Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-05-05 · Heft 19 (5.5.1851) · p. Seite 219

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 19 (5.5.1851)
Date
1851-05-05
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225714-3225734--11712-3241836
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SIS zumeist um deshalb bewilligt, weil von dem ferncrn Genüsse der von der frühem Bergünstigung gehabten Vortheile das Fortbestehen dieser als besonders nützlich anerkannten Schulanstalt abhängig schien. Durch die bezügliche Kabinetsordre vom 30. Juni 1823 ist die Bewilligung jedoch nur auf Widerruf erfvlgt. Es ist von dem Rechte des Widerrufs, nachdein man in voriger Session in der II. Kammer sich gegeirdie Fortgewährung der 164 Thlr. ausgesprochen hatte, nunmehr Gebrauch gemacht worden und die Bergünstisällt schon dieses Jahr fort. Bon der Ruhr, im April. (Prwatmitth.) Das Jahr 1848 hat auch in der Brust namentlich des jüdischen Lehrers mancherlei Hoffnungm erweckt, die schon längst sich als Seifeirblasen erwies«» haben. Wir wollen hier nicht alle Wünsche auszählen, die damals laut wurden; nur Hinweisen wollen wir auf einen Wunsch, in dem sich «lle übrigen inehr oder weniger konzcntriren, ich meine: feste Anstellung der jüdischen Lehrer von Seiten des Staates. Welche Folgen eine solche Maßregel für das jüdische Schulwesen haben würde, das kann nur dem unklar sein, der sich nie die Mühe gegeben hat, über die heiligsten Interessen des Judenthums riachzudenken. Das so sehnlichst erwartete Unterrichtszesctz, welches sich jedenfalls auch über die jüdischen Schulen und ihre Lehrer verbreiten must, ist auf unbestimmte Zeit bei Seite gelegt. Das Schicksal dcc jüdischen Lehrer speziell wird also wol für die nächste Zukunft wieder wie vor Jahren in den Händen dcc resp. Gemeinden ruhen. Das ist leider für den Lehrcrstand sehr traurig und für das Schulwesen unheilvoll. Wir kennen den größten Theil der rheinischen nie der westphälischen Gemeinden aus eigener Anschauung und müssen gestehen, daß die Stellung der Lehrer in den allermeisten eine rein provisorische ist, dik unter den gegenwärtigen Umständen auch wol nie eilte definitive werden wird. Das Verhältnis des Lehrers zur Gemeinde wird in der Regel durch einen Kontrakt festgestellt, der alljährlich, wenn es hoch kömint vielleicht alle drei Jahr erneuert werden muß. Kann der Lehrer sich während eines solchen Zeitraums mit ganzer Kraft und voller Liebe seinem! Berufe hing eben? Er kann es nicht, weil erstens der Blick in die Zukunft ihn häufig verstimmt in die Schule treten läßt, weil zweitens das ewige Provisorium Anforderungen an ihn stellt, die an keine» christlichen Elementarlchrcr so hoch gestellt werden. Tritt aber der Lehrer verstimmt unter seine Schüler, so ist sein Unterricht Nichts werth. Er ist in dieser Hinsicht einem Instrumente zu vergleichen, dessen Ton nirr dann anspricht, wenn er klar und rein ist. Die Anforderungen der Gemeinden oder der Privaten, welche einen Lehrer zu «nlgagiren wünschen, gehen wirklich zuweilen in's Aschgraue. Ueberschartt man einmal di« Vakanzen, die Ihr geschätztes Bl»It alljährlich annoacirt, dann wird man sich leicht davon überzeugen. So ist mir unter Anderen eine Anzeige aus W. bei P. von Sch. ausgefallen, der für 80 Thaler jährlich einen Lehrer haben möchte, welcher in der lateinischen, französischen, englischen Sprache und im Kla» irrspielen gründlichen Unterricht erth eilen kann. Das sind Gegenstände, die streng genommen mit dem Elrinentarschulfache gar Nichts zir thuu haben; aber sie werden gefordert, sie sind eine Eurpfehlung für eine neue Stelle, uird so muß dcc Lehrer seine Kräfte zersplittern und sie des lieben Brodes wegen auf Fächec verwenden, die, wie gesagt, nicht in die Volksschule gehören. Sollen wir noch vou den Chikanen, von den Kleinigkeitskrämereieir sprechen, denen der Erzieher in den kleinen Gemeinde« nur zu oft ausgesctzt ist, wenn «r kein servilcc Kriecher sein kann? Wir könnten darüber interessante Fakta heranbringcn, wollen uns jedoch nur auf Ei» Beispiel beschränken. In der Gemeinde Ruhrort wirkt seit 6 Jahren der Lehrer Fischbein mit dem günstigste» Erfolge, so daß demselben sogar die Anerkennung gewiegter Schulmänner wie des Gyinnasialdirektors zu Duisburg zu Thinl geworden ist Geachtet vom seinen christlichen Mitbürgern, vertraut ihm der zahlreiche Kaufmannsstand seine Kinder zum Privatunterrihte an, und Alle sind des Lobes voll über sein« Leistungen. Der Kontrakt mit demselben wurde alljährlich erneuert. Plötzlich pfiff der Wind aus einer andern Gegend. Bedenken verschiedemer Art wurden gegen Fischbcin laut. Dem Einen genügte er nicht mehr als Kantor, dem Andern nicht mehr als Lehrer, dtrn Dritten war es ein Anstoß, daß derselbe dann und wann seine Pri«>a.tstunde am Sabbat gab, und es wurde über sein Verbleiben in R, ballotirt, sage: ballotirt. Es versteht sich von selbst daß das Ballotement gegen ihn auSsiel, eine einzige schwarze Kugel gib die Entscheidung. Wir wollen die Gründe nicht u»tersuchen, welche die Gemeinde geleitet haben, wcr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.