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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-04-21 · Heft 17 (21.4.1851) · p. Seite 194

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 17 (21.4.1851)
Date
1851-04-21
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 an ihr zum Vorschein kam, waren kleine Splitter, die fich ablösten und verflüchteten, und den eigentlichen Körper nur desto intensiver und gedrungener zurückließen. Auch in der Gegenwart ist die Anhänglichkeit an ihr nicht gewichen, und selbst in der vor sich gehenden Umwandlung ihrer Formen zeigt sich der ernsteTrieb sie zu erhalten, und fort und fort im Geiste der Zeit sie zu bekennen. Noch hören die Gemeinden Israels nicht auf, sich aller Orten ihre Betstatten mit großen Opfern zu bauen, ihren Kultus, ihre Begräbnißplatze, ihre Religionsschulen zu erhalten. Wohin sie wandern, tragen sie diesen Eifer, diesen Drang mit sich, und auf den Inseln des stillen Ozeans, und in den gelichteten Urwäldern Amerikas, und am Südkap Afrika's, wohin früher niemals der Fuß Israels gedrungen, erheben sich die bescheidenen Tempel des Einig-Einzigen. Erwägen wir die Folgerungen aus diesen einfachen, unbestrittenen Sätzen weiter. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Dresden, 11. April. (Privatmitth.) Aus meinem Berichte in No. 10 der A. Z. d. I. ersahen Sie, daß die sächsische Staatsregierung den Kammern einen Gesetzentwurf vorgelegt hatte, wonach die Gleichstellung der sächsischen Juden auch nach Aufhebung der deutschen Grundrechte fortbestehen solle, bis zu einer allgemeinen Regulirung der Gesetzgebung hinsichtlich der Juden. — Die Deputation der 2ten Kammer stimmte diesem Entwürfe bei und man erwartete daher keinen weitern Widerstand in der Kammer, um so mehr als der Schluß des Landtags bevorstand. Da beantragte mit einem Male der liberale Abgeordnete Haberkorn aus Kamcnz (dem Geburtsorte des großen Lessing!) einen Zusatz, wornach der bleibende Aufenthalt der Juden wieder auf Dresden und Leipzig beschränkt werde. Obgleich der Minister des Innern, Richard ». Friesen, im Namen der Regierung sich einer solchen Beschränkung widcrsetzte, so ward der Haberkornsche Antrag doch mit 40 gegen 18 Stimmen von der 2ten Kammer angenommen.— Nun kam der Gegenstand zur Berathung in die Ite Kammer; die Deputation zerfiel hier in eine Majorität und Minorität. Die Minorität stimmte für Beibehaltung der Gleichstellung in Dresden und Leipzig, aber Beschränkung des bleibenden Aufenthalts in anderen Orten des Landes; die Majorität der Deputation ging aber noch weiter und wollte sogar Wiederherstellung des frühern Judengesetzes vom 16. August 1838, blos diejenigen einzelnen Individuen, welche nach Publikation der Grundrechte größere Rechte dadurch schon erhalten hatten, sollten darin belassen werden. In der öffentlichen Sitzung der Isten Kammer am 9. d. entspann sich darüber eine lange Debatte, die jedoch minder in Gehässigkeit gegen die Juden überging als vielmehr um Aufrechterhaltung der Prinzipien eines sogenannten christlichen Staats sich bewegte. Freiherr v. Biedermann und Generalleutnant v. Nostiz-Wallwitz (früher Kriegsminister) sprachen sich indessen sehr warm für die volle Gleichstellung der Juden in allen bürgerlichen und politischen Rechten aus. Letzterer wies namentlich auf die Juden hin, welche mit Anerkennung in deutschen Armeen dienten und ihr Blut für das Vaterland verspritzten, „und da wolle man ihnen die politischen Rechte wieder entziehen! Einem solchen Votum könne er durchaus nicht beistimmen!" (Hört! hört! Dies sind die Worte eines tapfern Generals!) Hauptsächlich war es nun der Minister des Innern, v. Friesen, der mit ausgezeichneter Beredtsamkeit alle gegen die Gleichstellung gemachten alten und neuen Einwürfe niederlegte, die Schmälerung der den Juden ertheilten Rechte nicht nur als ungerecht und unmenschlich, sondern auch als unpolitisch und unausführbar darstellte und damit schloß, daß die Regierung die Kammer von einem solchen^ die Beschränkung wieder einführenden Beschlüsse dringend abmahnen müsse. Es wurde nun auch sowol das Majoritatsals das Minoritatsgutachten verworfen und mit 22 gegen 12 Stimmen die Regierungsvorlage unverändert angenommen. — Sonach mußte die Sache gestern wieder zur 2ten Kammer gelangen, um auf den Haberkorn'schen Antrag zurückzukommen. Haberkorn entschuldigte sich jetzt, daß er geglaubt, den Juden werde an der Erlaubniß zum Aufenthalte in den kleinen Städten weniger gelegen sein, wenn ihnen nur die Gleichstellung innerhalb Dresden und Leipzig bliebe; (aber an dem Prinzip der Gleichberechtigung ist den Juden gelegen, dies hätte der liberale Abgeordnete von Kamcnz bedenken sollen!) der Minister

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