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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-05-26 · Heft 22 (26.5.1851) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 22 (26.5.1851)
Date
1851-05-26
Page
Seite 263 (sequence 11)
Language
German
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263 Früh stehen wie auf mit den leuchtenden Sonnen, Und sehen hinaus, Ob knospend der Weinstock schon Blüthen gewonnen^ Ob hinter dem Haas Schon neu der Granatbaum zu blühen begonnen. Vom prunkenden Rausche des Hofes geschieden, Wie wollen wir dort Geliebt und liebende Huldigung bieten, Und fort und fort Uns selig erfreuen im häusliche» Frieden! So war sie selig nur in ihren Träumen, Um beim Erwachen sich gerauscht zu sehn; Denn in des Harems ihr verhaßten Räumen Sah sie noch immer ihren Dränger stehn. Er blickt mit stets gesteigertem Begehren Auf ihre Reize hin und schickt sich an. Anstatt ihr endlich Frieden zu gewähren, Zum zweiten Mal verführerisch zu nah». Schon steht er wieder schmeichelnd an dem Orte, Wo Sulamit auf seid'nen Kissen ruht; Und schwülstiger entströmen ihm die Worte, Und heftiger entflammt des Herzens Gluth. 6. Der König. Wie Thirza schön Bist du fürwahr zu schauen; Wie Zion strahlt auf freie» Höh'n, Strahlst du vor allen Frauen So wunderschön. Als trüge dich Ein West auf duft'ge» Schalen, So leicht, und doch so königlich. Bewegt auf den Sandalen Dein Füßchen sich. Ein Spangenpaac, Das prächtig aus den Händen Der Kunst hervorgegangcn «ar, Stellt deiner beiden Lenden Vollendung dar. Dein Schoos, er ist Ein voller, rundet Becher, Der «immer jenen Ticmk vermißt, Bei dem der durstge Zecher Sein Weh vergißt. Und, holdes Weib, Dem weißen Waizenhaufen, Den, hingestreckt zum Zeitvertreib, Rings Rosen zart umlaufen, Ihm gleicht dein Leib. Die Brüste dein Muß ich zwei Reih'n vergleichen, Den Hals dem Thurm von Elfenbein, Und Hesbons klare« Teichen Die Aeugeleiri. Dein Haupt erhebt Sich wie des Kaiinels Gipfel, Und ist vom Haargeflecht umwebt, So wie der Palme Gipfel Ihr Laub umschwebt. Es prangt die Frucht Bon dieser Palme Zweigen, Nach der mein Auge lüstern lugt, Und die, hinauf ju steigen. Mich schon »ersucht. T, Doch des Mädchens reiner Scelenfpiegel, Gab von keinem Bild ein Wiederspiek, Als der Phantasie gelöstes Siegel Dem Verstand des Salomo entfiel. Weiser Mann! Ein Knabe, dürft' er's wagen, Könnte dir in seiner Einfalt sagen, Daß dem Spiegel, den du angehaucht, Nimmermehr ein Wied erspiel enttaucht. Doch du Heldin, die mit seltner Stärke, Mit der ersten Liebe ganzer Macht, Trotzend der Verführuirg eitlem Werke, Selbst den kühnsten Plan zunichte macht, Harre nur noch bis z«m nächsten Morgen Muli) ig aus in deines Herzens Sorgen, Da vielleicht, wenn früh sein Strahl sich hebt, Neu -ie Hoffnung deine Brust belebt.

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