Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1851)
- Date
- 1851-06-23
- Page
- Seite 305 (sequence 9)
- Language
- German
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305 schließen zu lassen. Im Interesse -er Gewissensfreiheit wünsche er daher, den fraglichen Passus gestrichen zu sehen. — Rabbiner Kohn bemerkt, es sei voraus zu sehen, daß über das Wort „Organ" sich verschiedene Ansichten kundgeben werden; er trage daher darauf an, die Debatte auf den kommenden Tag zu verschieben. — Hiller will, daß es in ß. 75 anstatt: der Rabbiner ist das Organ seiner Gemeinde in allen ihren religiösen Angelegenheiten — heißen soll. in allen religiösen... Dieser Antrag stößt auf vielfachen Widerspruch, dagegen wird Kohns Antrag angenommen und die Sitzung aufgehoben. Lemberg, im Juni. Die lemberger israelitische Gemeinde hat den Rabbiner Kohn von Raudnitz berufen, um den für die Judenheit Galiziens so überaus wichtigen Posten eines ersten Predigers zu übernehmen. Frankreich. Paris, 1. Juni. (Privatmitth.) Nächsten Mittwoch, am 4. Juni, werden die Israeliten des portugiesischen Ritus den neuen Tempel eimveihen, den sie sich in der Rue Lamartine No. 23 erworben haben. Unsere hiesigen nicht zahlreichen portugiesischen Religionsgenoffen, die leider über sehr begrenzte Mittel nur zu gebieten haben, sind durch den wirklich brennenden Eifer einiger großmüthiger Mitglieder im Zeiträume von sechs Wochen in den Stand gesetzt worden, sich einen Tempel zu erwerben, der seines Gegenstandes würdig ist. Ehemals nur zu irdischen Vergnügungen bestimmt, wird in diesem Hause künftig das Lob des Herrn wiederhallen. Diese Umwandlung gereicht in unsrer jetzt so bewegten Zeit zum Tröste. Im Mittelalter verwandelte man jüdische Synagogen in katholische Kirchen, während der Schreckenszcit diente die Synagoge zu Metz zur Aufnahme der Hammel, jetzt können wir mit dem Psalmisten singen (118, 24.): „Diesen Tag hat uns der Ewige gebracht, wir wollen ihn feiern und seiner uns freuen." Ja, wir sind glücklich,-in einer Zeit der Duldung zu leben, und wir können Gottlob hinzufügen: diese Duldung hat den Eifer für unsere Religion nicht vermindert. Wollte dies Jemand bezweifeln, wir verweisen ihn auf diesen in 6 Wochen geschaffenen Tempel, dessen Kosten sich auf 30,000 Frcs. belaufen, wir verweisen auf die freiwilligen Gaben, die zur Ausschmückung zahlreich flössen. Es wäre freilich wünschenswerth, wenn diese Unterschiede des askenasischen und des portugiesischen Ritus aufhörten, denn wenn die Grundsätze der Religion übereinstimmen, wozu noch die Verschiedenheit der Zeremonieen, da beide Theile noch dazu jetzt einem Vaterlande stets angeboren, und die Vermischung Beider durch die getrennte Abhaltung des Gottesdienstes nur um so mehr sich verzögert. Der neue Tempel ist im ernsten, einfachen Style gebaut, in dorischer Bauart mit kannellirlen Säulen. Die Bundeslade ist von polirtem Eichenholz; hohe Tribünen sind für die Damen bestimmt. Wir fragen nicht, warum die Frauen so hoch verwiesen sind; diesmal erlaubten es die Lokalitäten nicht anders. Der Plafond ist mit Bildhauerarbeiten verziert. Bei Tag empfängt der Tempel von oben das Licht, und für den Abendgottesdienst brennen schöne Leuchter das Helle Licht der Gasflammen. Die Orgel ist hinter dem Chor, und vierhundert Personen haben bequem Platz im Gebäude. Diese Einrichtung und Bauart gereichen den Architekten, Herren Petit und Silveyra, zur größten Ehre. — Holland. Der neue Organisationsplan für die Verwaltung des israelitischen Kultus in den Niederlanden ist soeben gedruckt worden. Dieser Plan geht aus einer Kommission hervor, welche aus den Mitgliedern der für das letzte Jahr ernannten Generalkommission erwählt ist und wird gegenwärtig im Schooße eben dieser Kommission berathen. Der mit vielem Eifer von den Herren Nikerk, Gottfried, Van Gigek, Polak Daniels und Mulder ausgearbcitete Entwurf zerfällt in acht Sektionen, nämlich: 1) Vom israelitischen Kultus im Allgemeinen. 2) Von der allgemeinen Verwaltung und der der Tempel. 3) Von der Armenverwaltung. 4) Von der Beerdigung und den Gottesäckern. 5) Vom theologischen und religiösen Unterricht. 6) Von der Geistlichkeit. 26*