Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1851)
- Date
- 1851-05-19
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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243 also in. dkr Kommune n»ch nicht emanziprrt und gleich gestellt, während sie es im Staate sind. Karlsruhe, im Mai. (Privatmrtth.) Vom israelitischen Oberrathe iß ein Erlaß erflossen, aus dem wir Folgendes hervorhcben: „Der großh. Oberstudienrath hat mittelst Erlasses vom 20. Januar d. I. No. 85 die großh. Direktionen sämmtlicher Gelchrtenschuli«, und mittelst weitern Erlasses vorn 17. März d. 3, No. 359 die großh. Vorstände säinmtticher höheren Bürgerschulen ans die diesseitige Verordnung vom H. Juni 1842 No. 265 auf's Neue aufmerksam gemacht, mit dem Ansagen, daß dieselben von den israelitischen Schülern den Nachweis zu verlangen habe» r daß sie jener Verordnung gemäß den Religionsunterricht der israelitischen Volksschule, oder wo keine Solche besteht, di« israelitische Religionsschule besuchen, so lange sie nicht das Alter der Entlassung aus d>ec Volksschule erreicht haben, und Laß die großh. Direktionen der Gelehrte«schulen und beziehungsweise die großh. Vorstände dec höheren Bürgerschulen ferner von d>cn israelitischen Volksschullehrern oder Religionsschullchrern die diesen Schülern im Religionsunterrichte ertheilten Noten vierteljährig bei der allgemeinen Chara-kteristik der Schüler zu verlangen und den übrigen Roten beizufügen haben." Darmfiadt, 6. Mai. In der heutigen Sitzung der zuzeiten Kammer karn zur Berathung ein Antrag des Abgeordneten Sartorius: die Staatsregierung zu ersuchen, die Kompetenz der (nach einen, Anträge des Abg. Kraft) zu errichterden Ortsgerichte dahin zu crweitcm, daß denselben bie Aufsicht über den Schacher- Handel der Juden, und insbesondere die Genehmigung eines jeden auf Kredit abgeschlossenen Vichhandels, übertragen werde. Auch, gegen diesen Antrag waren Ausschuß und Regierung gewesen; desgleichenerwarb er sich bei der Debatte keine Freunde. Höchstens gab man zu, daß die angeführten Umstände an anderen Orten Erwägung und in anderer Weise Abhilfe verdienten. Dabei zieh man Herrn Sartorius der Intoleranz, was er jedoch entschieden ablehnte. Uebcr die Wirksamkeit der Jaden in den bezeichneten Bcziehlimgen machten sich verschiedene Ansichten geltend; aber Niemand konnte dem Präsidenten widersprechen, vielmehr fand er mehrfache Zustimmung, als er entwickcilte, daß die Juden, vielfach vom Ortsbürgcrrecht und folgeweise von der Betreibung eines Gewerbes ausgeschlossen, sich auf den Handel als Quell« ihrer Habsucht verlegen müßten. Der Antrag selbst ward mit allen gegen Sartorius' Stimme abgelehat. Aus Meiningen, im April. (Privatmitlh.) Sie erhalten sehr selten aus unserm Ländchen Berichte. Glauben Sie nicht, daß dieses aus Mangel an Interesse für die Sache des Judmthums geschieht, sondern nehmen Sie es für ein gutes Zeichen unserer Verhältnisse. Freilich auf dem politischen Gebiete könnte unsere Lage eine bessere sein. Das Jahr 1848 hat uns kerne erquickenden Früchte getragen. Die Grundrechte bestehen zwar noch in Kraft, d. h. sie stehen auf dem Papiere. Von einer Durchführung der Emanzipation kann da nicht die Rede sein. Zwar wurde unter dem abgetretene» Ministerium Speßart der Versuch gemacht, die jüdischen und christlichen Kommunen zu vereinigen; ja ein Abgeordneter der Linken unscrs Landtags wollte sogar die jüdischen und christlichen Schulen vereinigt haben, doch diese Versuche stießen bei den christliche» Gemeinden, in denen im Ganzen «och sehr viel Intoleranz herrscht, auf großen Widerstand und wurden von unfern, jetzigen Ministerium ad acta gelegt. Das Einzige, was für uns geschehen, ist die Abänderung des jüdischen Eides, der schon inr Jahre 1844 durch ein Gesetz, der alles Ehrgefühl beleidigenden Formeln und Zeremouieen entkleidet worden und nun in Form und Wesen mit dem Eide der Elhristen völlig gleichlautend geworden ist. Ebenso sind auch die jüdische» Schutzgelder gefallen. Sonst ist Alles beim Alten geblieben. Erfreulicher sind die Verhältnisse unserer Schulen und Synagogen. Die meiningischcn israelitische« Schulen gehören sicherlich zu den besten in Deutschland. Die angestclllten Lehrer sind snmmtlich auf dem Seminare in Hildburghausen gebildet, an welchem der dortige, rührnlichst bekannte Lehrer Steinhardt in den jüdischen Fachern unterrichtet.* *) Die Anstellung der *) Diese Einrichtung wäre üderall sehr zu wünschen, denn ich begreife in der Thal nicht, wozu m»» eigene jüdische Seminare errichtet, die, wie die Erfahrung lehrt, durchaus de» Erwartungen nicht entsprechen, die man von ihnen gehegt und die sich, wenn obige leicht durch- I zuführende Einrichtung getroste», als völlig überflüssig und unpraklisch beweisen. Koiresp. Ja, wenn!! Redakt.