Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1851)
- Date
- 1851-06-02
- Page
- Seite 272 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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272 zergliedernd in das Innerste der Körper zu dringen, so entdecken wir da stets TheLle, welche bei näheren Untersuchungen aus anderen zusammengesetzt erscheinen, die wieder selbst einen künstlichen, aus vielen Theilen bestehenden Bau haben, und so ohne Aufhören. Kurz, wir treffen auch hier zuletzt etwas, das von unseren Sinnen nicht mehr gefaßt werden kann. Auf der einen Seite verlieren wir uns in das unendlich Große, auf der andern in das unendlich Kleine. Ein tieferer in die Natur eindringender Blick zeigt uns in aller ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit eine bewundernswürdige Einheit. Wie verschieden auch die Gegenstände unter einander scheinen können, so entdecke doch eine genauere Forschung in ihnen allen ein gemeinschaftliches Wesen. So finden wir im ganzen Lhierreiche dieselben Grundgesetze der Organisation, ungeachtet der größten und mannigfaltigsten Verschiedenheit in äußerer Form und innerm Bau. Dadurch, daß wir fortwährend immer mehr unsere Aufmerksamkeit auf diese Grundeinheit hinwendeten; sind wir so weit gekommen, daß wir nur einige wenige Thiere jeder Klaffe zu kennen brauchen, um eine richtige Einsicht in das Wesen des ganzen Thierreichs zu erhalten. Wir können uns dadurch sogar eine ziemlich vollkommene Vorstellung von Thieren machen, welche es nicht mehr giebt, und wenn man nur noch Reste hat, tief aus dem Schooße der Erde hergeholt. Dieselbe Einheit finden wir wieder im Pflanzenreiche, wo gleichfalls eine gründliche Untersuchung von einigen wenigen Organisationen hinreichend ist, um eine tiefe Einsicht in ihr ganzes Wesen zu geben. Durch eine fortgesetzte Untersuchung findet man sogar einen Einheitspunkt für das Thier- und Pflanzenreich selbst; aber auch diese Einheit ist wieder nur ein Glied einer hohem, und so weiter, bis der Gedanke sich in eine Grundeinheit für die ganze Natur verliert. Wo wir auch unser Auge hinwenden, finden wir dieselbe Einheit aufs Neue. Die Gesetze, welche für unsers Mondes Bewegung gelten, gelten auch für die, welche die anderen Planeten begleiten. Die Bewegung dieser Planeten um die Sonne geschieht wieder nach denselben Gesetzen und jede neu entdeckte Weltkugel dient nur dazu, daß alte Gesetz zu bestätigen. Aber wir bleiben hierbei noch nicht stehen; wir haben sogar Grund anzunehmen, daß unsere Sonne zugleich mit vielen anderen das nur im Großen wiederholt, was unser Planetensystem, damit verglichen, uns nur im Kleinen zeigt. Gehen wir umgekehrt von jenen Weltkugeln zu den Körpern hier auf Erden, so finden wir, daß sie alle ohne Ausnahme denselben Gesetzen der Bewegung und Schwere folgen, wie jene großen Weltkörper, so daß wir von unseren Versuchen hier auf Erden Folgerungen zu ziehen vermögen, welche für das ganze Weltall gelten. Können wir nun die Gesetze der Bewegung recht, so können wir auch berechnen, wie die Stellungen der Weltkugeln gewesen sind, und wie sie zu jeder gegebenen Zeit werden müssen. Die Sternkunde bietet uus hiervon mannigfaltige Beispiele. Eine gleiche Gesetzübereinstimmung haben wir auch gefunden, obgleich bei Weitem noch nicht mit derselben Genauigkeit ausgemessen , wie in der Astronomie, für die Zeitfolge in mehreren anderen Naturbegebenheiten so wie regelgebundene, obgleich noch nicht durch Zeitmaaß bestimmte Perioden in der Entwickelung der Erdkugel, Ln der Bewegung der Magnetnadel. Aus diesen Beispielen erhellt, was die Philosophie strenge beweist, daß jede wohlgeführte Untersuchung eines beschränkten Gegenstandes uns einen Theil von den ewigen Gesetzen des unendlichen Ganzen enthüllt. Die Gesetze nun und die Kraft, wodurch sie ausgefühct werden, machen das einzige Unveränderliche in der Natur aus. Während jedes Ding unaufhörlich seine Stelle ändert, die Stoffe woraus es zusammengesetzt ist, unaufhörlich wechseln, verbleiben die Gesetze, wonach dies geschieht, und nur diese, beständig dieselben. Durch diese allein geschieht es zugleich, daß ein Ding von dem andern verschieden ist; denn von denselben Stoffen finden wir die meisten ungleichen Dinge zusammengesetzt, und je weiter unsere Untersuchungen fortschreiten, desto mehr werden wir davon überzeugt, daß die Materie in allen Dingen gleichwie auch die Kräfte, wodurch Leben und Wirksamkeit in der Natur erhalten werden, überall dieselben sind; daß aber das, was den Gegenständen ihr bestimmtes Merkzeichen giebt, und die unendliche Verschiedenheit darin hervorbringt, nur die Weise ist, in welcher die Wirkungen in jedem Dinge Vorgehen, die Naturgesetze, wonach Alles darin geordnet und gelenkt wird; mit anderen Worten, die Dinge sind in einem unaufhörlichen Uebergange von einem Zustand zu einem andern, in einem beständigen Werden überall aus demselben Stoff, vermittelst derselben Kräfte; der Stoff selbst ist nichts Anderes als der vermittelst der Grundkräste der Natur erfüllte Raum; das was den Dingen ihre unveränderlichen Besonderheiten giebt, sind also die Gesetze, wonach sie hervorgebracht werden. Aber das, was das