Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1851)
- Date
- 1851-05-19
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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249 Altenmuhr i» Mittelftanken, 6. Aprile (Eingesarndt.) Indem ich einer sehr verehrlichen Kedaktion ein Exemplar meiner neuen VoLkSschrift für Israeliten „Jüdische Erzählungen zur Würdigung und BeurtheLlung übersende, kann ich's nicht lassen, zur Einiführung derselben einige Zeilen mit der Bitte beizufügen, Lenselben ein Plätzchen in Ihn«, Blatte einzuräumen. Kon der Zwemäßigkeit und Brauchbarkeit Lerartiger Volksschriften noch immer fest überzeugt und dieses Bedürftriß von besseren Kräften noch nicht befriedigt sehend, überlebe ich dem jüdischen Publikum wieder dr>eii Erzählungen, welche das jü dische Leben in seinen verschiedenen Entwickelungsperioden, gegenüber den staatlichen Berhältnisfen in Familiengeschichten zur Anschauung bringen in einer Form, geeignet Ideen, Zeitfragen, Vorkommnisse rc. in solchen Kreisen arzuregen, in welchen sie fo-nfl: fast unbeachtet vorübergehm, und mit Vermeidung albrs dessen, was die Pietät verlehsn und gegebene VerhältniPe beeinträchtigen könnte. Wol sagt ein christlicher Kirchenvater: „Wenn die Wahrheit Skandal rn^cht, so muß Skandal gemacht werdeir." Das kann ein «christlicher Schriftsteller sage-li, dessen Schriften von Höherstehenden mit Bedacht im solchen Kreisen verbreitet werden, in welchen sie Vorurteile beseitigen und veränderte Anschauungen erzeuge« sollen, wölbend bei uns auch Gebildete aus mißverstandener Solidarität gern in das Verdammungsurtheil eimstimmm, und diejenigen, in deren Beruf das Verbreiten guter Schnften einschlagt, t Heils aus Mangel an Energie, theils aus blassem Neid beifällig oder doch stillschwe-i^end oft die unbegründetsten rl.nd gehässigsten.Urtheile gut heißen. Zerren beschnurrbärtets«, mit „gebildeten Röcken" angechirnen jungen Mänirecn*) aber, die über derlei literarische Erscheinungen hochmüthig die Nase rümpfen und vornehm fragen: was sollen solche Büchleins? möchte ich mit der Gegenfrage amtworten: Warum leset ihr so eifrig alle Romane, besuchet ihr Theater, lernet Geschichte? Oder glaubt ihr im Ernste, die Eugen Sue's rc. und die dramatischen Kün-stler haben es blos auf mim Zeitvertreib abgesehen? unb die Geschichte sei nur da, um die Jugend damit zu schulmeistern? Diejenigen, welche *) Ein solcher ju nger Herr war es, wie ich nun weiß, auch, der sich seiner Zeit bewogen fand, mir en einem anonymen zweiseitigem Brief seine Rezension meiirer „Bildet zu senden, in i>ec sich nicht weniger als fi^benund- . zwanzig grobe Kasus- und Orthographieschnitzer befanden. Ko cr esp. zugestehm, daß gewisse in meinen „Bildern" geschilderte Szenen im Leben Vorkommen, aber unberührt wissen wollen, weil sonst ganz Israel dafür haftbar erklärt wird, frage ich daS Eine: warum ereifert man sich und meidet nicht lieber faktische Vorkommnisse? wird nicht bei diesen eine größere Summe von Solidarität in Anspruch genommen, als wenn sie in einem Buche geschildert werden, dcr§ nur Gebildetere lesen? Endlich die Rabbiner und Lehrer, welche die Wahrheit und Verwerflichkeit jener Verhältnisse zugestehen — von denen, welche mit ihrem Publikum auf gleicher Stufe stehen, nicht zu sprechen — aber sie, wenn auch nicht gerechtfertigt so doch entschuldigt fimden, möchte ich fragen: Warum predigt und lehrt ihr gegen andere Vergehungen und Laster? Sind dieselben nicht auch unter Umständen alle, wenrr auch nicht zu rechtfertigen, so doch zu entschuldigen? Dclg,egen muß ich auch nicht blos der Aberkennung meiner Bestrebungen Seitens jüdischer und christlicher Zeitschriften, sondern crrcch dankend der vielen Männer und Gegenden gedenken, in denen sie vollen Anklang gesunden und darunter viele Landleute und Geschäftsmänner, die theils ein solches Gebühren mit Recht gegeißelt sahen, theils gar nicht begreifen, wie hierin etwas Beleidigendes für die Jude nheit und das Zudenthum liegen könne. Ihnen und alten Förderern der Wol-ksliteratur empfehLe ich auch diese Erzählungen. Meine Gönner und Freunde aber wollen es mir zu gute halten, wenn ich ihre Güte besonders in Anspruch nehmen werde. Es ist wahr: Es liegt etwas Demüthigendes in dieser Inanspruchnahme, aber das Demüthigende Mt, wie ich glaube, nicht meiner Person, sondern der Sache, den Verhältnissen unserer neuern Literatur und ihren Freunden (?) zur Last. Simon Lramer. Magdeburg, imApril. Brechers Transzendentales im Talmud (Schluß). §. 20. Ueb«er die Zahl und das Sichtbarwerden der Schedim spricht sich der Talmud folgender Art aus. Aba Benjamin sagte, wäre dein Auge zu schauen gestattet, so könnte kaum Jemand vor den Mastkim (schädliche Dämonei bestehen. — Abcü sagte: sie sind zahlreicher als wir Menschen und umringen uns, wie der Erdhaufen den W-einstock. — Rabbi Huna sagte, ein Jeder von uns hat deren tausend zur Linken und zehntausend zur Rechtem — 9iaba sagte, das Gedränge im Lehrsaale (wo man sich beengt fühlt, wenn die Versammlung auch min- 2t*