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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-06-16 · Heft 25 (16.6.1851) · p. Seite 294

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 25 (16.6.1851)
Date
1851-06-16
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
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294 nicht, daß drr Ayuntamiento dm Beraubungen auf dem Gottesacker von Jndimendi Einhalt thun und der Erde die Leichname, welche die Ausgrabungen ihr entzogen haben, wiedergebcn wird. Das israelitische Konsistorium von Saint-Esprit, welches mit Recht über die Entweihung der sterblichen Reste seiner Brüder entrüstet war und seine Pflichten gegen die Todten begriff, so wie es sie gegen die Lebenden erfüllt, hat folgenden Brief an den Munizipalrath von Viktoria erlassen: Samt-Esprit, am 25. April 1851. An den Herrn Alcade und die Mitglieder des Ayuntamiento von Viktoria. Wir haben so eben in den spanischen Blättern gelesen, daß bei einer Umgrabung des Bodens Behufs der Anlage einer neuen Straße, man auf einem Gottesacker Leichname entdeckt hat, deren Bestattungsweise zeigt, daß sie der israelitischen Religion angehören. Die Journale fügen hinzu, daß dieser Gottesacker der Stadt Viktoria 1492 von den Israeliten bei ihrer Vertreibung aus Spanien überlassen ist, unter der ausdrücklichen Bedingung, daß das Feld niemals bebaut noch «ntäußert werden soll, einer Bedingung, welche von beiden Seiten eingegangen ist. Wir als erste Behörde des israelitischen Kultus in einer an Spanien grenzenden Provinz bewahren mehr als Andere das Andenken eines Landes, welches unsere Vorfahren ehemals bewohnten, und bitten Sie, meine Herren, achtungsvoll, den auf diesem Gottesacker begonnenen Ausgrabungen Einhalt zu thun. Wäre die Humanität für uns nicht ein Unterpfand gegen jede Entweihung eines heiligen Ortes, so schmeicheln wir uns zu hoffen, daß der 1492 vom Ayunkamiento eingegangenen Verpflichtung ihrem ganzen Inhalt nach nachgekommen werden wird; denn, wenn es etwas Unverletzliches giebt, so sind es die Uebcreinkommen, welche auf das Wort einer Stadt hin, getroffen wurden, und welch' Unterschied in der Religion zwischen uns obwalten mag, wir wissen, daß Gerechtigkeit und Heiligkeit der Verträge allen Religionen eigen ist. Genehmigen Sie, meine Herren, schon im voraus unseren Dank für die Anordnungen, welche Sie treffen werden, um die Ausführung unserer Bitte zu vollziehen, so wie den Ausdruck der hohen Achtung, mit der wir die Ehre haben zu sein u. s. w. Die Mitglieder des Konsistoriums. Dieser löbliche Schritt des Konsistoriums von Saint-Esprit hat den besten Erfolg gehabt. Die Munizipalbehördcn von Viktoria haben unmittelbar darauf geantwortet: Mit ganz besonderem Interesse hat der Ayuntamiento die ihm sehr angenehme Mittheilung entgegen genommen, welche das Konsistorium vom 21. des vergangenen Monats an ihn gerichtet hat; und wenn die Humanität, die vom Ayuntamiento 1492 eingegangene Verpflichtung und die Ehre einer aufgeklärten Bevölkerung die Wiederherstellurg, welche Sie beanspruchten, verlangten, so hat der Ayuntamiento die Genugthuung, Ihnen die Versicherung geben zu können, daß er Ihren Wünschen zuvorgekommen ist. Die bei Gelegenheit einer in der Umgebung von Jndimendi vorgenommenen Sandgrabung entdeckten Leichen wurden auf dem ursprünglichen Eigenthum und außerhalb der Grenzen jenes Bezirks gefunden; indessen hat der Ayuntamiento, um jede Entweihung zu vermeiden, Maßregeln getroffen, zufolge deren man augenblicklich die Leichen bestattete und die Ausgrabungen aussetzte, und dies hat stattgefunden, ohne daß ein neuer Umstand sich ereignet hätte. Der Ayuntamiento hat zum Beweis der Rücksicht, welche er auf Ihre werthe Empfehlung nimmt, entschieden, daß die Grenzen des Feldes von Jndimendi abgestochen und eingezäunt werden solle. Man wird zur Verschönerung des Platzes einige Bäume anpflanzen. Dies ist Alles, was die Korporation die Ehre hat, Ihnen mitzutheilen, indem sie sich mit der vollkommensten Hochachtung Ihren Befehlen zur Berfüfügung stellt. Gott erhalte Sie viele Jahre. Viktoria, den 1. Mai. 1851. Der Vorsitzende Maire Louis de Azuria. (Nach dem Univ. isiaelite.) Madrid, im April. Dem Herrn Emil Leon, Vizepräsidenten des Konsistoriums von Saint-Esprit ist soeben von ihrer katholischen Majestät, der Königin von Spanien, ein Orden verliehen worden. Man schreibt über diesen Vorfall aus Madrid: Das ist ein Fortschritt; Isabelle die Erste hat die Juden verbannt und Isabelle die Zweite ertheilt ihnen Ehrenzeichen für die gute Aufnahme der katholischen spanischen Flüchtlinge.

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