Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1851)
- Date
- 1851-05-26
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
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261 erlaubt aufzudecken, dabei ächzen und stöhnen besonders die alten und abergläubischen Weiber, welche weder das ihrige noch fremdes Ha»r tragen, worLuf dann die Zeloten Zeter schreien. Aber was kann imd soll der litthainsche Jude da einwenden, wenn es pi b"j> den Frouen das Tragen den Kopfhaare doch erlaubt ist, und mit den Zeiten ändert sich auch Alles. - B. Von der «ussifch-bukowinaer Grenze, 2. Mai. (C. B. a. B.) Binnen Kurzem soll eine eigene Kommission aus Petersburg die von Juden bewohnten Gouvernements bereisen, um sich mit den Gemeinden in Einverständniß zu setzen und in den mit Juden bevölkertsten Städten jüdische Normalschulen zu errichten. Natürlich werden die erforderlichen Schulfonds von den israelitischen Gemeinden selbst Msammengebrach t werden müssen, da die Regierung aus dem vorhandenen Studienfonds Nichts beizutragen gesonnen ist. Doch die meisten Gemeinden sind w»hlhabend (???) ».»d werden mit Leichtigkeit, wenn ein» mal ein Ukas fie dazu verpflichtet, die erforderlichen Summen beißiuern. Literarische Nachrichten. Akttgdebrrrg, 18. Mai. Salomo und Sulamit. Die Blumen des hohen Liedes zu einem Strauße gebunden von Elmst W. Loßner. Leipzig, 1851. Das Rathsel des hohen Liedes war auch damit nicht gelöst, als dasselbe au.K dem Käficht der Allegorie, wie diesem die ältere jüdische «md die christliche MHik, wenn auch »erschieden, gebaut hatte, befreit worden» .Die neuere Kritik hat das Lied, me es vor uns liegt, als die zusammen- und untereinariLergewürfelten Reste eines Gedichtes angesehen, und sehr mannigfaltig sind seit Herder dieZZerfllche, aus dk<en Resten ein geordnetes Ganzes wieder zusammenzustellen. Doch dies berührt uns hier nicht, wir werden l)M Gelegenheit haben (in unserm Bibelwerk), uns drüber auszusprechen. Der Verfaffer des vorliegenden Heftchens hat ein Anderes versucht; ec hat diese Reste eirrzeln benutzt, um ein selbstständiges Gedicht daraus §« arbeiten, welches, in moderner Form und modernem Geffhmack den alt morgenländischen Stofs, die ganze alt mengenländische Situativ» reproduzire; und, sehen wir also, von einer Uebersetzung oder selbst Ueberarbeitung ob, so können wir das kleine Dichtwerk nur als höchst gelungen, als wahrhaft erfreulich icmb angenehm erkt<i«en. Der moderne Dichter wollte den Leser sehen und fühlen lasten, was der antike Dichtt«, so weit es der übrizgebliebene Rest erkerrlRen laßt, gesollt hat. Der Vers, eheilt sein Gedicht in sieben „Tage" ab. Jeder Tag besteht aus sieben Lieder». Der erste Tag singt das Suchen und Zusammentreffen. Sulamits wnd ihres geliebten Hirten; der zweite läßt Len König Salomo Sulamit treffen, von ihr bezaubert werden, sie von ihren Brüdern ei kaufen und nach Salem bringen. Die folgenden drei Tage versucht derKiiug und der Fcauentroß des Harems sie ihm günstig zu snachen; doch vergebens, sie (räumt nur von ihrem Hirten. Am sechsten Tage kommt dec Hirt traurig in den königlichen Ganten, der König findet ihn, der bessere Gei-st erwacht in ihm, und er entlaßt Beide, die freudig zur Heimath eilen. Am siebenten Tage sind sie heim gelangt; zwar bangt noch Sulamit MM das Grollen und Höhnen ihrer Brüder, aber ihr Gatte verscheucht die Sorge, auf des Königs Gunst denkend, und sie leben nun der ungetrnbten Liebe. Damit de« Leser Etwas von den« zarten Bilde^ das der Dichter, in unsrer Zeit erquicke»-, vor uns ciufgerollt, koste, theilen wir hier den fünften Tag mit, wo zugleich recht charakteristisch hervottritt, wie weit der neuere Dichter den Text des hohen Liedes benutzt HU: 1. Festlich prangt auf seinem goldnen Throne Salomo im dusterfüllten Saat, Mit der väterlichen Ehrenkcone, Die beim königlichen Hochzeitsmahl, Als die Tochter Phacao's ihr Leben Dem geliebten König hing-eZeben, Mntterstolz, vom Sieg des Sohns entzückt, Ihm auf das gesalbte HüLlpt gedrückt. Wü«devoll empfängt er die Gesandten, Die sich ehrerbietig schon von fern Seine vielgetreuen Diener nannten, Und^ geneigt vor ihrem hohen Herrn, Ihn. als ihren König froh begrüßten, Ihm den Saum des Puupurmantels küßten, Und aus fernen Landen den Tribut Dac ihm brachten als sein Kronengut. Abe« mochte von Egyptens Grenzen Bis zum Euphrat walten seine Hand, 22*