen, und die Stellung der Juden dabei, von denen übrigens nur höchst wenige Sktavenbesiher wir uns schnell nähern, gestört werden wird, ist für die Juden von ganz besonderm Interesse in Betracht der Folgen, welche zum Verderben unserer gesellschaftlichen Zustände und Aussichten für die Zukunft aus einer Trennung der Union entspringen müssen. Es ist erfreulich, daß die Juden treue Freunde der Union in ihrem gegenwärtigen Bestände, daß sie Feinde einer jeden Bewegung sind, welche die Integrität derselben gefährden kann, daß sie die Konstitution haben wollen, wie sie jetzt ist, und unter ihrem wohlthätigen Einflüsse in Frieden und Glück, wie bisher, zu leben wünschen. Diese Liebe zur Union und Konstitution ist jedoch nicht rein egoistischer Natur, sondern es ist der wohlbekannte, charakteristische Patriotismus des Stam-' mes, wie er sich zu allen Zeiten, in allen Landern gezeigt hat. Sie haben vor Kurzem ihre Hingabe für ihr Vaterland in Ungarn mit ihrem Blute besiegelt, und sie zeigten ihre Liebe zu den Institutionen Amerika's dadurch, daß sie freiwillig seine Schlachten im letzten mexikanischen Kriege schlugen. Mit Vergnügen verweilen wir bei dieser Eigenschaft unsers Volkes, durch welche es sich vordem die Achtung der düsteren Römer gewann und Zyrus von Persien zum Freunde machte. Zu keiner Zeit und in keinem Lande war gegründetere Veranlassung, diesem eigenthümlichen Zuge unseres Stammes freiem Spielraum zu gewähren, als jetzt, in diesem Lande. Die unselige Frage über die Skiaverei, welche Zwietracht und Bitterkeit in die Versammlungen der Nation geworfen hat, bietet dem Schwärmer ein weites Feld, seine gefährlichen Luftschlösser aufzuthürmen, und das Verlangen nach Reform und Revolution, welches in unserm Jahrhundert herrscht, giebt ihnen eine mannigfaltige Wichtigkeit und eine gefährliche Macht. In Wirklichkeit hat der Sklave durch die politische Agitation Nichts gewonnen: seine Fesseln haben sich nur enger geschlossen; die Leidenschaften der Menschen, die nur zu oft in's Extreme gehen, sind geschäftig gewesen, den gesunden, patriotischen Sinn der Nation im Süden und Norden zu untergraben, und der Streit ist noch nicht zu Ende. Für uns ist die über der Union schwebende Gefahr drohender und naher als man gewöhnlich denkt: obgleich die letzten Maßregeln zur Verständigung das Schiff erleichtert haben, und die Entfernung des überflüssigen Tauwerks und der sind, zu charakterisiren, geben wir hier einen Artikel unsers Korrespondenten in dem angeführten amerikanischen Blatte auszugsweise. Redakt.

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