Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1851)
- Date
- 1851-06-23
- Page
- Seite 298 (sequence 2)
- Language
- German
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298 Beim Borgen und beim Sorgen Erlischt der Tora Licht, Wenn heute auf das „Morgen" Dir Mehl und Brod gebricht. Der Rabbi wallt in Frieden Den heil'gen Lehrberuf; Er spricht: „Mein Glück hienieden Mein Gott im Himmel schuf; Weib sei nur unverdrossen. Denn Dein Besitz ist mein. Im Himmel wird geschloffen Der ehliche Verein." Die Frau ist ungehalten Ob ihres Mannes Red', In ihres Herzens Spalten Der blasse Neid entsteht. Sie grollt: ich will's ihm zeigen. Daß er die Gaben schätz', Denn Alles ist mein eigen Nach Brauch und nach Gesetz. Der Gatte lehrt voll Eifer Im weilen Lehrhaussaal; Jndeß die Frau voll Geifer Den Mägden all' befahl: „Kommt, eilt, seid nur behende, Räumt mir 's Geräthe aus. Damit mein Mann dann fände Nicht Sitz im ganzen Haus. „Kein Weib soll ihn begrüßen Kehrt müd' er von der Schul', Es wird ihn wol verdrießen Find't er nicht Tisch noch Stuhl; Find't er auf mein Geheise Im Durste keinen Trank, Im Hunger keine Speise, Als Lohn für schnöden Dank." 2. *pK i-nin ön Zu Jabne an der Rhede Da steht ein Wachterthurm, Der Wärter ängstlich spähte Hinaus in wildem Sturm. Die Schiff' von Tarschisch zogen Mit Schätzen reich befracht't, Gepeitscht von wilden Wogen, Daß Kiel und Mastbaum kracht. Kein Lootsen will sie führen Herein in sichern Port, Es will den Sturm nicht rühren Nicht 's Fleh'n zum Heidenhort. Sie spähen und sie flehen Zum Himmel in der Noch: „Wenn wir den Hafen sehen, „Entrinnen jähem Tod, „Gelobt des Schiffes Meister, „In Zabne wohlbekannt, „Ananias, so heißt der „Nasi an dem Strand, „Der soll den Zehnten heben „Von Schiffes Kostbarkeit, „Wenn Gott uns mit dem Leben „Aus der Gefahr befreit." Der Rabbi auf dem Söller Schaut hin zur wilden See Und sieht wie schnell und schneller Das Schiff bedroht vom Weh. „Er betet auf den Knieen: „O hilf, mein Gott und Herr, Du kannst ja Wege ziehen Dem Schifflein auf dem Meer." „Wenn Tarschisch Schiffleut' schreien Hörst du's, dir folgt der Wurm, Und selbst vor deinem Dräuen Verstummt der wilde Sturm." Und kaum das Wort gesprochen Aus seinem Munde war, Ist Sturmesmacht gebrochen, Der Himmel wurde klar. Der Schiffmann an dem Steuer Lenkt's Schiff mit sichrer Hand, Zm Aug' glüht Dankesfeuer, Sie treten an das Land. Und weil der Sturm zerstoben, Das Drohen war vorbei,