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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-06-09 · Heft 24 (9.6.1851) · p. Seite 284

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 24 (9.6.1851)
Date
1851-06-09
Page
Seite 284 (sequence 8)
Language
German
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284 egyptische Bilderschrift aus ihrer geheimnißvollen Abgeschiedenheit heraus und uns gleichsam naher, so stellen sich doch ihrem vollkommenen Verständnisse noch sehr bedeutende Schwierigkeiten entgegen. Die erheblichsten sind, daß sie nicht rein alphabetisch ist, sondern, wie auch schon Clemens andeutet, viele symbolische Bezeichnungen mit einschließt, besonders aber, daß die Sprache, Ln welcher diese Inschriften abgefaßt sind, Ln ihrer ursprünglichen Gestalt nicht weiter existirt. Allerdings erweiset sich die Voraussetzung als berechtigt, daß Ln dem Koptischen sich die Reste des alten Egyptischen erhalten haben. Aber einerseits ist es nicht sicher, wie groß die Aehnlichkeit zwischen den beiden Idiomen sei, anderseits ist der koptische Sprachschatz selbst, wie er in einigen Schriften uns erhalten ward, verhaltnißmaßig nur gering, und auch hier findet sich demnach bei dem Verhältnisse noch manche Unsicherheit ein. Unter diesen Umstanden kann es nicht auffallen, wenn man bisher noch lange nicht dahin gelangt ist, hieroglyphische Texte vollständig zu entziffern, und über die Ringe hinaus, welche die Namen und Titularen der Könige einschließen, sich noch nicht weit wagen kann. Dagegen sind die bekannten Namen egyptischer Könige, wo sie sich auf den Denkmälern oder Papyrus finden, auf den ersten Blick erkennbar, so auch eine Anzahl von Titularen und andere stehende, oder sich häufig wiederholende Phrasen/' Magdeburg, im Juni. Grundriß der Entwickelungsgeschichte der religiösen Idee in der Menschheit und deren praktische Bedeutung (Moral), dargestellt in vier Vorlesungen von vr. Caro, israel. Prediger. Schwetz, 1851. Der Inhalt des Schriftchens (61 S.) entspricht freilich dem vielsagenden Titel nicht; weder wird in diesen vier Vorlesungen eine Entwickelungsgeschichte der religiösen Idee überhaupt, noch auch ein Grundriß derselben gegeben; vielmehr enthält die erste Vorlesung eine Auseinande-rsetzung, daß man im Heidenthum nicht zur Erkenntniß Gottes kam, die zweite, daß die Lehre vom einigen Gotte durch die Offenbarung gekommen, die dritte, daß das antike Heidenthum nicht die wahre Sittlichkeit gehabt, sondern, wie die vierte zeigt, das Judenthum. Auch ist das Ganze noch von der Ueberschwanglichkeit der Jugend gefärbt, die hier aber nicht in Schwulst, sondern in der Liebenswürdigkeit des erregten Herzens, der warmpulsenden Freudigkeit am Amte und Schaffen sich darstellt. Doch giebt der Vers, eine Menge Gedanken, die, wenn auch nicht neu, doch nicht oft genug gesagt werden können, in recht populärem Gusse, in Jedermann durchsichtigem Gewände, so daß wir das Schriftchen recht herzlich empfehlen. Heben wir nach unserer Gewohnheit eine Stelle aus der ersten Vorlesung heraus: „Es hat der Menschheit einen unglaublichen Kampf gekostet, auf den sichtbaren Gott zu verzichten; und wenn man das Durcheinanderlaufen einer geistigen Gotteslehre und des götzendienerischen Kultus im Oriente betrachtet, so ist man sehr zu der Annahme berechtigt, daß es dort eine äußerliche und innnerliche Gotteslehre gegeben. Denn da in jenen Ländern die Bewohner eines Staates in so vollständig geschiedene Kasten getheilt waren, daß sie feindseligen Völkern ähnlich waren, so liegt die Vermuthung sehr nahe, es habe unter diesen verschiedenen Theilen auch eine so große Bildungsverschiedenheit geherrscht, daß die erste dieser Kasten, die überall die Priesterkaste ist, weit geläutertem Begriff vom göttlichen Wesen hatte, als sie der großen Masse des Volkes bei ihrer Bildung einflößen konnte, oder aus herrschsüchtigen Gründen wollte; denn die Reinheit der Priester, welche den Staat regieren, ist immer zu bezweifeln. Von diesen Priestern aber rühren unsere Nachrichten von der religiösen Weisheit jener Völker her, und deshalb dürfen wir diese nur als das Eigenthum einer sehr geringen Anzahl betrachten. Wie anders erklärt sich sonst die hohe Achtung, welche erleuchtete griechische Philosophen vor den ausgezeichneten Kenntnissen der egyptischen Priester hatten, so daß sie beschwerliche und gefahrvolle Reisen unternahmen, um von ihnen zu lernen, wenn wir trotzdem in Egypten den rohesten Thierdienst finden. Außerdem aber ist diese indische und egyptische Priestertheologie auch noch mit kritischem Auge zu betrachten, und dann erkennen wir, daß auch in ihr nur erst das Ringen nach dem unfehlbaren Gotte vorhanden ist. Dieser sich selbst entwickelnde B rah m der Inder ist Nichts, als das Bild des nach der Erkenntniß des Göttlichen ringenden Geistes. Und der Kultus der vorder-asiatischen und mit ihnen zusammenhängenden egyptischen Völker trägt die unverkennbare Spur des Naturdienstes; nur war diese Natur in ihrer ganzen Größe als Wett schon so weit begriffen, oder mindestens durch fleißige Beobachtungen in ihren regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen so weit kennen gelernt, daß man gewisse Hauptfaktoren aller dieser Erscheinungen herauserkannte. Aber diese Weltregierer wurden weit eher als Körper verstanden, höchstens als belebte Wesen mit ungeheueren Körpermassen, kurz diese Gotteslehre hangt mit der Astronomie aufs Engste zusammen, deren Ausbildung

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