Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1851)
- Date
- 1851-05-05
- Page
- Seite 221 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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221 einzige Land, wo die Juden auch in bürgerlicher Beziehung den anderen Staatsang «hörigen nachgesetzt sind, und man sollt« es nicht glauben, und doch ist es so, daß das Iudeu-Ma t ri ke l Unwesen (diese an die mittelalterlichen kaiserlichen Kamnrerknechte so lebhaft erinnernde Einrichtung) bei uns volle Geltung hat. Es existirt nämlich für jeden Ort, wo Juden mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung sich niederlaffen dürfen, eine Anzahl sogenannter Matrikel, und es wird kein Jude in den politischen Gerneindevcrband ausgenommen, als bis eine solche Matrikel erledigt ist oder der Kandidat sich durch Kauf rc. solche zu verschaffen weiß. Damit wird nun mancher Unfug getrieben, indem alte Leute ihre Matrikel abtrcten, dafür sich Leibgeding! re. ausmachen. Nur der König kann neue Matrikeln verleihen (und eine Solche muß jeder Jude haben, auch wenn er ein wiffenschaftliches Gewerbe, wie Medizin oder anwaltliche Praxis ausübt), und so kam es, daß bei der Aufnahme eines jüdischen Kaufmannes in Nürnberg (die erste Zulassung eines Juden daselbst seit dem Mittelalter) dieser sich eine königliche Matrikel mit vielen Kosten verschaffen mußte, und dadurch erst seine Stellung als nürnberger Bürger sich als legitimirt, sanktioiurt darstellte. Werden die Herren Volksvertreter Miaierns wol diesen Judenmatrikelzopf abschneiden? Karlsruhe, 12. April. (Pnvatmitth.) Bei Gelegenheit des Osterfestes wurde vom Kriegsminister folgende Ordre erlassen: „Den in dem Armeekorps dienenden Israeliten ist zur Feier des jüdischen Osterfestes die erforderliche Erleichterung zu gestatt m, wobei bemerkt wird, daß diese Feier mit dem 16. d. Mts. Abends beginnt, und mit dem 24. d. Mts. Abends endet, der 17., 18., 1»., 23. und 24. hohe Festtage, der 26., 2'l. und 22. aber nur minder hohe Festtage sind, an welchen die Israeliten nur an die Gebote bezüglich der Speisen gehalten sind." „In denjenigen Garnisonsitnb Stationsorten, wo keine jüdischen Gemeinden und Einwohner sind, ist den Israeliten über diese Feiertage auf ihr Ansuchen Urlaub in die nächsten Judengemernden zu ertheilen, und ist dies für Offenburg— Bühl; Kehl — Rhcinbischoffsheim; Freibirrg — Emmendingen und Breisach; Sackingen, Waldshut — Thimgen; Billingen, Donaueschingen, Stockach, Konstanz — Randegg, Gailingcn, Wangen und Worblingen im Amt Radvlfszell." Dessau, im April. (Privatimtth.) Die Gemeinde ist konsequent geblieben. Sce hat trotz allem Andringcn den Rabbiner vr. Stadthagen seiner Stelle verlustig erklärt, ihm seinen Gehalt bis zu Ende der drei Jahre, aus die er angestellt war, zur Auszahlung angeboten, aber ihn aller seiner Anitsfunktionen enthoben, selbst di« Synagoge versagt, als er einen Eid abnchmen sollte. Ob von Seiten der Regierung der Wille gehegt wird, ihn ausrecht zu erhalten, ist fraglich. Der Versuch, der bei den Landgemeinden gemacht worden, ist ebenfalls gescheitert. Oesterrtichischer Kaijerstaat. Wien, im April. Bei der Einweihung des renovirten Tempels der türkischen Israeliten war der türkische Botschafter Harif Pascha, und der Konsul Mamas Pussant, nebst glänzendcc Suite zugegen. Die Gemeinde« «rtreter Elias, Adutt und Ruffo beiwillkommten die Gaste, und es wurden unter anderen Gebeten auch jene für den Sultan Abdul Medschid rind den Kaiser Franz Joseph vorgetragen. —. Die B »ss. Ztg. theilt eine Nachricht aus Lemberg mit, der wir keinen Glauben schenken können: „Das Konsistorium von Lemberg hat den dortigen israelitischen Bewohnern durch eine Verordnung verboten, Personen christlichen Glaubens in ihre Dienste aufzunehmen und zugleich angewiesen die bereits aufgenommenen zu entlassen. Ein solches Verbot existirt rvol schon seit tangerer Zeit, kam aber nur sehr selten zur praktischen Geltung. Die Durchführung dieser Maßregel dürfte sehr traurige soziale Folgen haben, da die große Anzahl der jüdischen Bewohner Lembergs wol 4—5(J0D christliche Dienstboten beschäftigen, die nun ihr Unterkommen und einzigen Lebensunterhalt verlieren." Triest, IS. April. (T. Z.) Gestern, als am ersten Osterfeste der Israeliten, versammelten sich etwa 16 zur hiesigen Garnison gehörende Soldaten mosaischer Religion im großen Tempel zum Gebete. Der zweite Rabbiner, Herr M. Randcggec, setzte ihnen in einer gehaltvollen Predigt in deutscher Sprache ihre Pflichten gegenüber dem Gesammtvatcrlande anöein-