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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-06-16 · Heft 25 (16.6.1851) · p. Seite 293

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 25 (16.6.1851)
Date
1851-06-16
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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daß die Autonomie der Kirche vollständig durchginge, wir würden dadurch wieder in das vorige Jahrhundert zurückversetzt, in dem die Parnasim florirten. Hat schon eine Flugschrift, freilich ironisch, angemuthet, die durch die Volkssouveränität abgesetzten Rabbinen bei der Eisenbahn anzustellen. Wir wollen nicht undankbar die Kräfte der Regierung von uns stoßen, die uns geholfen hat, die Stagnation früherer, traurigen Zeiten zu entsumpfen und trocken zu legen. Als Zeitungsprise kann ich Ihnen zum Schluffe mittheilen, daß der Dichter Mosenthal dieser Tage hier mit seiner Kusine, der Tochter des Regierungsraths Dr. Carl Weil getraut worden ist. — Die im Mai vorgenommene Neuwahlen sämmtlicher Beisitzer der Kirchenvorsteherämter des Landes hat zu allerhand Agitationen Veranlassung gegeben; doch hat meistens die Intelligenz obgesiegt. — Die israel. Bevölkerung Württembergs stellt auch ein bedeutendes Kontingent an Ansiedlern nach Amerika. Nicht verweigerte bürgerliche Freiheit, sondern die tristen sozialen Zustände in Bezug auf Gewerbe und Handel vertreiben diese jungen Gewerbsleute aus der Heimath. Große Gemeinden, wie Jebenhausen, Oberdorf u. a. m. werden entvölkert. Doch vergessen diese Kolonisten im frommen kindlichen Sinne ihre Heimath nicht und unterstützen reichlich die Nothleidenden zu Hause. Oesterreichischer Kaiserstaat. Czernowitz, 27. Mai. (L. Z. GO Am verflossenen Donnerstag erlebten wir hier einen Judenkrawall, der aber ohne weitere Folgen blieb. Mehr als 50 Juden rotteten sich, mit schweren Wurfsteinen versehen, in der czernowitzer Judengaffe zusammen, um den von der czernowitzer Fleischpachtung als Schächter aufgestellten Pinkas Schekler zu steinigen, weil durch seinen Dienstantritt die anderen Schächter brodlos geworden sind. — Ein schnelles Einschreiten der Gensd'armerie machte dem Exzesse ein baldiges Ende. Die Haupträdelsführer, Abraham Herschmann, Chaim Berl und Sender, wurden verhaftet und dem czernowitzer Magistrale eingeliefert. (Ll.) Spanien. Viktoria, im April. Man las im International de Bayonne: „Man hat bei den zu Jndimendi veranstalteten Ausgrabungen mehrere Skelette von Israeliten entdeckt. Es ist wahrscheinlich, daß die Fortsetzung der Arbeit noch andere zu Tage fördern wird. Das Haupt eines jeden dieser Skelette ruhte auf einem steinernen Kissen. Einige trugen um die Stirn gelegt noch Uebcrreste des Thalits. Diese auf dem alten, israelitischen Gottesacker gemachte Entdekkung hat an sich nichts Außerordentliches. Man weiß ziemlich allgemein, daß die Juden gegen das Jahr 1200 sich in Viktoria niederließcn, daß sie dreihundert Jahre später 1492 verjagt wurden, und daß sie bei ihrem Abzüge dem Ayuntamiento das Feld oder den Gottesacker von Jndimendi übergaben, unter der ausdrücklichen Bedingung, daß dieses Feld niemals umgegraben werden sollte. Diese Bedingung wurde im Namen der Stadt von dem Prokurator- Syndikus angenommen. Der Ayuntamiento von Viktoria muß diese Versprechen, die im Jahre 1492 von seinen Magistraten gegeben sind, halten; denn das Wort einer Stadt ist heilig, selbst wenn es Israeliten gegeben ist." Ja, ohne Zweifel, das Wort einer Stadt ist heilig, ganz besonders muß dasselbe cs bei den vorwaltenden .Umständen sein. Die Geächteeen Viktoria's konnten die Gebeine ihrer Väter rzicht mit sich in das Exil nehmen, sie wollten durch die der Stadt für die Schenkung des Feldes von Jndimendo auferlegte, letzte Bedingung, für immer die Unverletzlichkeit ihrer Gräber sichern. Diese Schenkung ist 1492 von der ersten Magistratsperson der Stadt angenommen; die einzige Klausel, welche sie in sich schließt, ist während der vier Jahrhunderte, in denen sie bestanden hat, geachtet worden, und der jetzige Ayuntamiento kann den Kontrakt von 1492 nicht verletzen, ohne seiner Würde zu vergeben und sich unduldsamer zu zeigen, als die, welche ihn unterschrieben. Wie die letzte Phrase des Korrespondenten von Viktoria zu zeigen scheint, glauben die Behörden dieser Stadt, die Verletzung der Gräber von Jndimendi mit dem unstatthaften Grunde vertheidigen zu können, es wären Israeliten, die dort ruheten. Mögen sie sich erinnern, daß heute nach achtzehn Jahrhunderten der Aechtung und der Leiden dies Pariavolk seine Stelle in der großen Familie, aus der es niemals hätte ausgeschlossen werden sollen, wieder eingenommen hat und sie würdig behauptet, und daß in Folge dessen der Kontrakt von 1492 unter keinem Vorwände aufhören kann, verpflichtend zu sein. Nein, wir zweifeln

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