Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1851)
- Date
- 1851-06-09
- Page
- Seite 282 (sequence 6)
- Language
- German
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282 werden. — Kreisrabbiner Dr. Elbogen sieht im W'schen Antrag einen Zwang gegen die Gemeinden, wogegen er bereits von Anfang an sich entschieden ausgesprochen habe. Dann beschwört der Redner die Versammlung, die Gemeinden nicht unglücklich zu machen durch die Anordnung, daß dieselben jeden Sabbat eine Predigt anhören müssen. Es sei auf dem Lande kein Ueberfluß an guten Predigern; die fragliche Bestimmung müßte daher für die Gemeinden eine fürchterliche Tortur werden. (Schluß folgt.) Großbritanien. London, im Mai. (Ll.) Als Beweis für die englische Religiosität in allen Glaubensbekenntnissen und für die Achtung, welche derselben geschenkt wird, folgende Thatsache: Bekanntlich haben die Besitzer von Säsonkarten ihre Namen beim Eintritte in's Ausstellungsgebäude in ein Buch zu schreiben, um sich als Besitzer der Karte zu legitimiren. Die jüdischen Glaubensgenossen, denen der Talmud das Schreiben am Samstage verbietet, hätten sich dadurch freiwillig am Samstage vom Besuche der Ausstellung ausschließen müssen, wenn sie Besitzer solcher Säsonkarten waren. Sie haben nun dagegen remonstrirt und den Bescheid erhalten, daß es ihnen gestattet sei, am Samstage ohne Namcnsverzeichnung einzutreten, doch werden sie gebeten durch Thüre 11 zu kommen, um gewissermaßen eine Kontrole zu gestatten. Rußland. Von der ruffischen Grenze, im Mai. Der „Lloyd" berichtet: Die neuen, gegen Tracht und Gebräuche russischer Juden erlassenen Gesetze werden bereits mit größter Strenge gehandhabt. Frauen werden oft in ihrer Wohnung und zuweilen auch auf offener Straße visitirt und „rasirte Köpfe" auf die Polizei geführt. Kalisch, 18. Mai. Die Sonst. Bl. a. B. berichten: Auf Befehl des Kaisers wird zu Johanni nächsten Jahres im ganzen Königreiche den Juden die Schankgerechtigkeit abgenommen werden. Literarische Nachrichten. Magdeburg, im Mai. Ueber die Hieroglyphenentzifferung. EineHabilitationsvorlesung, im Auditorium niaximum der fönigL Universität zu Königsberg gehalten, von Sacilschütz, Dr. phiL, Privatdozent der orientalischen Alterthumskunde an der Universität zu Königsberg. Königsberg, 1851. — Egypten steht mit den ältesten Phasen Israels in der engsten Verbindung. Dahin wanderten Abraham und Jakob, in diesem Lande gebot Joseph, hier wuchs die Familie Jakobs zu einem Volke an, hier wurde es geknechtet und wunderbar befreit, hier wurde Mosche von der Hand der Königstochter gerettet und erzogen, von hier zog Israel zum Sinai. Bei so engem Zusammenhangs ist das Ägyptische Atterthum für Israel vom höchsten Interesse; jede Beleuchtung jenes ist für dieses von Bedeutung. Die vorliegende Vorlesung, wenn sie auch die egyptische Alterthumswissenschaft an sich nicht weiter führt, hat das schöne Verdienst, die Geschichte der Hieroglyphenentzifferung selbst dem Laien auf diesem Gebiete, auf's Klarste vorzuführen, und mit Deutlichkeit zu zeigen, wie weit dieselbe gediehen ist. Wir schreiben ihr daher ein außerordentliches Interesse zu. Sie beginnt mit dem Zuge Bonaparte's nach Egypten, erzählt die Auffindung des Steins zu Rosette mit hieroglyphischec, egyptischer und griechischer Inschrift, in der die hieroglyphische Schrift des Namens Ptolemaus nicht zweifelhaft sein konnte; die Bemühungen de Sacy's darum, die Versuche des Engländers Floung, endlich dm glücklichen Erfolg Champollions in der Entzifferung der Namen Ptolemaus und Kleopatra, wodurch dasHieroglyphenalphabet einen bedeutenden Anhalt bekam. Die interessante Darlegung muß in dem Schriftchen selbst nachgelesen werden. Es ergiebt sich daraus wesentlich, daß die Hieroglyphen — zum Theil — nur Buchstaben sind. Wir geben das Resultat mit den Worten des gelehrten Verfassers: „Der Gedanke, daß die vollständige Zeichnung eines Gegenstandes Nichts als einen gewöhnlichen Buchstaben bedeuten sollte, halte für die älteren Forscher etwas Widerstrebendes. Man konnte sich nicht überwinden, zu glauben, daß in diesen wunderlichen Darstellungen von Thieren und menschlichen Gliedern etwas Anderes, als symbolische, geheimnißvolle Gedanken enthalten sein sollten. Und dennoch sind alle unsere europäischen Alphabete aus einem Uralphabete hervorgegangen, das aus solchen Bildern bestand, so zwar, daß sich einige jener Hie-