Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1851)
- Date
- 1851-06-16
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
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295 Daß dies übrigens noch keine Anzeichen sind, daß die Juden nach Spanien zurückzukehren, die Erlaubniß erhalten werden, beweist das Konkordat, das soeben zwischen der Königin von Spanien und dem Papst ratifizirt worden ist und dessen erster Artikel folgendermaßen lautet: Die römisch-apostolisch-katholische Religion, welche mit Ausschluß jedes andern Kultus fortfährt die einzige Religion des spanischen Volkes zu bleiben, soll in den Staaten Ihrer katholischen Majestät mit all den Rechten und Privilegien erhalten werden, deren sie nach den Gesetzen Gottes und den Anordnungen der heiligen Kanone genießen soll. Rußland. Bo« der russischen Grenze, 5. Juni. In der orthodoxen Judcnschast Rußlands herrscht jetzt tiefe Trauer ob der neuen Maßregeln, die ihre Herkömmlichkeiten aus der guten grauen Zeit so hart betreffen, und komische und tragische Szenen sind an der Tagesordnung, zu heiterin Lachen oder ernster Betrachtung stimmend. Jüngst wurden zwei beharrliche Hebräer, die ungeachtet des Verbotes, die dort allgemeinen Sammtkäppchen zu tragen, damit erwischt wurden, von Zitomir alsogleich nach Kiew, dem Sitze des Guberniums abgeführt, um dadurch ein warnendes Beispiel für ihre Glaubcnsbrüder zu statuircn. Eine Frau, die angegeben worden, sie habe nach bereits publizirtem Verbot ihr Haupthaar rasiren lassen, wurde von Polizeileuten barhaupt durch die Straßen der Stadt geführt, um neuerdings ein abschreckendes Beispiel den orthodoxen Juden Rußlands, die diese Regierungsmaßregeln als das höchste Unglück betrachten, das sie hätte treffen können, zu geben. (Ll.) Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Pädagogische Aphorismen. Von E. WolffLerg. 1. Der Mensch in seiner Jugend ist immer geeignet, Eindrücke zu empfangen von Seiten des Gefühls; je alter er wird, desto mehr überlegt er, und Einwirkungen auf ihn sind dann fast nur möglich von Seiten des Verstandes. Als fühlender, kaum als denkender Mensch tritt das Kind unter seine Gespielen und in die Schute, von der größten Wichtigkeit für das ganze Leben des Kindes sind seine gesitteten oder sittenlosen Hausgenoffen. Die Gefahr, in welcher das Herz eines Kindes lebt, ist groß; es zu bewahren vor allem verderblichen Einfluß, es immer mit guten Menschen, mit guten Eindrücken zu umgeben, ist eine große, vielleicht unauflösliche Aufgabe. Der Lehrer sucht jene Gefahr zu beseitigen durch Anregung und Ernährung der religiösen Gefühle und Gesinnungen d-es Kindes, er veredelt das zarte, ästhetische Gefühl desselben, und kann eS, wenn guter Wille und Geschicklichkeit ihn unterstützen, wol dahin bringen, daß Kinder Widerwillen und Abscheu empfinden bei allem Bösen. Freilich, der Hindernisse wird der Lehrer manche finden, aber dennoch — er kann es dahin bringen. 2. Der Lehrer, der sich am Besten in die Kindesseele hineindenken kann, ist sicherlich ein tüchtiger Lehrer. Daß der Lehrer einen großen Schatz von Gelehrsamkeit besitze, ist für ihn selbst nur angenehm, der Schule bringt es selten großen Nutzen. Die Schule stellt an ihn die Forderung der Gründlichkeit und der Umsicht, sie will, daß er die Fähigkeit habe, „Gründlich-Gelerntes" (Elementares) auf die leichteste Weise dem Geiste der Kinder eigen zu machen, sie will Liebe, Geduld und Gewiffenhaftigkeit. Viel, Kollegen! viel sind uns der großen Pflichten; Mühen, Sorgen viel, — Lohn in eigner Brust! 3. Der Trieb zur Thatigkeit und zur Freiheit lebt und wächst in jedem Menschen; der Erzieher unterdrückt ihn nicht, sondern wirkt dahin, daß allem Streben des jungen Menschen die Vernunft nicht fern bleibe. Er giebt Winke, er deutet Richtungen an. Der Mensch wird aus sich selbst hknausgetrieben. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz. Detmold, 25. Mai 1851. Kultusreform. (Schluß.) 5) In Sota 48 heißt es: »nws, aber dieser Ausspruch des r)DT 5*1 ist nicht in die mplös übergegangen; ein fernerer Beweis,