Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1851)
- Date
- 1851-04-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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xv. Iahrgamg. Allgemeine No. LV. Zeitung -es Zudenthums. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Zillereffe. Redaktion: Br Ludwig Philippson, Dr. B. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortliche Redakteur. Leipzig, den 21. April 1851. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart iM. des Titels, Registers u. s. >v. umfassen. In GeiriZßheit des Zweckes derselben die all.gemeinste Verbreitung zu geben, ij! 'der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für tritt Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Vi N)^. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeida-ngs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender ArtKelr Die Stellung des Iudenthums. l. Zeitungsnachvichten: Deutschland: Dresden, Frankfurt am M«li, Berlin. Oesterreichischer Klriserstaat: LeniRsrg, Brody, Prag. Italien: Livorno. Frankreich: Paris. Türkei. Donaufürstenthümer: Bukarest. China. Abhandlunge« verschiedenen Inhalts: Kollektaneen zum Religimsunterricht. Miszellen. Literarische N achrichten: Magdeburg. Leitender Artikel. Magdeburg, 15. April. Die Stellung des Judenthums. I. Es wird stets von größter Bedeutung für bie Bekenner des JuSsnlhums sein, sich der Stellung der Religion, der sie .angehören, in der Menschenwelt bewußt zu sein. Au leicht vergißt es sich im Getreide der Welt, in den Wirren bei Zeitläufte, wie in den Geschäften des wirklichen Sebfüi.g, daß noch ein höherer Beruf dem Menschen einwohnt, dem er, mehr oder weniger bewußt, ja oft ohne eine Ahnung davon zu haben, dient. Unsere Religion ist die älteste derbeibehenden positiven Religionen auf Erden. Wenn das Christentum vor 18 Jahrhunderten, der Islam vor 12 Jahrhunhmten entstanden, der Buddhaismris 500 Jahre alter xiH das Christenthum ist, so zahlt unsere Religion von Mose an schon über 33 Jahrhunderte. Ununterbrochen in diesen 10h Generationen hat sie durch alle Stürme und allen Wechsel der Zeiten und Zonen hindurch von Vater auf Sotzn ihre Ueberlieferung fortgepflanzt, ihre geistbelebende Herrschaft geübt. Unsere Religion ist die Mutter der übrigen positiven Religionen. Mindestens das Christmthum und Islam verleugnen ihren Ursprung aus derselben nicht, und können nicht leugnen, daß sie den rv-esentlichsten Theil ihres Inhalts der Religion Israels entlehnt haben, wenn sie ihn auch mannigfach verändert, ihm andere Richtung und Färbung gegeben haben. Unsere Religion hat auf diese Weise einem großen Theil der Menschheit ihren eigenen Charakter ausgeprägt. Der Glaube an einen außerodec überweltlichen Gott, der die Welt geschaffen, an die zur Vervollkommnung leitende göttliche Vorsehung, an die Unsterblichkeit des Geistes; die Lehre vsn des Menschen Edenbildlichkeit Gottes3 das höchste Sittengesetz der Heiligung und Nächstenliebe, die Zehngebote, das Sabbatgesetz u. s. w. haben der Menschheit das Sieget der Religion Israels ausgeprägt. Unsere Religion ist im ihrer Wesenheit durch alle Zeiten dieselbe gedlieben, und hat sich niemals in Sekten aufgelöst uird zersplittert. Allerdings ist auch sie große Phasen durchschritten, welche ihre Auffassung in verschiedenen Zeitnn sehr verschieden machten, und sie sehr verschieden in die Erscheinung brachten; allein niemals wurde das Wesen ihrer Lehre in seinem innersten Kerne ergriffen und ungestaltet. Was an Sektirerei