Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1851)
- Date
- 1851-05-26
- Page
- Seite 262 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Mochten ihm des Königs Ehren glanzen, Mochten das Kameel im Wüstensand Und der Stier auf reich bebauten Schollen Ihren Theil zu seinem Schatze zollen: Sulamit in ihrer Schönheit Kranz Strahlt ihm über allen Königsglanz. Darum hat, als er den Hof entlasten, Kaum der Abend sich herabgesenkt. Als der Liebe Gluthen ihn erfassen Und zum Harem er die Schritte lenkt. Schauen will er, ob, was er begonnen, Schon ein günstiges Gedei'h'n gewonnen. O getäuschter, wollustvoller Mann, Fang' es nur umsonst noch einmal an. 2. Der König. Du bist fürwahr O Freundin schön vor Allen! Zwei Tauben gleicht dein Augenpaar, Und deines Haares Wallen Dem Ziegenhaar. Und glanzend gleicht Der Zähne Doppelreihe Der Heerde, welche weißgebleicht Zur Wollcnschur im Maie Dem Bach entsteigt. Und schnuren-roth Glüht deine Lipp' im Schöpfen Des süßen Worts — die Wange loht Dir zwischen deinen Zöpfen Granatenroth. Mit einer Wehr Ist Davids Thurm umgeben, Und ausgeschmückt mit Schild und Speer. Du darfst den Hals erheben So stolz wie er. Dein Busen gleicht Zwei jungen Zwillingsrehen, Die weidend Hüpfen, flink und leicht, Wenn sich im Kühlungswehen Die Sonne neigt. Komm, meine Braut Vom Berg der Leoparden, Du, die mich siegend angeschaut, Du, die das Oel der Narben Mit Duft bethaut. Du, deren Mund Von Milch und Honig fließet. Du, deren schlankes Gürtelrund, In Dust getaucht, umschließet Des Kleides Bund. O bleibe mir Nicht ein verschlossncr Garten Mit edler Früchte eitler Zier, Laß mich nicht langer warten — Komm, öffne mir! 3. Der König spricht's und wähnet schon zu hören, Daß sein Verlangen Sulamit gewährt; Doch läßt sich nicht das treue Herz bethören, Das liebend noch den fernen Hirten ehrt. Denn nur begann in reichgeschmückten Bildern, Die kaum ihr einfach reiner Sinn verstand, Der König ihrer Reize Pracht zu schildern, Die er noch schöner als die Bilder fand: Da war ihr Geist zu jenen frohen Stunden, Die sie daheim verlebt, zurückgekehrt, Und hatte träumend ihren Freund gefunden Und ihn ergriffen, wie er sich auch wehrt. 4. Sulamit. Auf stand ich vom Lager, durchsuchte die Gasten, Und fragte nach dir. Da find' ich dich endlich, ich will dich fassen; So! bleibe bei mir! Ich halte dich fest und will dich nicht lassen. Mein bist du, mein Freund! komm laß uns enteilen, Und dort auf dem Land In unsrem Dörflein vertraulich uns weilen; Im Sonnenbrand Wird leicht die Wunde des Herzens heilen.