Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1851)
- Date
- 1851-06-02
- Page
- Seite 269 (sequence 5)
- Language
- German
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269 gefammten Staats- und Polizeianwaltschastcn angewiesen hat, keine Wnfolgung wegen Annahme der erwähnten ausländischen Juden einznleiten, wenn die Genehmigung, anstatt von Seiten d>ts Ministeriums, von Seiten derPre'Vinzialregierungeri ertheilt worden ist. Berlin, den 30. Januar 1851. Ministerium: des Innern, ö. Westphalk >». Allgemeine Verfügung des Justizmiriisteriums an die Beamten der Staatsanwälte, dieselbe Angelegenheit betreffend, vom 16. Februar 1851. Der §. 71 deslZesetzes vom 23. Juli 1847 (Ges.- Samml. S.278) ««thält die Bestimmung, daß ausländische Jude« ohne Genehmigumg des Ministers des Innern weder als Rabbiner und Shnagogenbeani l«, noch als Gewerksgehilfen, Geselle», Lehrlinge oder Dienstboten angeneinmen werden dürfen, und daß die Uebcrschreitung dieses Verbots gegen die Inländer und die fremden J»d«n, gegen Letztere, sofern sie sich bereits länger als sechs Wochen in den diesseitigen Staaten aufgehalten haben, eine fiskalische Geldstrafe von 20 bis 300 ZLHlr. oder verhältnißmäßige Gefängnißstrafe nach sich ziehen soll. Nach einer Mit Heilung des Herrn Ministers des Innern hat sich derselbe mit Rücksicht darauf, daß -die Provinzialregierung-en ihrer Stellung nach vorzugsweise in der Lage st ch befinden, um die Umstande u.nd Verhältnisse, welche auf die Ertheilung oder Versagung einer solche« Genehmigung von Einfluß sind, in jedem einzelne« Falle am Best!» beurtheilen zu können, veranlaßt gefunden, den Letzteren im Allgemeinen die Befugiuß zur Ertheilung oder Verfügung dieses Konsenses z» delegiren. Sämmtliche Beamte der Staatsanwaltschaft werden hiervon mit d cr Anweisung i» Kenntniß gesetzt, keine Verfolgung wegen Annahme ausländischer Juden künftig einzuliiiten, wenn die Genehmigung dazu zwar nicht von dem, Herrn Minister des Innern, rvol aber von Seiten der betreffenden Vrovinzialregierung ertheilt worden ist Berlin, den 16. Februar 185>1. Der Justizminister. SimonS. AuS der Provinz Pvfemi, im Mai. (Privatmitth.) In Pefen macht die Brüdergemeinde (srüher Brüderverein) gute Fortschritt«. Die Vortrage deS Predigers Dr. Goldstein, so wie die Melodiken des neuen Kantors sind so anziehend, ldrrß der Raum des sin der That nicht großen) Tempels zu enge wird, neben den alten Mitgliedern des Vereins noch alle diejenigen zu fassen, welche sich dem Letzter» auf's Neue wieder theils schon angeschlossen, Heils noch anzuschließen gedenken. Man geht daher mit der Idee um, ein neues und weit größeres Gotteshaus aufzuführen, und wenn der Eifer der „Brüder" nicht erkaltet, so wird diese Idee wol recht bald zur Ausführung kommen. Die s. g. „Neue Schule" hört nach wie vor alle 14 Tage Herr« Pleßner predigen. In den anderen Bethausern Posens werden entweder gar keine religiösen Vorträge, oder Solche gehalten, welche mit ihrem ganzen Wesen noch der alten Zeit angchörcn. Und wie hier, so in fast allen Gemeinden des Großherzogthunns. Nur ein ganz geringer Theil derselben macht hiervon eine Ausnahme und hört deutsch — oder auch nur halbdeutsch—das Wort Gottes verkünde». Vorherrschend ist noch die alte Drascha, oder es wird gar nicht gesprochen. — Der Verein der jüdischen Handlungsdiener ist ein blühendes Institut geworden. Während des verflossenen Winters haben die Herren Gymnasialdircktoren Heydema«« und Brettner, so wie Herr Rektor Vansclow in dem Saale des Vereins Vorträge (Geschichte, Naturwissmschaft, deutsche Literatur) gehalten und immer ei«« starke Zuhörerschaft gehabt. Das Friedrich-Wilhelm.s-Gymnastum in P. ist, nach dem letzten Ostcrprogrnmm, im verflossenen Schuljahre von 200 jüdischen Kindern (unter 475 Schülern) frequentirt gewesen. Daß an dem genannten Gymnasium ein junger Israelit (Herr vr. Löwenthal) bereits das dritte Jahr als Lehrer (der Mathematik und Naturwissenschaften) fungirt, ist bekannt. An der Städtisch-Jüdischen Freischule soll nun ein vierter Lehrer angestellt werden. Warum aber nicht wenigstens noch drei? Das jüdische Sch ulwesen überhaupt läßt in P. leid!,) noch sehr viel zu wünschen übrig.— Wenn einem vielfach verbreitern Gerüchte zu glauben ist, sa steht der Gemeinde Schwerfens ein nicht geringer Verlust bevor. Der Rabbiner und Prediger Herr vr.Joel soll nämlich die meiste Hoffnung haben, das vakanteRabbinat zu Hamburg zu akquiriren. Geschieht dies, so wird Schw. — und mit Recht — seinen Verlust schmerzlich bedauern. — Kurnik hat am letzten Sabbat Hagadol Herrn Pleßner aus Posen bn sich predigen lassen. So hilft sich manche Gemeinde aus der Verlegenheit, wenn ihr einmal die Lust ankömmt, einen