Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1851)
- Date
- 1851-06-23
- Page
- Seite 299 (sequence 3)
- Language
- German
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2SV So halten sie 'S Geloben Gar bieder, wahr und treu. Won Gold und Kostbarkeiten Aus ihrer reichen Hab Den Zehnten sie ausscheiden, AlS fromme Opfergab. Er nimmt auf freundlich Dringen 's Geschenk der Rabbi an. Läßt es nach Hause bringen, Daß er es bergen kann. Im Aug' die Reuezähre, Tritt schüchtern sie zum Saal. Zu Ananias Füßen Fällt sie und seufzt und stöhnt: Kann ich das Unrecht büßen, Mein-Gatte sei versöhnt! Dein Weib gleicht einem Schiffe, Von fern' es Nahrung bringt; Daß nicht am Felsenriffe In Abgrund es versinkt. 3. PN-M72 1NV nVlttO Ananias betroffen In seine Stube kömmt, Denn daß sein Weib entloffen Mac ihm bis jetzt noch fremd. Er trifft nicht Trank noch Speise, Gar müde, muß er steh'n. Doch schnelle ahnt der Weise Inzwischen was gescheh'n. Die Schüler ohne Weilen Schickt er nach reichem Mahl, Nach Bank' und Tisch enteilen Die Nachbarn allzumal. Da ist ein munter Zechen Im lust'gen Tischrevier, Beim Lachen, fröhlich Zechen Vergißt das Leid man hier. Des Nachts da denkt die Stolze: Ich plag den Mann mir Hohn, Ob er auf hartem Holze Denn auch geschlafen schon? Ob er bei leerem Magen Auch Hab' an's Weib gedacht? — Mit Thronen wird er sagen: „Du hast mir 's Glück gebracht!" Von fern hört sie die Zecher, Den frohen Rundgesang, Gar lustig kreist der Becher Den ganzen Tisch entlang. Sie hört die Wundermähre Vom Schiff und dem Gemahl, Muß der Gemahl es leiten Wol durch die Lebenssee, Es muß ihm Trost bereiten In Kummer, Noch und Weh. Sie theilen Bann und Schmerzen, Sie tragen Glück und Plag', Sind Mann und Weib zwei Herzen, So eint sie doch ein Schlag. Leitender Artikel. Erziehung jüdischer Jugend. Bon U. Wie das Leben des Individuums, so das Leben der Völker. Das Leben des Einzelnen ist meistens eine Kette von Mühseligkeiten, Kämpfen, eine Reihe bitterer Erfahrungen, Täuschungen, nur selten erheben dagegen freudige Ereignisse. Nur das Ruhige, in sich Wachsende und sich Heiligende bildet den wahren Kern des Lebens, der unvergänglich ist, ewig wahre und ungetrübte Freude schafft. Also ist es auch im Leben der Völker: ein immerwährendes Ringen, Kämpfe», Ertragen, selten von einem die ganze Masse freudevoll erregenden Ereigniß beglückt. Auch hier schafft nur die ruhige, in sich wachsende, still bildende Entwicklung wahren, friedlichen, heiligenden Genuß. Dem Judenthum war es nie Aufgabe und Charakter, in die große Welt hinauszutreten, sich an den Kämpfen der Völker thätig zu betheiligen. Wo es dies that, erlitt eS Einbuße und erstarkte nur eist wieder in sich selbst und gerade unter den schwierigsten Außenverhaltnissen am Meisten. Es ist dieser Gestchlspunkt vorzüglich bei der Erziehung der jüdischen