Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1851)
- Date
- 1851-06-02
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225738--11772-3241900- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
375 gewachsen, machte er eines Tages die Entdeckung, daß der Fleck freier Erde zu einem köstlichen Garten um gearbeitet werden könnte, rrnd, diese Entdeckung einmal gemacht, ruhte er nicht, bis er zwei Beete Küchengewächfe, eine Reihe Sträucher und einen Kreis Blumen daraus gemacht. Eine bescheidene Laube ward zurechtgezimniert, mit Jelängerjelieber und Flieder umbuscht, eine Bank und ein Tisch hineingehotzelt —und mit welchem engNschen Parke hatte er getauscht? Es war ja seine Schöpfung.... Nicht minder sah der große, köstliche Garten hinter dem Hause ihres Vaters die liebliche Oina oft lustwandeln. Ln einem Pavillon ruhen, auf einer Bank sitzen, Ln einer Laube arbeiten; oder auch früher mit Gespielinnen umh»erhüpfen und» Spiele spielen und auf dem gtattgeschormn Rasen eia Tänzchen aufführen.... Da traf es sich wol, daß die beiden Kindes dann die herangewachsenen, Jüngling und Jungfrau, zu gleicher Zeit in den Gärten sich befanden, nahe an der hohen Hecke, die Beide trennte. Jaques war frühzeitig in das feindliche Verhattniß ihrer Väter eingeweiht worden, und sah natürlich den Oheim Joseph als ein Ungeheuer voll Ungerechtigkeit rivid schändlicher Selbstsucht an, wie ihm dies bei den kürzten Besuchen^ wenn er die Zinsen hinübertrug, nur immer klarer wurde. Aber Oina wußte Nichts davon, und mußte sich auf immer wiederholte Fragen, da ihr die Verwandtschaft doch nicht verhehlt werden konnte, als Kind kurz, dann barsch ahgespeist sehen, indem ihr der Vater in pecemtorischen Worten empfahl, diese Verwandtschaft gründlich zu ignoriren, da sich diese Leute durch das unwürdigste Betragen jeder Beachtung unwerth gemacht. Aber so recht konnte dies in ihrem weichen Herzen nicht Wrirzel fassen; und als sie einst in herzlich kindlichem Vergaügtsein im Garten umherhüpfte und den netten Jaques in feinem Gärtchen arbeiten sah, blieb sie eirre lange Zeit an der Hecke stehen, über die sie fast schon hinausragte, iuti> sah ihm lange zu; und als sich Jaques erhob, und sein geröthetes Antlitz mit einem Tuche abwischte und aufschauke, da nickte sie ihm freundlich zu, und rief: „es Dicd Dir wohl recht sauer, Kousin! Nimm einige Erdbeeren zur Erquickung!" und damit hob sie eine kostdare Porzellanschale mit großen, rothen Erdbeeren in die Höhe, und so weit über die Hecke, als sie mit dem Händchen reichen konnte. Jaques, der große Range aber, stierte sie large an, rief dann barsch : „ich mag Deine Erdbeeren nicht, sie sind Gift!" wandte sich' um, und — Dina konnte ihn deutlich ausspeien sehen. Darüber erschrak sie so heftig — sie fyattt ja noch m dem Hasse begegnet — daß die Schate ihrrr Hand entfiel und mit lautem Geprassel zerbrach. Ab^r sie kümmerte sich nicht um Schale und Erdbeeren, somdem lief weinend von dannen.... Spater waren die Beiden wol oster zu gleicher Zeit im Garten, aber hielten sich fern von der Hecke, und Dina sah niemals h!«über. Es war ihr, als ob die Hecke die Grenze ihres kleinen Paradieses wäre, und cur ihr das häßliche Getrcrbe der Welt begänne, welche von den Stürmen der Leidenschaften durchrast wird. Anders mit Jaques. Nachdem die Welt sich ihm geöffnet, urrd er mit dem Leben maiinigfach in Berührung gekommen, war der kindische Haß aus seiner Seele gewichen, u»d ob er auch eine eisige Kalte gegen die Verwandten dcr drüben bewahrte, so konnte er doch die blühende Dirra nicht ohne Bewunderung sehen; er fühlte einen tiese-n Zug dahin, und oft genug lag er im Schatten der Hecke, aber nur um seine schöne Kousim vorüberwandeln KU sehen, und seinen BlLk einige Minuten auf ihr ruhe-n zu lassen.... 5. Das Jahr 1789 brach an. Die Generalstaaten versammelten sich auf den Ruf Louis des XVI. Wer cilhnete wol damals, mrS sie in ihrem Schooße trügeir? Joseph sah darin mit Tausenden nur eine Maßregel, welche die zerrütteten Finanzen des Staates in Ordnung bringen, und dadurch Verkehr und Handel zu desto gr ößerm Flor fördern würde. Benoit hielt sie mit Millionen für den ersten Schritt zu einer großen, neuen, aber unbekannten Welt. Joseph sah darin mit Tausenden das Mittel, um dem Adel, der Alleinherrschaft des Königs gegenüber, wieder: zu Nachdruck und Macht zu erheben. Benoit hielt sie mit Millionen für den We»g, auf welchem das Volk König und Adel überwältigen und zur Herrschaft gelangen würde. Oie Franzosen glichen damals Me den Spaniern, die unter der Führung Kolumbus' sich eingeschisft, um alterr Sagen zufolge Un Weg nach Indien zu finden, an einer kleinen Insel Endeten und nicht wußtrn, daß sie eine neue, große M«lt aufgefunden. Kaum aber war l>ie Eröffnungsfeierlichkeit zu Ende, da erhob sich die entscheidende Streitfrage über die Abstimmung, ob nach Kopsen, oder nach den Korporationen; und als die Festigkeit des dritten Standes den Adel u«d die Geistlichkeit überwand, als zuerst Einzelne dieser Heiden Stande zum dritten Stande übergingen, und end-