Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1851)
- Date
- 1851-05-05
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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220 wollen nicht, wie es daS zu Ruhrort erscheinende Wochenblatt gcthan, eine Llnoniguo scandaleuse über einzelne dortige Familien liefern; bewiesen soll an diesem Beispiele nur werden, wie es um die Existenz des jüdischen Lehrers steht, wenn er lediglich von der Gemeinde abhangt und oft ein unwissender roher Mensch ihn aus dem liebgewordenen Wirkungskreise entfernen kann. Freilich werden nicht alle Gemeinden wie die zu Ruhrvrt verfahren, viele wissen die Verdienste des Lehrers allerdings besser zu würdigen, als daß sie ihn ziehen heißen, wenn er 6 Jahre lang mit Erfolg in ihrer Milte gewirkt; bis zur definitiven Anstellung versteigen sie sich aber doch nicht. Bei so bcwandtcn Umständen ist es gar nicht zu verwundern, daß viele Lehrer, wenn sic das Mißliche ihrer Lage recht erkannt haben, den Schulrock an den Nagel hangen und sich einem andern Berufe hingeben, der mindestens die Aussicht zur Begründung eines eigenen Heerdes bietet. Man mag da schöne Phrasen drehen über die Heiligkeit des Lehrerberufs, über den Segen, den dieser Stand der Menschheit bringt u. s. w.; von solchen Ideen kann man sich wol für eine Zeit lang begeistern, aber von ihnen auf die Dauer nicht leben und existiren. Möchte doch diese Darstellung nicht erfolglos bleiben und von allen denjenigen, die über die Stellung des Lehrers ein Wort mitzureden haben, beherzigt werden! An den größeren Gemeinem ist es, hier mit einem guten Beispiele voranzugehcn, dann werden die kleineren, wenn sic können, gewiß Nachfolgen. Warum hat z. B. eine so große Gemeinde wie Krefeld nicht festangestellte Lehrer? Wir sind der Meinung, daß Herr Bodcnheimer, dem wir den guten Willen nicht absprechen wollen, bei einem solchen Vorhaben nicht auf große Hindernisse stoßen würde. Nicht besser als in Krefeld ist es in Düsseldorf, Essen, Mülheim a/W., Ruhr rc. Die genannten Gemeinden zahlen jede über 50 Familien und sind hinlänglich bemittelt, einen Lehrer stets anständig zu salariren. Im Interesse der Schule und des Kultus, dessen Pflege ja auch in den meisten Gemeinden dem Lehrer obliegt, wünschen wir, daß ihm auch endlich werde, was ihm gebührt. Blcibts aber so wie bisher, dann wird, wenigstens in hiesiger Gegend, die Anzahl derer stets abnehmen, die sich dem Lchrfache widmen, und mit der Zeit der Mangel an guten Lehrern schmerzlich empfunden werden. Hoffen wir das Beste! — 10—. (Bemerkung der Redaktion. Es ist über diesen Gegenstand schon so oft in diesen Blättern gesprochen worden, daß es von unserer Seite kaum einer Anempfehlung bedürfte. Dieses Schweben in ewigem Provisorium ist der Krebsschaden des jüdischen Lchrcrwesens, der wie eine eiternde Beule immer weiter frißt, bis unsere Glaubensgenossen unfern Lehrcrstand völlig abgestorben finden werden. Allerdings ist eS wahr, daß die Zahl der jüdischen Lehrer gerade mit dem Maße der wachsenden Forderungen an sie abnimml. Z. B. ich wirke bereits seit 18 Jahren in der Provinz Sachsen, und in diesen 18 Jahren sind aus den in dieser Provinz lebenden Juden (circa 4OOO jetzt) erst drei Lehrer hcrvorgegangen! Die Provinz muß sich an Lehrern stets aus dem Großhcrzvgthum rekrutiren. Unter den vielen Nachfragen, die des Jahres an mich gelangen, bin ich selten im Stande einen tüchtigen, völlig angemessenen Lehrer zu empfehlen, und die Gemeinden und Privaten müssen es in der Regel dem Zufall einer Annonce überlassen, ob sie einen und welchen Lehrer erhalten. Ein gewisses Resultat hat dies bereits gehabt, nämlich daß die Annoncen dieses Blattes seit 2—3 Jahren doch beweisen, daß man zu einiger Steigerung der Gehälter genvlhigt war. Das ewige Provisorium hat nicht allein die völlige Abhängigkeit der Lehrer, sondern auch die stete Ungewißheit ihres spätem Schicksals in reiferen Jahren zum Inhalte, und diese ist cs, welche die Lehrer zwinge» muß, bald an eine Veränderung ihres Standes zu denken. Wir rufen den Gemeinden wiederholt zu: stellt in euren Kontrakten die Bedingungen fest, so ponktuell und genau wie möglich, daß ihr der Erfüllung der wahren Pflichten von Seiten des Lehrers so versicherl seid, wie irgend möglich, nur gebt ihnen definitive Anstellung! Ihr thut dies nicht um der Lehrer, wohl aber um eurer selbst willen!) Von der Regnitz, 12. April. (Fr. I.) Wenn auch bei der gegenwärtigen Zusammensetzung der Kammer der Reichsrälhe an eine Emanzipation der Juden in Baiern nicht zu denken ist, so dürfen wir doch mit Recht erwarten, daß dieser Landtag die Beseitigung des berühmten Judenedikts von 1813, das in seinen drakonischen Bestimmungen die Juden zu einer nur geduldeten Kaste bei uns macht, durchsetzen, und die kläglichen zivilrechtlichen Bestimmungen rc. beseitigen wird. Baiern ist in der That noch das