Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1851)
- Date
- 1851-05-26
- Page
- Seite 257 (sequence 5)
- Language
- German
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m geht dies zur Genstg« schon daraus hervor, daß alsbald dagegen ein mit zahlreichen Unterschriften bedecktes Klagschreiben a»das königl. Kriminalamt in Stuttgart abgefertigt wurde, dessen Resultat ich seiner Zeit in diesen Blattern mittheilen werde. E. A...r. (In derLhat ist es betrübend, wie stark der Strom der Gehässigkeiten gegen die Juden in den Blättern einer gewissen Richtung jetzt wieder fließt, und sind uns aus dem südn estlichen Deutschland in letzter Zeit bittere Proben ge«Ng wieder zugekominen *). Wie? hat man noch nichot an den großen Leidenschaften, welche die gesellschibftliche Welt gegenwärtig durchwühlen, genug? will nian alle, alle entfesseln, um nur recht herbe, recht w-ild, recht unbezähmbar den Kampf zu machen? Und das nennen sich konservative Blätter, welche alle Verhältnisse unerträglich zu machen suchen, und iwo noch ein Tröpfchen Liebe übrig geblieben, in eine« Tropfen Galle ihn zu wandeln streben! Wir können n«türlich den Schreiber jener Zeilen nicht als einen biüägen, gerechten Mann voraussetzen — wäre er das, s»-würden wir ihn fragen: wie? wir wollen einmal annehmen, das, was Sie in Harnisch bringt, daß die Juden die Wahl eines ihnen günstigen Mannes zu befördern sich müheten — und es handelte sich doch um zwei Konservative — wäre wahr, wäre das etwas Unrechtes, Unerhörtes, Unnatürliches? Jetzt, da die Jude« auch in Württemberg wieder auf 1819 zurückgeworfen sind, da ihnen das Wahlrecht wieder entzogen worden, wo die Kammern über ihr Schicksal abermals zu entscheiden haben, jetzt sollte es ungerecht sein, wenn sie sich darum kümmern? Und wenn sie dabei aus einen selbstständigen, nicht um Gunst und Aemter buhlenden Monn gehalten, wäre das nicht pflichtgemäß, wäre das ungerecht? Aber Sie sind ja kein billiger Mensch, Sie sind ja kein gerechter Mann, soirst würden Sie den Juden gerade dies nicht zum Vorwurf machen, Sie zeigen sich lieber als einen Solchen, der verlangt, die Juden solltcn ganz müssig sec», die Jude« sollten sich um die Angelegenheiten des Vaterlandes gar nicht kümmern, und wenn doch, sollen sie einen Mann fördern, der „was werden will.!" selbst bei der Gewißheit, der *) Wir erwähne-» nur beispielsweise eiuen Artikel über die Synagogenweihe zu Koblenz, der Alles überbot! Redakt. Mann wird die Juden zucückzusetzen suche«, so viel er kann. Da möchten wie doch fragen, mi sich als Jesuit zeigt, Sie oder die Juden!... Und was werfen Sie de« Juden am Ende vor? Worte, Nichts als Worte! Nun möchte ich Ihnen andere Orte zeigen, wo gar keine Juden wohnen, und die Umtriebe, und die Mittel, die da bethatigt wurden, um Männer gewisser Färbung in die Kammern zu bringen.... Und am Ende ist Alles nicht wahr, und nur erfunden, um die Juden zu schmähen, um eine Gelegenheit zu haben, Gift und Geifer auf die Juden zu schleudern.... O, Sie frommer Mann! Doch alle diese Dingelchen haben Nichts gefruchtet; sie schaden vielleicht auf eine kurze Zeit; die Juden aber haben immer zu warten verstanden, und da haben sie Vieles schwinden und zerfließen gesehen, was gegen sie angelegt worden war bergehoch! Red. d. A. Z. d. Jud.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im Mai. Nach einem 0n dit wird Dr. Hirsch die Landesrabbinerstelle Mährens in Nikolsburch verlassen und nach Frankfurt am Main als Rabbiner der Rothschild'schcn Gemeinde gehen. —. Aus Zala Egerßcg wird dem „Hirlap" geschrieben, daß drei Israeliten daselbst zu Gemeindcräthen gewählt worden siirb. —. Der an der galizischen Grenze bis jetzt üblich gewesene Jndengeleitzoll, welcher bei Passirung der russischen Grenze eingehobm wurde, ist iin Aufträge des Justizministeriums mit 15. v. M. ausgelassen worden. Brody, 1. Mai. (St.) Als Sie vor einiger Zeit meinen Bericht über die projektirte Kolonisirung der galizischen Juden brachten, in welchem ich das Projekt im Interesse der Erwerblosen freudig begrüßte, gegen seine Ausführbarkeit jedoch in unsecm Kronlande begründete Zweifel ausdrückte, da erhoben sich hier tausend Stimmen dagegen, man dachte nicht, daß man sich noch sehr weit von der Wirklichkeit entfernt befand. Die Massen des Volkes, hier so unbeschäftigt, so ganz und gar in dem fabriksarmen Galizien auf den Zufall angewiesen, hatten mit ungetheilter Freude die ihnen in Aussicht gestellte Arbeit und nützliche Verwendung für die Agrikultur begrüßt: die