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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-05-26 · Heft 22 (26.5.1851) · p. Seite 256

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 22 (26.5.1851)
Date
1851-05-26
Page
Seite 256 (sequence 4)
Language
German
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236 gänzlich entfremdet gewesene Mitglieder wieder jeden Sabbat die Synagoge besuchen, und andererseits, wie die Vertreter der konservativen Richtung sich mit den Neuerungen völlig aussöhnen, weil sie der Ueberzcugung sich nicht erwähren können, daß seit Einführung derselben (16 Monate) der religiöse Sinn unermeßliche Fortschritte bei jedem Alter und Geschlecht gemacht hat. Und Orthodoxe, die absichtlich Aug' und Ohr verschließen, haben wir Gottlob! nicht. Eine fernere Verbesserung, die Herr Dr. R. eingeführt, ist die, daß Frauen und Männer in demselben Raume (jedoch in einander gegenüberstehenden Bänken) Platz nehmen. Diese Einrichtung, welche so viel uns bekannt nur noch in der Synagoge zu Koblenz besteht, ist höchst empfehlenswerth, weil die Gegenwart der Frauen die Feierlichkeit erhöht und die Damen selbst, aus ihrer Passivität hervoxgezogen und ebenfalls zur Andacht gestimmt werden. Von früher hierbei gefürchteten Ucbelständen hat sich in der Praxis keine Spur gezeigt. Eine andere Schöpfung des Herrn I)r. R. ist ein seit sechs Monaten bestehender Armcnunterstützungsvcrein, der sich die Aufgabe stellt, dem Bettelwesen cntgegenzutreten, um desto mehr für die Hausarmen wirken zu können. Nehmen Sie zu diesen spezialisirtcn Bestrebungen des Herrn Di-. R. einen zweimaligen Religions- resp. Konsirmationsunterricht pro Woche, so wie (außer der gewöhnlichen Sabbatpredigt) eine Anzahl von Traurings- und anderen Gelegenhcitsrcden. Zählen Sie ferner hinzu die Abfassung einer Menge von deutschen Gebeten und die Bearbeitung eines nächstens erscheinenden Gebetbuches; sodann erwägen Sie gefälligst, daß Herr Dr. R. als Präses des Schulvorstandes der Elementarschule, auch dieser seine Aufmerksamkeit schenkt und dennoch die freundschaftlichen Beziehungen zu allen Gemeindemitgliedern, ohne Unterschied des Standes, lebhaft unterhält und Sie werden gern gestehen, daß Herr Dr. R. seine Stellung vollkommen begriffen hat und dieselbe als gewissenhafter Geistlicher auszufüllen bestrebt ist. Wir wünschen jeder strebsamenGemeinde einen solchen Geistlichen, aber a'uch jedem thatigcn Geistlichen eine solche Gemeinde, in welcher alles Gute begeisterte Aufnahme findet und die eingreifendsten Reformen ohne Zwietracht eingeführt werden können. Aus Württemberg. (Privatmitth.) (Verspätet.) Geehrter Herr Redakteur! Um Ihnen ein Probestückchen mitzutheilen, wie die ultramontane Presse die Juden und das Judenthum behandelt, kann ich nicht umhin, Ihnen nachstehenden Original-Korrespondenz-Artikel zur gefälligen Einsicht vorzulegen, wie er in No. 104 des in Stuttgart erscheinenden „konservativen" Blattes „Deutsche Kronik" wörtlich zu lesen war: ,,-fLaupheim, 30. April. Auch dahier hat sich die Thätigkeit der Juden während der Abgeordnetenwahl in demselben Lichte gezeigt, wie allerwärts. Ereifere sich doch der Beobachter nicht so über Gebühr gegen Jesuiten und ihre Missionspredigten! Die ärgsten Jesuiten sind — die Juden. Wo in aller Welt ist jenes Mittel zu finden, das diesen Leuten zu schlecht wäre für ihre Zwecke? Früher verschrieen sie den Schultheißen Walser als einen Simpel, diesmal hausirtcn und schacherten sie mit folgenden Artikeln: „Walser will Nichts werden und kann Nichts werden." — „Brigel möcht' nur Oberamtmann sein!" — „Ihr werdet doch dem Walser keinen Brigel zwischen die Füße werfen?" — Ja, Einem entschlüpfte sogar in der gehörigen Temperatur die Aeußerung: „Den Brigel können wir nicht brauchen, der kennt uns gar zu gut!" Es scheint, daß ihn auch einige Unbeschnittene nicht brauchen konnten, weil er sie gar zu gut kennt." Zur nähern Beleuchtung bemerke ich Ihnen, daß sich in dem Bezirke Laupheim die zwei konservativen Kandidaten Walser und Brigel gegenüberstanden. Die Juden haben sich aber meist ganz passiv verhalten, um so mehr, als, da nach der Verfassung von 1819 gewählt wurde, sie von dem Wahlrecht ausgeschlossen waren. Es ist aber nicht das erste Mal, daß solche Gehässigkeiten über die Juden durch die Presse verbreitet werden, und namentlich gebührt dem gedachten Blatte, welches überdies nicht im Gerüche der Freisinnigkeit steht, das Lob, es hierin allen anderen Blättern zuvorzuthun. Der betreffende Artikel, welcher weiter Nichts als eine Denunziation ist, trägt, wie Sie sehen, das Zeichen des Kreuzes und wenn der Herr Korrespondent wirklich der sein sollte, als welchen ihn die öffentliche Meinung bezeichnet, nämlich ein Priester, dann muß ich in der Thal staunen über so viel christliche Liebe. Welche Entrüstung dieser Artikel unter der ganzen Judengemeinde Laupheims hervorgerufen hat, mögen Sie leicht begreifen und

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