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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-05-26 · Heft 22 (26.5.1851) · p. Seite 254

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 22 (26.5.1851)
Date
1851-05-26
Page
Seite 254 (sequence 2)
Language
German
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254 Holland, immer erhaben über seine beschrankten Grenzen, zwar die Herrschaft über das Nachbarland (Belgien) aufgeben mußte, die Herrschaft über sich selbst aber unerschüttert festhielt. Aber Holland war auch zuerst in Europa eine Freistatt für schuldlos Verbannte und Heimctthlose, während Norwegen sich kindisch abschtoß, Ln Haß und Vorurtheil, ein europäisches China. Als Spanien 300,000 Israeliten von ihren heimischen Heerden jagte, da waren nur zwei Lander in Europa, die sich gastlich ihnen öffneten, Holland und -—die Türkei. Hat es dir geschadet, Holland, daß du deine Hafen den Unglücklichen öffnetest? Oder kam nun erst recht die Zeit deiner anwachsenden Größe, deines außerordentlichen Verkehrs, deines Gewerbfleißes? Freilich, wolltest du nicht wie Spanien durch die todten Schätze Peru's und Golkonda's dir Glanz und Pracht und Genuß schaffen, sondern allein durch Fleiß und emsiges Schaffen und kühnes Wagen und kluges Berechnen! Aber darum wurdest du auch reich und glücklich und — lebtest. Norwegen aber blieb arm und unbedeutend und unbesucht. Es trieb mit Blutgesetzen den Fremden von dannen; als ob es Schätze zu bewachen hätte, belegte es mit Geld- und Gefängnißstrafen selbst den Fremden, der durch Sturm und Scheitern an sein Gestade geworfen worden — nicht blos den Juden, sondern auch den Katholiken — als wäre es ein geheiligter Boden, den Niemand betreten dürfe, ohne ihn zu entweihen, wurde der Fuß des Fremdlings gefeffelt, der nur einen Schritt auf sein Gebiet gethan—nun, man konnte es entbehren, und die Welt hielt sich nicht dabei auf, und Niemand verlor dabei, als das arme Norwegen selbst. Welche Anstrengungen sind gemacht worden, um den §. 2, der dem todbringenden Gesetze des alten Scythiens entlehnt ist, aus seiner Verfassung zu entfernen — aber Alles vergebens, er blieb und bleibt, festgehalten von der Beschränktheit der norwegischen Gesetzgeber. Nun, so mögen denn die alten norwegischen Felsen die fremden Wogen abhatten für und für, über Holland halt Gott seine schützende Rechte, und sagt: die Fahne der Humanität, gepflanzt auf die Dünen der Nordsee, ist noch eine mächtigere Wehr und eine sicherere Bürgschaft für volles, nie erschlaffendes, reiches Leben! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Breslau, im Mai. Ueber die kuriose Börsengeschichte, in welcher die Charakterstärke der Juden wohlthucnd hervortritt (die Köln. Ztg. will sie nur als eine Verletzung der Eitelkeit von Seiten der Juden bemänteln — nun, sie nimmt es ja mit Prinzipien nicht zu genau —) geben wir weitere Nachrichten der N. O.-Z.: Das Börsenschisma dauert sort. Die bisherigen Einigungsvorschläge scheinen bisher keinen Erfolg gehabt zu haben. Die Handelskammer verhandelte in ihrer gestrigen bis 11 Uhr Nachts dauernden Sitzung über diese Angelegenheit, soll aber Beschlüsse noch nicht gefaßt haben. Ueber die Verhandlungen gebricht es uns an Details, da über dieselben bis jetzt die strengste Diskretion bewahrt wird. So viel wir indessen vernehmen, wird die Handelskammer, welche übrigens den Vorschlag der jüdischen Kaufmannschaft, die Börse in einem neutralen Lokale abzuhalten, abgelehnt hat, dem Komitö der jüdischen Kaufleute folgenden Vergleichsvorschlag machen: die Handelskammer miethet das Parterrelokal des Börsengebäudes für die Börsenversammlungen, sie stellt die Börsenbeamten an und leitet die vereinigte Gesellschaft. Damit wäre aber die Hauptfrage (Bildung einer kaufmännischen Korporation) umgangen. Die jüdischen Kaufleute sind indessen zur Zeit entschlossen, das Börsengebäude nicht wieder zu betreten. Dem Vernehmen nach haben die Kaufmannsältesten (die Herren Eichborn, Kraker und Klocke) ihren Entschluß kund gegeben, ihre Funktionen niederzulegcn und fernerhin nur die Rechte der Börsengesellschaft, als eines geselligen Vereins, fortzuführen. Vom 12. Mai: Das Börsenschisma dauert zur Zeit noch fort. Der Oberpräsident hat das Komitö der jüdischen Kaufleute zu sich beschieden und ihm seinen lebhaften Wunsch ausgedrückt, bis zur Ankunft des Königs eine Ausgleichung in dieser Angelegenheit herbeigeführt zu sehen. Derselbe hat dazu seine Vermittelung angeboten und wird sich mit dem Vorstande der christlichen Kaufleute bezüglich dieses Gegenstandes in's Vernehmen setzen. Berlin, im Mai. (V. Z.) Der achtzehnte Jahresbericht über das jüdische Waisenerziehungsinstitut

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