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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-06-23 · Heft 26 (23.6.1851) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 26 (23.6.1851)
Date
1851-06-23
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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302 bevorstehenden Unternehmung aus. Hierauf verlas der Herr Dbcrrabbiner die Urkunde, die in den Grundstein zu legen bestimmt war, den Anwesenden mit lauter Stimme vor, begab sich alsdann, unter Begleitung eines Lobgesanges der anwesenden Schuljugend, auf die zur Grundsteinlegung angewiesene Stelle, und legte hier den ersten Stein, welche Handlung er mit einigen ergreifenden Worten vor sich gehen ließ. Er deutete nämlich hin auf den Traum Jakobs, hob vorzüglich die Worte hervor: „Und so soll dieser Stein, den ich zum Denkmale erkoren, ein Gotteshaus werden." Ein Ehoral beschloß die Feier. Möge dieses Gotteshaus, dessen überaus feierlicher Grundsteinlegung wir beiwohnten, den herrlichen Zweck eines Tempels erreichen, auf daß an ihm die uns zugerufenen Worte der heiligen Bibel in Erfüllung gehen: „Sie sollen mir ein Heiligthum machen und ich werde rcsidiren unter ihnen." Kiff«, 8. Juni. (P. Z.) Eine seltene Feierlichkeit hat gestern in der hiesigen großen Synagoge stattgefunden. Dem hiesigen Rabbinatsassessor Kiewert Kalischer und dessen Ehegattin ward nämlich in Folge ihrer 00jährigen Zubelhochzeitsfeier von Ihrer Majestät der Königin mit allerhöchstderen eigenhändig vollzogenen Widmungsworten ein hebräisches Gebetbuch in Prachteinband durch Vermittelung des hiesigen Synagogenvorstandes zugesandt und Letzterer gleichzeitig durch den Bevollmächtigten der königl. Elisabetsvereinsstiftung, Grasen von Finkenstein, aufgefordert, das königliche Gnadengeschenk in feierlicher Weise durch ein Rabbinatsmitglied in der Synagoge dem Jubelehepaar überreichen und demnächst an den Bevollmächtigten der Stiftung einen kurzen Bericht über die Form der veranstalteten Feier für Ihre Majestät einzusenden. Der Synagogenvorstand nahm hierauf Veranlassung, den Akt der feierlichen Ueberreichung des königl. Gnadengeschenkes für den zweiten jüdischen Psingstfeicrtag vorzubereitcn. Vormittag 10 Uhr, unmittelbar nach beendigtem Frühgvttesdienste, versammelten sich nach vorgängiger Einladung die Spitzen der sämmtlichen hiesigen städtischen sowol, als der königlichen Zivil- und Militärbehörden in der festlich geschmückten Synagoge. Dos Jubelehepaar wurde hierauf im Gefolge seiner Anverwandten, darunter Enkel und Urenkel, von dem Gemeindevorstand in die Synagoge vor den Altar geleitet und ihnen die hier bereit gehaltenen Ehrenplätze angewiesen. Nach Absingung eines Psalmes erfolgte die Festrede vom ersten Lehrer der Gemeindeschule, Bernhard, gehalten. Am. Schlüsse des Aktes wurde das allerhöchste Gnadengeschenk dem Jubelpaare durch ein Rabbinatsmitglied überreicht. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im Juni. Die prager israelitische Kultusgemeinbe wird im Laufe der nächsten Woche die Wahl einer aus 18 Personen bestehenden Gemeindcreprasentanz vornehmen. Der Vorsitz in diesem Gemeindeausschusse wird dem bisherigen Vorsteher der prager israel. Gemeinde, M. I. Landau, nach Uebereinkommen der Gemeindeinitglieder, verbleiben. Die erste Aufgabe der neugewählten Gemeindevertretung für Kultusangelegenheiten wird sein, eine Kultusgemeindeordnung für Prag auszuarbeiten, zu welcher das Material in einigen von verschiedenen Komitö's bereits entworfenen Gemeindcordnungen reichlich vorhanden ist. Prag, 8. Juni. Wenn ich Ihnen jüngst berichtete, daß die Anschlußfrage der Josephstadt noch im Monat Juni von unserem Stadtverordnctenkollegium erledigt werden würde, so hat sich dies in so weit bewahrheitet, als vorgestern die Kommission, welche die Vorlagen dieser Frage ausarbeitete, die Vertrauensmänner der Joscphstadt zu einer Besprechung, in welcher die Kommission ihre Vorarbeit, die gleichzeitig dem Stadtrathe mitgethcilt wird, zur Einsicht vorlegte, einlud. Die gegenwärtige dritte Kommission hat sich vor Allem die Aufgabe gestellt, ein genaues auf rechtsgiltigen Urkunden basirtcs Inventar des Aktivvermögens der prager Stadtgcmeinde abzufaffen — da ein solches Inventar bis jetzt fehlte und dieses zur Ermittelung der Anschlußsumme unerläßlich erschien. Dadurch hat die prager Stadtgcmeinde gelegenheitlich den Vortheil erlangt eine genaue Kenntniß ihres Vermögens zu erlangen, was wir der Kommission als nicht geringes Verdienst anrechnen. Ob aber die Anschlußsrage nach diesen Vorarbeiten jetzt einer raschern Lösung entgegengehen wird, muß ich, nach dem was mir darüber bis jetzt bekannt geworden, sehr bezweifeln. Einmal werden die Vertrauensmänner der Joscphstadt selbst einige Wochen brauchen, um diese Kommissionsarbeit ge-

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