Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1851)
- Date
- 1851-05-12
- Page
- Seite 234 (sequence 6)
- Language
- German
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Prag, t. Mai. (Privatmitth. Dieser Tage ist Rapaport nach Dresden gereist, und dem dortigen Oberrabbiner, der innerhalb dieses Monats nach London reist, einen Besuch abzustattcn. Die Reise Rs. dürfte sich bis Berlin ausdehnen, doch schwerlich bis Hamburg. Was die geschäftige Fama über den Zweck dieser Reise auch fabeln mag, so kann ich Sie dennoch versichern, daß er zunächst kein anderer ist, als die norddeutsche Metropole zu sehen und gelegentlich intimen Freunden einen Besuch abzustatten. In diesem Sommersemester liest Kämpf: arabische Grammatik (Fortsetzung), damit verbunden (in der zweiten Hälfte des Semesters): Erklärung der Lokman'schen Fabeln; dann auch die chaldäischen Abschnitte des Buches 2) ani öl, mit Berücksichtigung des syrischen Idioms. Kommenden Montag beginnt er seine Vorlesungen mit einer historisch-kritischen Einleitung in das letztgenannte Buch. — Wessely liest: den zweiten Theil des Buches Jesaja aus More Ncbuchim (Fortsetzung). — Außer diesen liest noch ein jüdischer Dozent an der medizinischen Fakultät, nämlich der rühmlichst bekannte praktische Arzt Dr. Alt-Schul. Sie sehen, unsere »Im» mater trägt dem Zeitgeiste Rechnung. Brody, 28. April. (Lloyd.) Die langersehnte und ungeduldig erwartete Entscheidung des Gesuches, die Verkaufslokale an christlichen Sonn- und Feiertagen, in Berücksichtigung der dreifach überwiegenden jüdischen Population und der durchwegs israelitischen Kaufleuten gehörigen Handlungen, offen halten zu dürfen, früher gestattet und später ohne höhere Autorisation untersagt, ist nun endlich, und zwar zu Gunsten der Bittsteller, herabgelangt, und wird darin die augenblickliche Außerkraftsetzung des von der Lokalbehörde ausgegangencn Verbots anbefohlen. Dieser liberale Akt hat viel Freude erregt, da die plötzlich verhängte Sperrung der Verkaufsgewölbe in einer von mittel- und erwerblosen Individuen übervölkerten Stadt, wie es Brody ist, wo hunderte Familien kaum wissen, woher den Bedarf des Tages zu decken, und wo die sämmtlichen Handlungen schon den Samstag geschlossen bleiben, es wirklich höchst bedrückend ist, sie zwei oder mehr Tage, und wie es in den jüngsten Osterfeiertagen der Fall war, beinahe eine ganze Woche gesperrt halten zu müssen. In einer Stadt, wo die christliche Bevölkerung überwiegend ist, finden wir die Sperrung aller Handlungen nur gerecht, um keine augenfällige Störung und dem ruhenden Theil keinen Schaden durch den verkehrenden zu verursachen. Brody aber hat unter der großen Anzahl Handlungen bloS zwei, die christliche Eigenthümer haben, weshalb auch das h. Ministerium das Verfügen des hiesigen Magistrats aufzuheben für gut fand. Frankreich. Paris, 1. Mai. (Arcli. isr. de Fr.) Das Konsistorium von Paris hat beschlossen, in dem restaurirten Tempel eine Orgel aufzustellen. — Gegen die ungeheure Zahl jüdischer Bettler, die sich in Paris aus allen Ländern rekrutiren, will man Maßregeln ergreifen. — Das Zentralkonsistorium hat folgenden Beschluß veröffentlicht: 1) derjenige, welcher eine bestimmte Anzahl Jahre die rabbinische Laufbahn verlassen hat, kann nicht mehr in sie eintreten; 2) ein Kandidat kann nicht an einem Orte, welchen er mehrere Jahre hindurch bewohnt hat, gewählt werden. Es ist dies gegen die Wahl eines Mannes in Sarregucmines gerichtet, der seit längerer Zeit daselbst Handel getrieben. (Wenn wir auch den ersten Artikel billigen müssen, so wissen wir doch nicht, was aus dem zweiten machen. Soll also ein sonst geeigneter Kandidat in Lyon, Marseille oder sonst nicht gewählt werden können, der dort etwa eine Zeit lang von Privatunterricht gelebt oder Privatstudien obgelegen hat? Das scheint uns doch eine arge Beschränkung! Red. d. A. Z. d. Jud.) — Die Gesellschaft, die auf Aufforderung des Großrabbinen von Paris aus jüdischen Schülern und Studenten zur Unterstützung armer Kinder im Unterricht zusammengetrcten ist, hat schon 100 Mitglieder, von denen jedes mindestens 10 Centimes (10 Spf. ungefähr) wöchentlich giebt. Großbritanien. London, 1. Mai. Im Unterhause stand die zweite Lesung der Judenbill auf der Tagesordnung. Newdegate beantragte die Hinausschiebung der zweiten Lesung bis über 6 Monate. Er stützte seine Opposition gegen die Bill durch die Ansicht, daß durch dieselbe der christliche Charakter des Hauses geradezu verletzt werde, und wies auf das Beispiel fremder Länder als auf eine Warnung hin. In Frankreich sei seit Zulassung der Juden zum Parlamente die