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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-06-09 · Heft 24 (9.6.1851) · p. Seite 279

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 24 (9.6.1851)
Date
1851-06-09
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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m nur zu len günstigsten Bedingungen fuhren. Wir sind nuir nahe daran, die Sache zu einem solchen Austrage zu bringen. Berlin, 30. Mai. Auch die hiesige juristische Fakultät ist jetzt in die Lag« gekommen, sich über die Zulaffunz eines Juden z>rr Würde eines Doktors beider R echte entscheiden zu müssen. Professor Stahl hat dem Doktoranden bereits die Versicherung gegeben, daß er seinerseits Alles anwinden werde, «m die Promotion zu verhindern. Wie sich die übrigen FakultätsmitgUedcr entscheiden werden, ist noch ungewiß. (Es liegt in der Natur der Sache, daß Pros. Stahl, a>ls getaufter Jude, gegen seine Stammes- und ehemalig-en Glaubensgenoss«n jedes mögliche Hinderniß sortiert. Uns ist begreiflich an dem Doktorat juri8 cgmoniei für Juden wenig gelegen, obgleich es von diesen von wissenschaftlichem Standpunkte ebenso gut wie von Protestanten, für die es ebenso wenig Geltung hat, gewonnen werden kann. Red. d. A. Z. d. Jud.) Oesterreichischer Kaisecstaat. Vo« der galizischen Grenz«, 22. Mai. Die Regierung denkt in der Thal an die Einberufung von Vnrtrauensmännern ißmelitischen Glaubens aus allen Theilen des Reiches nach Wien, um dort gleich den Wischofsversammlungen anderer Koufessionen in einer länigern allgemeinen Werathung di« Grundzüge derjenigen Reformen in der Kirchenverfassung festzustellen, welche einer abgel«bten Orthodoxie unrettbar hinsiecht«. Dagegen ist b-as Kultusministerium fest entschlossen, den Aufklärumgsbestrebungen im Judenthum entschieden entgegenzlul reten, insofern sie die Tendenz entfalten, auf dem Wege von Reformgesellschasten ein Sektenwesen hcronszubilden, welches nothwendig mit der Zeit zur inner» Zersetzung des Mosaismus führen müßte. (Brest. Ztg.) Lemberg, 22. Mai. Der „Lloyd" enthalt von hier ei««n Artikel über dieEhassidim, der in seiner Charakl«risirung sicher einseitig ist und zu weit geht, jedoch indem er auf die Schäden dieser Sekte die öffentliche Aufmerksamkeit richtet, verdienstlich genannt werden muß. Obgleich die Allg. Ztg. d. Jud. früher über di«sen Gegenstand sehr ausführlich« und gründliche Berichte enthalten hat, geben wir ihn deshalb hier wieder. Er lautet: Ein Gegenstand ist jedoch, der noch mancher durchgreifender Maßregeln bedarf, damit er auch in unserin Kronlande ngenerirt dastehe. Er hat auch die Aufmerksamkeit des Herrn Statthalters aus der ganzen Reise in hohem Grade in Anspruch genommen, und wir zweifeln nicht, daß maa auch in diese» Beziehung der Reise deS Statthalters Vieles zu verdanken haben wird. Ich >n«ine den verwahrlosten Zustand der ostgalizischen Juden. Es dürste Ihren Lesrrn nicht uninteressant sei«, wenn ich diese paffende Gelegenheit ergreife, um Einiges über den Zustand dieser Glaubensgenossenschast mitzutheil rn, und dieses rem so mehr, da sic eine förmliche terra incognita sowol für die Politik als die Ethnograph!« bildet. Die Aufklärung, welche die israelitische Reformgenoffenschaft in Lemberg seit mehreren Jahren »nter den galijifchen Judck, zu verbreiten sucht, ist dorthin noch nicht gedrungen. Hingegeben einem starren Aberglauben, mit eigenthümlichen Gewohnheiten icnd Gebräuchen, die unter allen europäischen Juden den orientalischen Typus am Meisten teibehalten haben, stehen sie ein Staat im Staate da und suchen so wenig als nur möglich sogar mit den Bcsserdenkeitden ihrer Gl»»bensbrüder in Berührung zu kommen. So ist der ostgalizische Jude. So r»ie sie sich ein-erseits der bürgerlichen Gesellschaft entziehen, so bilden sie auch andererseits eine eigenthümliche religiöse Kaste, den sogenannten Chasidismus, dm man ganz richtig als dev gemeinsten und nicdrigst-en Epikuräisnius bezeichnen kann. Da sie der begüi«rten (??) Klaste im Volke zrößtentheils angehören, so nehmen sie <sn keinem Geschäfte Theil, treiben kein Gewerbe, nur Manche von ihnen, die doch schon nur mit Maß dem Chasidismns angehören oder sich ihn, nicht ganz hmgcben, beschäftigen sich mit Getreidchand kl. Die Nichtchasidim, deren Zahl sehr gering ist, sind größtentheils Handwerker oder gehören der Intelligenz an und simd sehr ruhige und brave Menschen. Es ist daher schr Schade, daß auf eine so menschcmulwürdigende Weise so viele Kräfte dem staatlichen Lrganismus und dcr menschlichen Gesellschaft entzogen und in solchen Dingen verpufft werden. Ursach« dieses Krebsschadens sind nur die sogenannten dT«bbis (nicht zu verwechselte mit Rabbiner). Düse gebieten ihirrn Müssiggang, keine Beschäftigung »nit weltlichen Dingen unb völlige (!)

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