Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1851)
- Date
- 1851-06-02
- Page
- Seite 273 (sequence 9)
- Language
- German
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273 Unveränderliche und zugleich das unterscheidende Merkmal in den Dingen ausmacht, kann mit Recht ihr Wesen, und der Theil davon, den sie mit anderen nicht gemeinschaftlich haben, ihr eigenthümliches Wesen benannt werden. Wir dürfen also festsetzen, daß die Naturgesetze, wonach ein Ding hervorgedrächt wird, m’6 Kesammt seine Eigenrhümlichkeit ausmachen, und daß Kenntniß von den Naturgesetzen in deren Wirksamkeit Kenntniß vom Wesen | der Dinge ist. Das Wesen eines Dinges besteht nicht in einem einzelnen Naturgesetze, das Die ein Begriff in einem Satze ausgedrückt werden könnte, sondern nur in einer Vereinigung von mannigfaltigen Naturgesetzen, welche allesammt in ein höheres anstaufen, welches das betrifft, was durch Worte vollkommen ausgedrückt werden kann. 1 Jedes Dinges Wesen könnte deshalb als aus unzähligen anderen zusammengesetzt betrachtet werden. Selbst ist es wieder nur Theil einer Kette noch größerer Wesen, und geht hiermit zusammen im eine höhere Einheit aus (wie die Erdkugel z. B. nicht vollkommen arrßer als Glied des Sonnensystems gefaßt werden kann), rind diese macht wieder nur ein Glied einer noch höhern ariS, und so weiter, bis der Gedanke sich endlich in das unendliche All verliert. Alle Naturgesehe zusammen bilden so eine Einheit, die in ihrer Wirksamkeit gedacht, das Wesen der ganzen Welt ausmacht. Untersuchen wir nun näher diese Gesetze, so finden wir, daß sie eine so vollkommene Übereinstimmung mit der Vernunft haben, daß wir mit Wahrheit sagen können, die Gesetzübereinstimnimng der Natur bestehe darin, daß sie sich nach den Vorschriften der Vernunft richtet, oder vielmehr, daß die Naturgesetze und die Bernunstgesetze eins sind. Die Kette vom Naturgesetzen kann also wie ein Naturgedanke, oder richtiger wie eine Naturidee betrachtet werden. Und da alle Naturgesetze zusammen eine Einheit ausmachen, so ist die ganze Welt der Ausdruck einer unendlich allumfassenden Idee, die mit einer unendlich in Allem lebenden und wirkenden Vernunft selbst Eins ist. Mit anderen Worten, die Welt ist nur die Offenbarung von der vereinigten Schöpferkraft und Vernunft der Gottheit. Nun begreifen wir erst recht, wie wrc mit der Vernunft die Natur erkennen können; denn dies besteht in nichts Anderm, als daß die Vernunft stch selbst in den Dingen wieder erkennt. Aber wir begreifen auch auf der andern Seite, warum unser Kennen nur ein schwaches Abbild des großen Ganzen wird; denn unsere Vernunft, obgleich Ln ihrem Ursprung mit der unendlichen verwandt, ist im Endlichen befangen, und vermag nur auf eine bedingte Weise sich davon loszureißen. Vollkommen das Ganze zur durchschauen und zu umfassen ward deshalb keinem Sterblichen zu Theil. Mit andachtsvoller Ehrerbietung muß er die Grenze seiner Kräfte fühlen, indem er doch freudig erkennt, daß der wenige Lichtschimmer, der ihm zu schauen ertaubt ward, genug ist, ihn hoch über den Staub zu erheben. Es ist überdies nicht durch die klaue, durchdringende Vernunft allein, daß wir n»kt dem innem Wesen der Natur im Zusammenhang stehen. So wie im Geschmack an dem Schönen uns ein Sinn für den Abdruck des Geistes in den Formen, rm Gewissem ein Sinn für den Abdruck der Vernunft im Leben mrtgegeben ward, so ward uns auch ein Sinn für den Abdruck der Vernunft in den Wirkungen der Natur mitgegeben, wodurch wir uns ihr naher fühlen, und ohne Deutlichkeit rm Einzelnen einen Eindruck von der Majestät des Ganzen empfangen. Diese ahnende Gleichgestimmt heit mit der Natur ist der Wegweiser der Vernunft bei ihrem Forschen und diese Deckt, stärkt und reinigt wieder jene; Beide stehen in der innigsten Vereinigung, ^och so, daß jene mehr im Leben, diese mehr in der Wissenschaft hervortritt. Belletristisches. Pie Machbaren. (Fortsetzung aus No. L0.) » 3. Das größte Verdienst um Joseph auf seiner glücklichen Laufbahn hatte sich ein Graf von Vaubreuil erworben. Bekannt als ein leidenschaftlicher Liebhaber von Antiquitäten und Seltenheiten, hatte ihm Joseph einst einen werthvollen geschnittenen Stein, der ihm in die Hände gefallen war, zum Ankauf gebracht. Der Graf erkannte seine Gewandtheit, machte ihn bald gänzlich zu seinem Kommissionär, und empfahl ihn so dringend allen seinen hohen Freunden, daß Joseph diese Gönnerschaft des Grafen als die erste Stufe zu seinem nachherigen Glücke betrachten konnte. Umgekehrt sah ihn der Graf als seinen Schützling, als fein Geschöpf an, dessen wachsender Ruf und Reichthum sein Werk sei, und faßte daher immer mehr Freundschaft für ihn. Es war die Zeit Voltaires und Rousseau'S. So lange die Lehren dieser Männer nur noch Ideen waren, die an sich und in dem schö- 23*