Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1851)
- Date
- 1851-06-02
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
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270 guten religiösen Vortrag zu hören. Warum wird inK. aber nicht ein Prediger angestellt? Der Wunsch, dies zu thun, ist daselbst schon oft angeregt und besprochen worden. Doch was wird in unseren Gemeinden nicht Alles angeregt und besprochen? Soll Etwas zur Ausführung kommen, so sind tausend Klippen da, an welchen die guten Plane scheitern müssen. — In Gnesen ist die jüdische Elementarschule um eine fünfte Klasse vergrößert worden. Endlich doch! Das Bedürfniß einer Klassenvermehrung haben aber — wir können es behaupten — die meisten jüdischen Schulen im Großherzogthume. Man fühlt auch dies Bedürfniß überall, wo es da ist; man sieht es ein; aber in der Abhilfe ist man nicht zu schnell. — Für den Wiederaufbau der (im Jahre 1844 abgebrannten) Synagoge zu Witkowo ist von Seiten des Obcrprasidiums von Posen eine „allgemeine Kollekte bei den jüdischen Gemeinden der Provinz" bewilligt worden. Wer dies liest oder hört, wird unsers Erachtens wol schwerlich die Fragen unterdrücken können: „Warum nur bei jüdischen Gemeinden und nicht bei allen Einwohnern des Großherzvgthums? Wird nicht auch die Mildthätigkeit der Juden in Anspruch genommen, wenn eine protestantische oder katholische Kirche wieder aufgebaut werden soll?" — In Krotoschin will es mit den Kultusreformen durchaus nicht glücken. Der „Ablösungsspuk", welcher daselbst schon längere Zeit sein Wesen treibt, hat leider! schon zu vielfachen Reibungen, Streitigkeiten und auch Prozessen Anlaß gegeben. Oesterreichifcher Kaiserftaat. Peflkh. Den Repräsentanten der israelitischen Reformgenossenschaft wurde, wie man dem „Const. Blatt" schreibt, durch Se. Erz. Baron Geringer in einer Audienz mitgetheilt, daß man für jetzt die Sanktion dieser Sekte nicht crtheilen kann, und daß es überhaupt in der Absicht des Herrn Kultusministers liege, jedem Umsichgreifen einer neuen Religionsgenossenschaft, die ohne positive, supcrnaluralistische Dogmen ist, Schranken zu setzen. Aus Böhmen, im Mai. (Privatmitth.) Landrabbiner Hirsch hat seine Stelle gekündigt; er geht nach Frankfurt a. M. Was man auch über Hirschs Wissenschaftlichkeit und religiöse Anschauung denken mag, — der Mann besitzt zwei Eigenschaften, die keinem jüdischen Geistlichen, besonders in unserer Zeit fehlen sollen; sie heißen Energie und Konsequenz. Wie wir soeben aus mehreren uns vorliegenden Briefen aus Mähren ersehen, macht man dort noch Versuche, den geachteten Seelenhirten zu behalten. Doch zweifeln wir sehr an dem Gelingen dieser Versucht. Prag, 21. Mai. (Privatmitth.) Rapaport ist von seinem Ausfluge nach Dresden und Berlin bereits zurück; er ist ganz begeistert von dem Gesehenen und Gehörten. Seine Reise glich einem Triumphzuge. Alles drängte sich, den Mann, dessen Ruf seit Jahren bereits bis in die entferntesten Wohnungen Jeschuruns gedrungen ist, von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Es wäre zu wünschen, daß R., der ein sehr empfängliches und geistesfrisches Gemüth besitzt, von Zeit zu Zeit Ausflüge in das Herz Deutschlands machte; es würde dies in mannigfacher Beziehung von gesegnetem Erfolge sein. — Ihr geschätztes und wieder stark gelesenes Blatt brachte vor Kurzem einen Bericht über die im Marti novesschen Institut unter den Auspizien zweier jüdischer Geistlichen Prags stattgehabte Prüfung der Zöglinge in der Religion. Ich kann Ihnen noch die Mittheilung machen, daß der ehrenwerthe, für die Förderung alles Guten und Edeln unermüdlich thätige Herr Martin o v es einen tüchtigen Schulmann für sein Institut gewonnen hat in der Person des Herrn Go ld sch mied, der bereits an der unter dem Direktorat des Herrn M. Wintcrnitz stehenden israelitischen Hauptschule hier Beweise seiner Tüchtigkeit als Religionslehrer gegeben. — Unsere leidige Anschlußfrage will immer noch nicht von der Stelle, trotz des warmen Eifers der jüdischen Stadtverordneten für ein baldiges Resultat. Das Schlimmste an der Sache ist, daß durch die Verzögerung des Anschlusses auch die innere Gestaltung der Kultusgemcinde als Solcher verzögert wird. So leben wir nach allen Seiten hin in einem unbehaglichen Provisorium. Was uns tröstet, ist das Bewußtsein, daß das Resultat ein günstiges sein müsse, so lange es auch auf sich warten kaffen sollte! Frankreich. Paris, im Mai. Die Arcli. isr. de Fr. enthalten einen Artikel über die Armenpflege durch