Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1851)
- Date
- 1851-05-26
- Page
- Seite 255 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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255 für Knab«n, ist zur F-eier des auf den 21. Mai fallenden Stiftungsfestes, das- Rosenstraße No. 12 im Hörsale des Instituts stattsindet, ausgegeben. Es haben seit den achtzehn Jahren des Besteht ns dieses Instituts 58 Waisenknaben Aufnahme, Vecpflegung und Erziehung empfanzen. Es ist interessant aus dem Bericht zu ersehen, w elchen Bestimmungen sich dieselben gewidmet haben. 12 widmeten sich t«r Handlung, 1 fludirte Medizin, 5 kehrten zu ihren Eltern zurück, 22 haben sich verschiedenen Handwnken und Thätigkeiten gewidmet, als Tischler (4), Schuhmacher, Buchbinder, Bäcker, Gärtner, Goldarbeiter, Schriftsetzer, Srttler, Maschinenbauer u. s. w., verhältnißmäßig, d» jüdische Handwerker noch immer se lten sind, eine sehr zroße Zahl. Achtzehn Knaben sind noch im Institut befindlich. — Der Bericht macht die erfreuliche Mittheilung, daß über die aus dem Institut Gehenden nur das Beste zu berichten sei. Ei nige sind nach Amerika übergcMelt, von diesen ist Einer, um Einkäufe für sein dortiges blühendes Etablissement zu machen, im vorigen Jahre hierher zurii ckgekehrt. Er hat dort eine Porte-Monnaie-Fabrik errichtet, in der er 30 Arbeiter beschäftigt. Die Einzelnheiten, die der Berirht über das Leben und die Schicksale dieses jungen Mannes mittheilt, sind sehr interessant. Die Jahresei»«ahme für 1850 hat, bei einem Vnmögensbcstande von circa 42,000 Thlrn., an Beitragen und außerordentlichen Geschenken 4056 Thaler, die Ausgabe 3762 Thaler betragen. Eine Summe «on 1090 Thlr. gehört 17 Waisenknaben als Eigenthrrm. Die Durchschiiittskosten für die Ernährung und Erziehung jedes Waisenknaben belaufen sich auf fast 200 Thlr., was allerdings (Ja rvohl!) thcuer ist. Di« Druckkosten müssen bei den häufigen und volumiuosen Berichten sehr ansehnlich fcin. Sie sind in der Rechnung nicht besa«ders ausgervorfen. Aachen, im Mai. (Privatmitth.) Keum sind es einige Wochen, daß Ihnen von hier aus berichtet worden, n>ie unsere Gemeinde die Bestrebungen eines ihrer Vorsteher anerkannt und belohnt hat »nd schon bietet sich eine neue Gelegenheit dar, von dem Geiste öffentlich Zeugniß abzulegen, der Gottlob in dieser Gemeinde: lebt. Das verflossene Pessachfest brachte uns den ersten Jahrestag des Amtsantritts unsers Rabbiners Herrn Dr. Rothschild. So kurz auch der zurückgekegte Zeitabschnitt ist, so hat dieser würdige Geistliche es doch bereits verstanden, sich die Anerkennung der Gemeindemilglieder in so hohem Grade zu gewinne«:, daß die Frauen und Jungfrauen von den verschiedensten religiösen Ansichten, und fast ohne Ausnahme^ schon jetzt das Bedürfniß fühlten, demselben ein Zeichen ihrer Dankbarkeit zu geben. Dieses bestand in einem sehr geschmackvollen Ehrensessel, dessen äußere Bekleidung die Damen mit großem Aufwand an Zeil und Mühe mit eigener Hand gestickt hatten und den sie dem Herrn Rabbiner durch eine Deputation von fünf Damen, nehst einer kurzen Adresse überreichen ließe«-. Der Wunsch, andere« Gemeinden nützlich zu sein, veranlaßt uns, etwas spezieller auf die Leistungen des Herrn vr. R. ernzugehe»^ welche demselben in so kurzer Frist allgemeine Anerkennung erworbeu haben. Znnächst hat der He»e Rabbiner eine ganz neue Gebetordnung für Sabbat (und Festtage) eingeführt. Das Charakteristische dieser Gebetordnung ist: 1.) Daß der Rabbiner selbst die Lithucgie leitet, was ungemein viel Zur Hebung der Andacht beiträgt (so daß also kein Chasan dabei thätig ist); 2) daß die Muttersprache in hinreichendem Maaße benutzt wird, ohne deshalb die hebräi sche hintan zu fetzen oder Jemand zu hindern, ausschließlich hebräisch zu beten; 8) daß an jedem Sabbat und an jedem ersten Festtage eine Predizt, die den Hauptlbestandtheil bildet, gehalten wird»; 4) daß das Aufrufen Einzelner zur Tc>«a gänzlich eingestellt ist und blos zwei Vorsteher zur Seite des Rabbiners stehen, welcher nach dem dreijährigen Zyklus ohne Regina vorliest; 5) daß die Birchas hatauro von der ganzen Gemeinde laut rezitirt werden; daß die Haftora in deutscher Sprach« vorgetragen wird; 7) daß die Orgel alle Gesänge und Response» begleitet; 8) daß das weibliche E eschlecht ebenso thätigen Antheil nimmt, als das männliche; 9) daß der gewöhnlich« Sabbatgottesdienst, inkl. Predigt', nicht über 1 ‘/a bis l3/t©tit»be währt. Von der Wirkung birses Gottesdienstes auf das Gemüth können wir Ihnen keinen Begriff z eben. Es möze genügen wenn wir Ihnen sagen, d»ß wir mit Freude wahrnehmen, wie einerseits dem Gotteshause