Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1851)
- Date
- 1851-06-02
- Page
- Seite 276 (sequence 12)
- Language
- German
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276 lich die gesammten Adligen und Geistlichen sich dazu bequemen mußten — da gingen Vielen die Augen auf, und sie erkannten, daß hier ein Kampf der Parteien begann, und daß es galt, entweder hier oder dort Partei zu ergreifen. Als endlich die Generalstaaten eine immer kühnere Sprache redeten, als sie die ersten gewaltigen Schritte auf dem Gebiete der Reform thaten, als die mehrfachen Versuche der Gegenpartei zu reagiren mit immer entschiedeneren Niederlagen endigten, als die Stimmung des Volkes in Paris immer aufgeregter und stürmischer ward, als endlich — die Bastille siel: da ward es immer weniger dunkel, daß eine Riesenmacht entfesselt worden, vor der Alles in den Staub sinken würde. Das Eigenthümliche war, daß, so rasch dies Alles ging, dennoch damals es Allem und Jedem, selbst den darin thatigsten Händen überraschend kam, und Niemand Solches vorausgesehen. Wie es daher Schritt vor Schritt vor sich ging, wenn auch mit Riesenschritten, traf es einen Jeden schon gewissermaßen verrannt in seine Partei, traf es Jeden schon als ausgemachten Freund oder Feind, und von einer subtilen Klugheit, sich zurückgezogen zu halten, bis der Sturm ausgetobt habe, konnte bei Keinem die Rede sein. Es hatte sich Jeder schon pronunzirt, bevor ein neuer Schlag kam. Der Graf von VaubreuiL hatte zu jener frühern Oppositionspartei gegen den Hof gehört, die, mit dem Liberalismus und Zeitgeiste spielend, damals auf Seiten der Parlamente stand. Er gehörte auch zu den Adligen, welche zuerst zu dem dritten Stande übergingen. Hier war es, wo Joseph zum ersten Male mit feinem Gönner nicht übereinstimmte, ihn lange bestürmte, diesen Schritt nicht zu thun, und ihn mißvergnügt verließ, als ec ihn nicht davon zurückhalten konnte. Joseph war jetzt entschiedener Royalist geworden, weil ec einsah, daß mit dem Sturz der königlichen Macht auch die des Adels fallen, und von den bisherigen gesellschaftlichen Einrichtungen Nichts übrig bleiben würde, und da er an den Sieg der königlichen Partei vollständig glaubte, war ihm jedes Schwanken ein Verzögern des Sieges, und sprach ec sich überall, wo er konnte, dagegen aus. Aber bald war der Sturm größer, als alle die Einzelnen, und weit über sie hinausgegangen. Der Graf von Vaubreuil hatte langst die Versammlung verlassen und sich zurückgezogen, und gleiche Verzweiflung wohnte in seiner wie in Josephs Brust. Aber die Lage hörte auf drohend zu sein, sie wurde gefährlich. Die königlichen Prinzen, der höhere Adel emigrirten. Der Graf von Vaubreuil blieb zurück, weil er sich auf die früheren Beweise seiner Freisinnigkeit verließ, als ob es in solchen Zeiten hierfür ein Gedachtniß gäbe. Den Adligen folgten schon einzelne Reiche. Joseph blieb, denn Frankreich verlassen hieß sein Vermögen aufgeben, das zerstreut war auf Hauser und Güter, und das damals am Wenigsten flüssig zu machen war. Aber in der That benahm er sich treu und redlich gegen seine früheren Beschützer, half den Emkgrirenden zu Gelde, wo er nur konnte, erleichterte ihnen die Flucht, und offenbarte hierin fast einen Fanatismus ... aber dies konnte nicht unbemerkt geschehen, und Joseph hatte scharfe Beobachter nicht weit entfernt ... sein Ruf als Royalist war vollständiger und größer als erdachte; als gewandter Unterhändler bekannt, glaubte man seine Hand im Spiele selbst da, woran er niemals gedacht.... Wie anders in der Hütte.... In dem alten Benoit wachte es mit dem ersten Scheine jener großen Umwälzung wie aus einem Schlafe auf. Was gesprochen wurde, es schien ihm schon von ihm ausgesprochen, was geschah, als hätte er selbst es schon langst gethan. Er selbst freilich war zu alt, zu unbefahigt, zu unansehnlich, um irgendwo Theit zu nehmen; aber seinen Jaques sandte er aus, wo es zu reden, wo es zu handeln galt. Lieber darbte er, und ließ Jaques von der Arbeit Zurückbleiben, wenn dieser nur an einem Klubb, an einer Sitzung der Nationalversammlung, an einem öffentlichen Akte, ja an einem Tumulte Theil nehmen konnte.... Und Jaques blieb nicht zurück, nicht unthatig; ohne sich vorzudrangen, wurde er überall bemerkt; bald kannte ihn das ganze Viertel; bald wurde er Offizier in der Nationalgarde; später trat er aus dieser, und wurde ein Sektionschef in seinem Quartier ... er hatte einen Ruf, einen Namen, ohne daß er ihn gesucht, er gewann Einfluß. .. . (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Ein seit fünf Jahren in verschiedenen Manufakturwaarengeschästen thätiger junger Mann, mit gute» Zeugnissen versehen, sucht zu Ende Juli c. Placement in ein ähnliches Geschäft. Frankirte Offerten besorgt die Expedition dieses Blattes unter lit. A. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfel-