Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1851)
- Date
- 1851-05-26
- Page
- Seite 258 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Zahl der Reflektirenden wäre gewiß größer als die Mittel gewesen, für sie ankaufen und sie ansiedeln zu können; gewiß hatte man vielen jetzt müßigen, nach Arbeit vergeblich ringenden Händen nützliche und gewinnbringende Arbeiten abgewinnen können, der Pauperismus wäre an seiner Wurzel angegriffen und innerhalb der Gesellschaft ebenso viel Boden für dauernden Wohlstand gewonnen worden, wenn die sich jüngst konstituirten Komitv's in der Thal jenen Eifer und jene Energie besäßen, die wir erwarteten, weil wirklich mehrere Kapazitäten sich an die Spitze stellten und mit Feuer die hochwichtige Angelegenheit in den ersten Angriff nahmen, ein Feuer, das jetzt wie eine bengalische Theaterflamme im Erlöschen ist. Die Massen, die gehofft, bedauern — die Gegner witzeln und der Menschenfreund ist um eine Hoffnung ärmer und um eine Täuschung reicher geworden. Vom Kolonisirungskomitö in Lemberg kein Lebenszeichen — vom Kolonisirungskomitö in Brody kein Lebenszeichen; die Leute sind — was wir schmerzlich bedauern — ermüdet, che sie begonnen haben. Später wird man vor der Regierung, die ihre Unterstützung zusagte, und vor der Oeffentlichkcit den Jndifferentismus aus das Volk schieben wollen; man wird seine Indolenz Vorhalten, die Komitö's werden sich das Aussehen vergeblicher Anstrengung geben, wir aber können mit Sicherheit und Ueberzeugung behaupten, daß die Anmeldungen größer wären als die Mittel, und die durch Vereine einzusammclnden Beiträge ihrerseits die Ermattungen noch übertroffen hätten, wenn die Komitö's jene Energie, jene Thätigkeit entwickelten, die zur Erreichung so wichtiger Zwecke nöthig ist. Prag, im Mai. vr. Wessely ist als außerordentlicher Professor des österreichischen Strafrechts an die juristische Fakultät versetzt worden, ohne jedoch darum die Vorträge in hebraicis aufzugeben. Prag, 15. Mai. (Privatmitth.) Wir haben gestern einen Ehrenmann im strengsten Sinne des Wortes zu Grabe getragen; Herr Leopold Dormitzer, Kotton-Druck-Fabrikant, ist nach kurzem Leiden, im 62sten Jahre seines Alters, der asiatischen Gastin erlegen. Nicht weil der Mann über eine Million zu verfügen hatte, räumen wir ihm in diesen Spalten ein Plätzchen ein, sondern weil er trotz der Million, die er besaß, auch ein echt israelitisches Herz mitbesessen, das ihn Men, die ihn näher kannten, lieb und werth machte. Das zeigte sich besonders bei seiner Bestattung zur Erde. Jude und Christ aus allen Ständen wetteiferten mit einander, dem edeln Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. In der Stadt, auf dem s. g. Badehof, sprach Rapaport, und draußen am Grabe hielt Kämpf eine Leichenrede. Beide Redner hoben besonders die Mildthätigkeit, Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit des Dahingeschiedcnen hervor. Der Tod hat ihn überrascht, sonst würden wir schon von Stiftungen vernommen haben, wodurch der Heimgegangene sich verewigt. Doch steht von den allgemein geschätzten Nachkommen und Erben des Verklärten zu erwarten, daß sie das Andenken ihres Vaters und Familienhauptes auf die geeignetste Weise zu feiern wissen werden. —Ap.— Prag, im April. (Privatmitth.) Die israelitische Synode in Prag. Sitzung vom 29. Januar (Fortsetzung). Eisler meint, daß das Gute im W'schen Antrag schon im Kommissionsentwurf enthalten, mithin nicht neu, daß Neue des Antrags aber nicht gut sei. Die Konfirmation für obligat erklären, hieße dem Judenthume etwas Fremdartiges gewaltsam aufdringen. Ebenso wenig möchte der Redner damit einverstanden sein, daß dem Rabbiner zur Pflicht gemacht werde, jeden Sabbat zu predigen; die Predigt sei kein integrirender Theil des jüdischen Gottesdienstes. Der Antrag Ws. beruhe auf falschen Voraussetzungen; so wolle er die Trauung dem Rabbiner ausschließlich vindiziren, während dieser Akt, nachdem jüdischen Gesetze, von Jedermann vollzogen werden könne. Andererseits wolle der Antragsteller es dem Rabbiner freistellen, ob er Talmudunterricht ertheilcn wolle, während dies des Rabbiners eigentliche Pflicht sei. Indem der Redner am W'schen Antrag noch rügt, daß er die materielle Stellung des Rabbiners in der Schwebe lasse, schließt er mit dem Antrag, die §§. 75 und 76 in ihrer ursprünglichen Fassung zu belassen, jedoch den Passus hinzuzufügen: „In gemischten Fragen jedoch, wo Administratives und Religiöses sich berühren, hat sich der Rabbiner mit dem Vorstande in Einverständniß zu halten." Wird unterstützt. Lengsfeld bedauert, daß die unerquicklichsten Debatten gerade bei der Rabbinerfrage geführt werden. Man möge doch nicht vergessen, daß §. 2 der Märzverfassung auch dem Rabbiner ein theurcs Gut