Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1851)
- Date
- 1851-04-21
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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201 biete der Lehre, dort voll Scharfsin«, hier voll Bliiligkeit. Aber Brecher renkt ihn m eben auch nicht die Glieder aus, um mehr zu scheine» als sie sind. Die Bestimmung der Talmudisten war eine ganz andere, sie war: das Formgesetz bis aufs Kleinste auszuarbeite» für das wirkliche Leben, damit rö eine eherne Schale werde für di« Lehre, diese zu erhalten unversehrt durch die schrecklichen Jahrhunderte, di« da kamen, und JsraC zu erhalten als Träger dieser Lehre; eine eherne Schale, auf die vergebens die Hämmer des Mittelalters ihre furchtbaren Schläge fallen ließen. Dies war ihre Bestimmung; diese haben sie auf außerordmlliche Weise erfüllt; mehr fordere man von ihnen nichl; es ist genug für ein Zeitalter. Auch das wird dem Leser klar werden, daß auf dem Gebiete, auf welches der Vers. ihn führt, die Anschauung der. einzelnen Talmuhisten doch eine gleiche ist, eine totale. Mögen immerhin di« Aussprüche verschieden sein, sich hie und da widerspreche», verengern oder erweitern, immer ist doch die ganze Anschauung dieselbe, und nur die Ausmalung und Schatticung in's Detail, doch im Ganze» unbedeutend verschieden. Um dem Leser «imge Proben zu geben, und ihm dadurch für den reichen Inhalt des Buches desto mehr Interesse einzuflößen, wollen wir hier einige Stücke aus dem Kapitel über die Engel und dann über die bösen Geister geben. Ueber di« Engel. (§. 5.) Die Gesammiengel, oder wie sie in Talmud und Midrasch genannt werden: die dienstthuenden Engel (riNWN '2»sr»), bilden den unermeßlichen Hofstaat Gottes im unermeßlichen Himmelsraume in unaussprechlicher Menge. Sie wurden am zweiten Schöpfungstage wie das ganze All durch dagöttliche „Werde!" aus dem Nichts hervorgerufen (Beresth. rab. 3 2). Aber nicht Ein für alle Mal wurden die himmlischen Wesen erschauen, und nicht in derselben Zahl »erharren sie, die sich nicht fortpflanzcn, sondern „täglich erschafft Gott eine Engelschaar (ro), dies« lobsingen ihm, gehen dann weg, und kehren zurück in den Feuer ström (->12 'i “inj Chagig. 14 a und Echa rab. 76 2), und aus jedem Worte, das dem Munde GottcS entströint, wird ein Engel erschaffen" (R. Samuel bar Nachmani in Chag. 14 a). — Gott preisen und ihm lobsiugen ist ihr himmlischer Beruf. „Sechshundert und virrundneunzig Tausend Engel heilige» den großen Name« täglich. Von Sonnmaufgang bis Sonnenunterganz sagen sie: Heilig! H«ilig! Heilig! und von Sonnenu>U«rgang bis zum Sonnenaufgang sagen sie: Gelobt sei di« Herrlichkeit Gottes von ihrer Stätte" (Midr. rab. 167 *). „Das Lob der Engel lautet: Gepriesen sei der Ra«« seines herrlichen Reiche-!" (Das. 2912). Sie gebe» fich einander die Ehre und eine Engelschaar spricht zur ander«: Fanget ihr die Lobgesänge an. (Abot des Rat. Nathan, Kap. 12.) (§. 6.) Resch Lakisch fugt, es existier» siebe« Himmel. Der erste heißt Wilon ('pV'H), und ist der unterste Himmel. Der zweite heißt Rakia (ypi), an diesem sind die Sonne, der Mond, die Sterne und die Planeten befestigt. Der dritte heißt Schechakim (ll'pNiv), daselbst wird für die Frommen das Manna gemalen. Der vierte heißt Sebul (Vn7), daselbst befindet sich das obere Jerusalem, der Tempel und der Altar, aus welchem Michael, der große Engelfürst, ofsect. Oer fünft« heißt Maon (p?n), dort sind Schaaren dienstthuender Engel, welche des Nachts Loblieder singen, am Tage aber, zur Ehr« Israels (welches nun Gott tobt) stille schweigen. Der sechste heißt Machon ()12»). Hier sind die Schatzkammern des Schnees, Regens, Gemächer des schädlichen Thaues und die Wasserbehälvr (0^2«). Di« Kammern des Sturms und die Höhle des Dampfe«. Die Thorr sind von Feuer. Der siebmle heißt Arabot (m»*»*). Dort ist Recht, Gerechtigkeit, Lugend, Schatze des Lebens, Friedens und Segens; die Seelen der Frommen (nach ihrem irdischen Ableben), Geister und Seelen derer, die noch geboren werden sollen, »»d der Thau, durch welchen Gott einst die Tobten wieder beleben wird. Daselbst sind ferner Ophanim (Räderengelj, Seraphim (Glutengel) und die heiligen Chajot (Thierenzi l) und der Thron der Herrlichkeit. Ueber ihnen thron! in Arabot der König, der lebendige Gott, der Hohe »nd Erhabene. Finsterniß, Gewölk und Nebel umgebe» ihn. — „Wie? Finsterniß wäre bei dem, wo das Lielp! wohnt?" (Dan. 2, 22.) — Ja, i» den äußeren Gemächern. (Chag. 12 d). Ueber die Unermeßlichkcit: jener Regionen spricht sich der Talmud folgendermaßen aus (das. 13a, Peffach94a): Rabbi Jochanan der Sohn Sakkai'S sagte: Als Nebuchadnezzar sprach: „Ich erh>1>e mich in die Wolkenhöhen und werde dem Höchsten gllnch" (Jesaj. 14, 15.), da wurde ihm geantwortet: Siche, 0 Bösewicht, des Menschen Alter ist 7V, und we»N. es hoch kommt 80 Jahre. Nun ist von der Erde bik zum Himmel 500 Jahre Weges, die Dicke des Hinniels ist 500 Jahre Weges stark, und ebensoweit ist hx Weg von einem Himmel zum andern. Ueber den Himmeln sind die heiligen Chajot. 17*