Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1851)
- Date
- 1851-05-19
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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242 gefahren, und bereitet sich im jungfräulichen Amerika eine neue Stätte. Wir wollen da die oft genug gehörte Frage nicht aufwerfen: ob etwa auch die Kulturländer der Gegenwart dereinst ähnlichem Verfall unterliegen werden, und eine asiatische Verödung über die Trümmer unserer mühseligen Arbeiten ihren Trauerteppich breiten würde? Es ist eine eitle Frage, da den Gang der Weltgeschichte doch deren Bejahung oder Verneinung nicht aufzuhalten vermag. Aber auf Eines wollen wir doch aufmerksam machen — das ist, daß innerhalb dieser ganzen Entwickelungsgeschichte der Stamm und die Religion Israels überall in und an der Menschheit fortlebten, und mit der Kultur wanderten, wohin diese sich wandte. Sie verließen Asien und gingen nach Griechenland, dieser Stamm und diese Religion Israels; sie verließen Griechenland und gingen nach Rom; sie gingen tief in die Länder des Nordens hinein; sie fuhren mit über den Ozean; sie machten sich selbst auf den Inseln des fünften Welttheils seßhaft. *) Und so verließen sie auch Spanien, als es altersschwach sich dem Fanatismus und der Faulheit in die Arme warf.... Ueber den Verfall und die Verödung Spaniens liegen die Daten der Geschichte offen da. Von den wildesten, urkraftigsten Nationen bewohnt, früh schon das Ziel der phönizischen Seefahrer (Tzriznn), von den Karthagern theilweise beherrscht, von den Römern theilweise bezwungen, war es zu der Letzteren Zeiten schon von 11 Millionen Menschen bewohnt. Die Gothen strömten da hin, von Norden, die Mauren von Süden; immer stieg es, und als die Mauren und Christen sich in der Herrschaft der Halbinsel theilten, zählte man 13 Millionen Bewohner — jetzt 7 Millionen, und welche Armuth, und welche Versunkenheit, und welcher Mangel an Allem, was ein reges Kulturleben bezeichnet, und welche Wüsten! Dieses Sinken begann, als dem Reiche der Mauren der Todesstoß beigebracht worden, als der Fanatismus der nun herrschenden Religion die Mauren und Juden in Millionen über das Meer jagte; als der Despotismus die kräftigsten Söhne aussandte, fremde Länder zu unterwerfen; als der unersättliche Metalldurst die eigenen Fluren veröden ließ, um überseeische mit Goldräubern zu be- *) Vor Kurzem wurde erst in Port Philipp (Melbourne) in Neuholland die Konfirmation von der dortigen jüdischen Gemeinde eingeführt. Völkern. Und dieser glühende Pesthauch tödtete das Leben, wohin der Spanier drang, Mexiko und Peru geben traurige Zeugnisse davon. Wie hoch das Kulturleben in Spanien bis in das 14te und 15te Jahrhundert stand, jeder Kundige weiß es; namentlich auf maurischer Seite wurde die Wissenschaft mit Eifer und Glück betrieben. Daß Juda's Söhne den regsten Antheit daran nahmen, entgeht Keinem. Aber glücklicher als die arabischen Gelehrten, hat Israel aus der glänzenden Reihe der arabisch- und spanisch-jüdischen Heroen nicht allein damals, sondern immerfort, und gegenwärtig noch den herrlichsten Gewinn gezogen. Wir erwerben immer noch aus den Geistesschachten des Maimonides, Juda Hallevi's, Aden Esra's, Kimchi's, Atbo's, Abarbanels u. s. f. Das war die Frucht der freiem Stellung, der Achtung, der Duldsamkeit! So mag es immerhin ein trauriger Augenblick gewesen sein, als 300,000 Juden den Boden des Vaterlandes, eine nicht mindere Zahl den Boden der väterlichen Religion verließen — aber in den Zeiten, die für Spanien kommen sollten, war es doch kein Unglück für sie; sie hätten dort mit dem Volke verkümmern müssen; welchen Druck hätten sie auszustehen gehabt, wenn der herbste, aber doch nur augenblickliche Schlag der Verbannung nicht auf sie gefallen wäre! Und was wäre es, wenn eine halbe Million jüdischer Bettler wie in Persien und Syrien jetzt dort wohneten! Ein Blick auf Spanien genügt, um jene Verbannung nicht als das Härteste erscheinen zu lassen. Im Norden wurden sie gedrückt, aber der Druck ist verschwunden, und der Jude erhob sich aus dem Staube; in Spanien wäre der Druck noch heute geblieben, so gut wie in Neapel und Rom, und woran sollte der Jude sich in Spanien erheben?... (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Mannheim, 5. Mai. Das großherzogliche Regierungsblatt vom 3. Mai veröffentlicht das nunmehr geltende Gesetz über die Rechte der Gemeindebürger und die Erwerbung des Bürgerrechts. In Bezug auf die bürgerlichen Rechte der Israeliten bleiben die bestehenden Gesetze hinsichtlich ihres Rechtsverhältnisses zu den Gemeinden in Kraft — sie sind