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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-04-21 · Heft 17 (21.4.1851) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 17 (21.4.1851)
Date
1851-04-21
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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195 des Innern erklär! i nochmals sich gegen alle Beschränkungen und da beschloß denn die 2te Kamm«« mit 50 gegen 9 Stimmen, den Haberkornschen Antrag wieder fallen zu lassen. So besteht nun Ueberei»stimmung zwischen dm Regierung und beiden Kammern, daß den sächsischen Juden die durch die Geundrechte ihnen ertheillten Rechte erhalten bleibe«. Es kostete dies aber «inen harten Kampf, der, o|ite die Beharrlichkeit und Ausdauer, mit welcher die hohe Staatsregierung (insbesondere der Ministerpräsident Dr. Zschinsky (.» wie der Minister des Jn«««n v. Friesen) die Srche des Rechts und der Hil-manität gegen die entgegengesetzte Ansicht sowol ia den Kammerals in den Deputationsverhandlungni vertheidigte, kaum z« unfern Gunsten ausgefallen wäre. Auf liberaler Seite gab man hauptsächlich vor, daß dieJudcnemanzipatiön jetzt nach Aushebung der Grundrechte die einzige Errungenschaft von 1848 sein wfirde; dies ist aber unrichtig, denn auch die Aufhebung der Jagdgerechtsame, des Unterthanen- und Hörig keitsverbands, die Ablesung von allen Frohnen, chie Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit, Wegfall der körperlichen Züchiigung und mehrere andere Bestimmungen verbleibe» in Kraft, obwol nicht in einem zusammenhängenden Gesetze, sondern in einzelne» Gesetzen. Uebrigens ist die Gleichstellung der Juden nicht etwa ein Superfl« um von Rechten, wie dies vo» manchen der frankfurl«« Grundrechte doch allerdings der Fall ist, sondern eigentlich blos die Gutmachung eines alten Unrechts, dessen die christlichen Staaten — zu ihrem eigenen Nachtheile — sich verschuldet hatten. Es ist daher — mild ausgcdrückt — eine Verwirrung der Begriffe, wenn liberale Blätter, wie z. §3. die heutige sächsische konstitutionelle Zeitung, die beibehaltene Gleichstellung der Juden mit scheelen Augen ansehcn. — Die Juden mögen aber hieraus entnehmen, wie ihnen weder vorschnelle Demokraten noch engherzige AristokreUen Heil bringen, sondern dH eine die Rechte Aller mit Weisheit und Umsicht erwägende Staatsregierung, wo eine Solche bestehet wie Gottlob jetzt in Sachsen, auch die sicherste Garantie für die Rechte treuer israelitischer Staatsbürger sei! Der alte Grundsatz deS Judentums: „bete für das Wohl der Landesregierung, denn in ihrem Wohle beruhet euer Wohl", bewährt sich auch hier auf's Neue. Frankfurt am Mai«, Ende März. Israelitischer Frauenverein. Der kürzlich rrschicnene Bericht von dem Wirken dieses seit dem Axril 1847 bestehenden Vereins zur Erziehung und Ausbildung armer Mädchen zu bürgerlicher und germinnütziger Arbeit, giebt wiederum den erfreulichen Beweis, wie sehr hier alles Gute vielseitige Theilnahiwe findet. Mehr «als 450 Frauen tragen regelmäßig zn dem bczeichneten Zwecke bei und an Nebengeschenk«n hat es auch iricht gefehlt. Selbst die Stürme l>er Jahre 1848—49 und 50 haben diesem neugebore-nen Vereine nicht geschadet. An de« Spitze desselben stehen 15 Frauen, und nach den neuen Satzungen (statt früher 5) drei Männer. Die Hauptleitung des Ganzen führt bisher Herr D>°. I. M. Jost, welchem der Verein seine Gründung verdankt. Bereits sind etwa 36 Mädchen, darunter mehnrc Waisenkind««, thcils durch gänzliche Erziehung in der Vereinsansl«>lt, thcils durch Bezahlung des Schulgeldes, theils durch Anleitung nach den Schulstundm und insbeson'd ere durch Ausbildung zu weiblichen Erwerbsarbeiten «(Waschen, Bügeln, Feinwäschen, Schändern und anderen Nadelarbkiten) bis zur Fähigkeit, sich durch diese oder durch Dienst ihr Brod zu verschaffen, unterstützt worden. Die als fähig Entlassenen sind scho» in Thätigkeit und es ist volle Aussicht vorhanden, daß durch diesen Verein viele Kinder «nbemittelter Eltern von Noch und Mangel, und was noch wichtiger ist, vor Krankheit oder Ausartung geschützt und der achtbaren Gesellschaft erhalten werden. — Die Ausgaben sind noch immer nicht viel gerimzer als die Einnahmen, weil der Verein hauptsächlich darnach strebt, für's Erste in möglichster Ausdehnung seine Wirksamkeit zu üben, in der Hoffnung, daß der Erfolg ihm auch mehr Hilfsquellen zuführen werde. — Das Vermögen weist 2000 fl. nach, immer genug für die kurze Zeit, obwol noch nicht ausreichend zum Erwerbe eines geeignete Grundstückes mit angemessener Einrichtung, wie eS dem Bericht zufolge im Plane der Verwaltung liegt. Jedenfalls ist dem Vereine ein fernerer gedeihlicher Fortgang und recht lebhafte Theiln ah nie zu wünschen. Berlin, 13. April. Vorgestern ist ans Grund des au den seitherigen Vorstand der hiesige« jüdischen Haupigemeinde ergangenen Reskripts der Ministerien des Innern und des Kultus die Neuwahl der Vor-

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