Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1851)
- Date
- 1851-04-14
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
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183 Symbolik, denn es mußte mit der tobten Form, Blur an den Altar zu sprengen oder zu streifn, der belebende Gedanke, daß dadurch die Entsündigung symbolisi'rt werde, verbunden sein. Allein gehen wir ganz objektiv zu Werke, und sehen wir Formen an, die ohne symbolische-rr Gedanken gar nicht gedacht werden können. Wenn die Schrift vorschrelbt, daß, wenn der Aussätzige fiu geheilt erklärt worden, soll der Priester zwei Vogels Zedernholz, einen karmesinrothen Faden und Vsop »chmen, den einen Vogel soll er schlachten, und den andern mit den drei anderen Ingredienzen in das Blut tauchen und dann fließen lasten u. s. w. (3 Mos. 14, 4 ff.) — kann ein Vernünftiger anders urtheilen, «Ls daß mit dieser Form, mit diesen Ingredienzen in ihrer Eigenthümlichkeit ein bestimmter Gedanke verbunden werden mußte, M der Akt ein symbolischer, die Jngr-edienzen von symbolischer Bedeutung waren? Wenn derselbe Akt an einem aussätzigen Hause geschah (das. 49 ff.), muß man nicht zu «Gleichem sich verstehen? — Wenn Zeder, der einen Leichnam berührt hatte, mit dem Reim'gungswasser besprengt werden mußte (bei Androhung der Ausrottung 4 Mos. 19, 13. 20.), und zwar vernrittelst Vsops, und diesrs Reinigungswasser aus der Asche einer rochen Kuh, die ganz und gar und mit ZedernbG und Vsop und Larmresinrother Wolle verbrannt worden, bereitet wurde, kann ein Vernünftiger anders urtheilen, als daß mit dieser Form, mit diesen Ingredienzen in ihrer Eigenthünn lichkeit ein bestimmter Gedanke verbunden werden mußte, daß der Akt ein symbolischer, die Ingredienzen von symbolischer Bedeutung waren? — Wenn bei einer Mordthült, deren Thater unbekannt, die Attesten der nachstgelezenen Stadt eine junge, noch zu keiner Arbeit gebril achte Kuh zu einem immerfließenden Bache führen, ihr das Genick brechen und über derselben ihre Hände waschen sollten (5 Mos. 21.), kann dies etwas Anderes als ein symbolischer Akt sein, da die Handlung als Form keine Beziehung zum geschehenen Morde hat, sondern sie erst: durch den einwohnenden Gedanken erhalt, den V. 7. 8. klar aussprechen? — Man lese 4 Mos. 5, 17. 18. in der Zeremonie vom angeschuldigteri Weibe, man lese 4 Mos. 6, 18. wie der Nasir sein Haupthaar verbrenne sollte, und man wird gestehen wüsten, allem diesem wohnten bestimmte Gedanken ein, es war also symbolischer Natur. Diese Beispiele für noch viele airbece, die ich beibmngen könnte. Aber spricht die Schrift selbst es nicht klar genug aus? Wenn die Schrift sagt,'daß die Israeliten vie mit der tiefblauen Wollenschnur anfehen und der Gebote Gottes gedenken sollen, setzt sie da nicht voraus, daß diese tiefblaue Wolleuschnuc die symbolische Bede»tung der Erinnerung an die Ausführung der göttlichen Gebote hatte, und daß jeder Israelit diese Bedeutung kannte? Und wenn diese Schnur sie nicht schon hatte, wollte sie ihr sie nicht gebenl Ilnd jener unzählige Male wiedschotte Ausspruch, daß das Blut der Opfer die Sünde blecke, versöhne (NO2), ist damit etwa gesagt, daß die Sünde durch die bloße äußerliche Hingabe eines Thieres gesühnt werde.? Führt die Schrift nicht selbst den symbolisch dargestellten Gedanken aus, in welchem das Blut des Thieres versöhnt 3 Mvs. 17, 11.? Wir sehen also, daß die Schrift selbst den symbolischen Charakter eines Aktes des Opferkultus genau ausspricht; wir sahen, daß andererseits Formen, die gegen das Ganze gehalten, nur nebensächlich waren, wie die Reinigung eines Aussätzigen u. s. w., gar'nichts Anderes zulasten, als symbolische Bederr tung— wie wird man sich nun der Ueberzeugung erwehren können, daß der ganze Schristkultus im Ganzen und Einzelnen, in allen seinen Akten und Formen einen bestimmten Gedankminhalt hatte, den er durch diese symbolisch zur Anschauung brachce? Und wenn dies der Fall ist, werden wir diesen tiefen Schatz von Lehre bei Seite liegen lasten, werden wir besten nicht verlangend bedürfen, als eines weitern QuelllS der Erkenntniß und Heiligung? Es ist Zeit, daß jener alberne Widerwillen gegen „blutige Opfer", den moderne Theologen mit edlem Zorne äußerten, und womit sie den vierten Theil der Schrift mit Verachtung von sich stießen, aufgegeben werde. Mögen ste sich überzeugen, daß in ihrem heiligen Eifer um die Gesittung sie einen Brunnen verschütten, auS dem noch viel Lebenswaster zu schöpfen. Nicht daß sie den Opferkultus wiederherstellen sollen, nicht daß sie um seine Wiederherstellung mit den Lippen beten sollen, aber daß ste das Heilige und Gedankenreiche nicht als u nheilig und leer schmähen mögen. Und wenn der Opferkultus, muß nicht ebenso die Kultnsstätte, ja noch mehr voll symbolischer Gedanken sein? Ich erinnere Sie zum Schluffe nur an Eines. Will man die Worte: na ^28 -,W8 bM Vi ptö»rt msan (2 Mos. 25, 9.), und -ins nn8 -nr)8 anders verstehen, als daß eben