Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1851)
- Date
- 1851-06-09
- Page
- Seite 285 (sequence 9)
- Language
- German
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385 so ungeheuere Resultate ahnen ließ, daß die Erst »der dieser Wiffenschast^ staunend vor de» Wundern ihrer eignen Entdeckung, diese Wunder selbst göttlich verehrte«:. Der heilige Schleier der egyptischen Isis, er ist Lie trübe Dunkelheit, in welche das wunderbare Leben je»es Gestirnes für sie gehüllt war, durch. welche das forschende Auge in dunkel geahnten Umrissen das eigentliche Wesen zu errathen versuchte, ihn aber selber zu heben, war keiner sterblichen Hand vergönnt. Dieser erst nach Klarheit ringende Geist dringt im Ausdrucke jene dunkle Bilderform hervor, in welche die Gedanken jener strebenden Weisen niedergelegt sind; und wenn wir mit unserer hohem Erkenntniß jene Bildersprache betrachten, so sind wir leicht verlockt, diesen Bildern einen weit bestimmtern u»d klarem Siir» unterzulegen, als jenen zum Bewußtsein gekommen ist. Aehnliches laßt sich vom klassischen Alterthuin behaupten. Denn einerseits finden sich in den Schriften der größten Weise» dieser Zeit Satze, in welchen man die reinste religiöse Anschauung ausgesprochen glauben kann, so daß christliche Kirchenvater, ja jüdische Rabbiner sich nicht gescheut haben, um für ihre Glaubenssätze alte Bestätigungen öeczubringen, auf He Bücher jener Philosophen zurückzugehen. Anderseits ist die Zahl dieser Männer so spärlich, durch die Jahrhunderte jenes Zeitalters so zerstreut, daß sie für die Ehc,rakterisirung dieses Zeitalters selbst schlecht als Anknüpfungspunkt diene» können. Diese Männer standen auch zum großen Theile über der Anschauungsweise ihrer Zeit. Oec Philosoph, welcher gesagt: „der Geist ist der Schöpfer des Alls" mußte aus dem Vaterlinrde fliehen, und der mit der tiesahnenden Seele begabte Plato war der Schüler des Mannes, der den Giftbecher trinken mußte, wett er, wie mit» ihn beschuldigte, neue Götter einführte. Endlich ist auch den Weisen dieser Zeit, obwol sie diesen Namen mit höchstem Rechte verdienen, dennoch weit mehr untergeli^t worden, als ihnen zum klaren Bewußtsein gekommen ist; denn betrachten wir z. B. Plato genauer, in welchem man besonders eine über das Alterthum erhabene religiöse Anschauung zu entdecken geglaubt, so stößt man hier freilich auf Sätze, welche, außer dem Zusammenhänge betrachtet, auch in unseren Lehrbüchern der Religion einen Platz finden könnten. Auf der andern Seite aber treffen wir so viel mystische Unklarheit, ein so trostloses Rlrrgen nach den Vorstellungen, daß wir daran irre werden müssen, ob die Wahrheit, die tiefen Gründe und die weitgreifendenFolgerungen der von ihm selbst ausgesprochenen Satze von ihm verstanden worden sind. Wenn wir seine Worte iir unsere Sprache übersetzen, so haberi sie für uns ganz andere, weit bestimmtere Begriffe, »nd die Zusammenstellung dieser giebt einen ganz ander» Gedanken. SSW spricht er von Gvtt, nicht von eiri<m Gotte, der aus einer Mehrheit herausgesondert ist, bvch deshalb ist ber Polytheismus vo» ihm noch nicht überwunden. Es ist sehr möglich, daß dieser Gott desPlat-c nur als der oberste der vielen griechischen Götter, als Zen § verstanden wurde, der nur idealer cutsgefaßt worden, als dies im populären Lultus geschah, ehne daß er doch die übrigen Götter txoit ihren ehrwürdige«. Thronen stürzte; höchstens ist dieser Gott ein Kollektivbegriff, eine Zusammenfassung der Eigenschaften aller Götter in einen Namen, durch den aber jene einzelnen Götter nicht zu sein -aufhörten; vielmehr bestanden sie als Individuen fort, und jener hatte gar keine Wesenheit, er ist nur das Göttliche, bas (tn allen einzelnen Göttern gemeinschaftlich haftet." Korrespondenz. Detmold, 25. Mai 1851. Kultusreform. In der neuesten Zeit finden sich in der Allg. Ktg. des Judenthum^ Mittheilungen über den Kultus verschiedener Gemeinden. Da von hiecnus, wie es schrillt, Niemand die Feder ergriffen hat, um dasjenige mitzu- Lheilen, was hierin seit einigen Jahren bei uns Erfreuliches geschehen ist, so erachte ich es für passend, dieses selbst zu thun; nnewol ich schon deshalb gewünscht hci tte, daß irgend ein Anderer darüber berichtet hätte, weil ich genöthigt bin vvn mir selbst zu sprechen und es als eine Selbstbelobung erscheinen könnte, welche mir jedoch ganz lern liegt. Meine Absicht ist nur pt zeigen, wie bei Lins Viel des Gute» nach und nach irr friedlicher Weise geregelt worden, was in anderen Gegenden so viele Gez»er gesunden, so vielen Zwiespalt erregt und endlich den»och eingeführt ist öder eine Trennung bewirkt hat. Alst zur Sache. Bis zmrr Jahre 1829 mtr der Gottesdienstin demjenigen Zustande, wie er überall in Deutschland aus den Zeiten der Bedrückung uns überkommen war. Damals wurde dctS erste Bedürfniß einer Organisation gesuhlt und durch eine vorzüglich Ruhe, Ordnung und Abschaffung einiger auffallenden Mißbrauche bezweckende 24 *