Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1851)
- Date
- 1851-05-05
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
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218 fangenschast, aber ohne einen Daniel und ohne einen Mordechai, doch mit tausend und abermal tausend Märtyrern im feurigen Ofen der Noch und der Drangsale. In den Fluren und Triften der arabischen Halbinsel sollen halbwilde freie Stamme aus Abkömmlingen Israels herumstreifen; man träumt auch von einem mächtigen Judenstaate im Innern aus gigantischen Männern — der Sklave träumt so gern von dem was ihm fehlt; in Hinterindien leben Schwarze, die vor Jahrhunderten sich zum Glauben Israels bekannten — — aber Persien mit zahllosen Israeliten in zerfallenen Hütten und mit Lumpen bekleidet, das ganze Vorder- und Kteinasten, wo die späten Enkel Juda's in tiefster Armuth schmachten, und Palästina, Palästina! bevölkert immer von Neuen von fernherziehenden, welche den Trümmerstaub der heiligen Orte küssen wollen, wo die Juden fast wie verstohlen durch die Fluren und Wüsten huschen, oder sich in die verschmahtesten Winkel bergen da, wo ihre Urväter hochaufgerichtet den Nationen gegenüberstanden und — standen!... Der Blick zögert, sich abzuwenden — wer wendet auch den Blick gern ab von dem Orte, wo seine Wiege stand, wo seine Jugend gebildet und gezogen ward, wo seine innerste Natur den Keim und die Wurzel empfing, die er nun mit sich trägt durch alle Welt, und die er unter guter Pflege doch allein entwickeln kann, und von dem er nicht abkommen kann — aber das Leben treibt vorwärts und wird nicht aufgehalten von der Macht der Erinnerung, so groß und so heilig sie auch ist. Aus dem Schooße des Meeres stieg vor den Blicken der spanischen Seefahrer das grüne Eiland herauf, der Herold einer neuen Welt. Was war sie damals? Bedeckt mit unzugänglichen Urwäldern, durchstreift von wilden Stammen, die in rohen Wigwams wohnten, nur in einigen Theilen von halbzivilisirten Völkern mit Städten bevölkert, wenn auch tief im Innern hier und da vergessene Ruinen einer untergcgangenen Kultur bergend. Was ist sie jetzt? jetzt nach drei und einem halben Jahrhundert? Wer will es unternehmen mit wenigen Strichen das Bild dieser Lander zu entwerfen, welche siegreich die Kultur im Verein mit der Freiheit und unaufhaltsam sich unterwirft? Und wer will die große Zukunft bezeichnen, welche die Gegenwart dieser neuen Welt verbürgt? Und unter den Ankömmlingen, die immerfort dahin strömen, waren und sind viele Männer Israels. Und wenn sie den Fuß auf das Gestade der neuen Wett setzten, so waren sie unverkümmert Menschen und Bürger, und trugen das Antlitz kühn und ungebeugt. Und so schritten und schreiten sie muthig hinein in das Land. Und nicht zögerten sie an den Kämpfen und Ringen des neuen Vaterlandes Theil zu nehmen mit bester Kraft. Aber vergaßen sie des Glaubens, den sie mit hinübergetragen? Im Beginn, als sie nur vereinzelt dastanden, schien es so; aber da sie sich gesammelt, und wo sie sich sammeln, da errichteten und errichten sie ihre Betstätten und Tempel, und stellen die heiligen Rollen auf, die vom Euphrat und Nil und Jordan, und vom Sinai und Nebo und Libanon sprechen, und feiern die Feste, die in der Wüste Arabiens eingesetzt worden, und beten die Gebete, die einer spätem, jetzt längst vergangenen Zeit entflossen, und bekennen sich als Israeliten, und werden als Solche geachtet, weil der freie Mann Alles achtet, was auf Ueberzeugung wurzelt, und in der Welt der Erscheinung sich seiner selbst nicht schämt. Und alle diese neuen Stiftungen sind die Mittelpunkte, an welche sich immerfort Neues und Neues schließt, und das wächst, wie die ganze neue Welt wächst, und je mehr es wächst, desto mehr wird es als groß und berechtigt und bestehend begrüßt und anerkannt. Das ist Amerika, und jenes Asien .... und Ihr glaubet, daß Israel nicht erst noch emanzipirt werden muß?! Auch in Asien muß erst die Nacht dem Tage weichen. ... (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 27. April. Im Jahre 1808 wurde der hiesigen jüdischen Freischule die alleinige Herausgabe und Debitirung des jüdischen Kalenders zu ihrem Vorthcile in der Art überlassen, daß sie von 4000 Exemplaren, die zu drucken ihr verstattet war, 1600 gebunden an das Kalender-Komtoir abzuliefern hatte, und dagegen die übrigen 2400 unentgeltlich gestempelt erhielt. Durch die Ordre vom 30. August 1816 ist die Stempelabgabe allgemein eingeführt, jedoch blieb die jüdische Freischule im Besitz der Stempelfreiheit bis 1823, wo sie gegen eine ihr vom Staate jährlich gewährte Entschädigung von 164 Thlr. aufgehoben wurde. Die Entschädigung wurde damals