Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 15 (7.4.1851)
- Date
- 1851-04-07
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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178 schreiben sind. Die Regierung ist aber von diesem Sachverhalte nie genau unterrichtet, wie die Ministerien zu Petersburg überhaupt selten den Zustand der so -ausgedehnten Provinzen kennen. Sie glaubte also die Juden durch Androhung einer empfindlichem Strafe als der Steuererhöhung zur Abführung der Rückstände verhalten zu muffen., und hat die Abstellung zum Militär natürlich als eine wahre Kapitalstrafe der Juden in Rußland dazu gewühlt, wobei es hervorzuheben nicht uninteressant ist, daß man einen jüdischen Rekruten auf 20 Silberrubel schätzt, gleich den einperzentigen Interessen nämlich, welche von einem Rückstände von 2000 Silberrubel von den Gutsbesitzern als Strafe gefordert werden. Nebst dieser billigen Abschätzung hat die russische Regierung aber hier noch den Bortheil, daß sie durch die immer stärkere Einverleibung der jungem jüdischen Generation in die russische Armee ihre Russisizirung und die Verbreitung des griechischen Glaubens unter den Juden immer mehr fördert. Es muß also dieser Ukas als ein neuer Beleg der unermüdlichen Bestrebungen Rußlands, für den Byzantinismus Propaganda unter allen möglichen Formen zu machen, betrachtet werden. Literarische Nachrichten. Leipzig, 1. April. In diesen Tagen wird die 14te Lieferung des dritten Theils des Phil i pp so n'schen Bibelwerkes ausgegeben, enthaltend Kapitel 11—24 des Buches Jjob. Krefeld, im Marz. Unserer Zeit, die auf dem umfangreichen Gebiete der Wissenschaft so viel Gediegenes geleistet und es gründlich verstanden, neben den eigenen originellen Schöpfungen auch das werth- und gehaltvolle Alte für den Geschmack der Gegenwart zu bearbeiten, gebührt nicht minder das Lob, für die kräftige Entwickelung und Hebung des gcsammten Schulwesens, namentlich aber für die Erreichung dieses hohen Zweckes durch Herausgabe trefflicher Schulbücher die emstlichste Sorge getragen zu haben: wahrend es den alteren Schriften dieser Gattung nicht selten an der für den Jugendunterricht so unumgänglich nothwendigen Klarheit, Folgerichtigkeit, überhaupt an Methode fehlte, stellten es sich die tüchtigsten Pädagogen unserer Zeit zur Aufgabe, durch Beseitigung dieser Mangel den Menschen von seiner frühesten Jugend auf an logisches Denken zu gewöhnen, durch dieses logische Denken die Aneignung des Wissensschatzes ihm zu erleichtern, um durch das systematische Erlernen der verschiedensten Zweige der Erkenntniß ihm zugleich Sinn und Liebe für das System im Leben im Allgemeinen tief einzupragen, in der festesten Ueberzeugung, daß der Genuß von den Früchten des Lebensbaumes nur dann ein angenehmer zu nennen sei, wenn beim Kosten der Erzeugnisse des Erkenntnißbaumes richtiges Maß und Ziel beobachtet wurde. Unter den Männern, die sich in solcher Beziehung die anerkennenswerthesten Verdienste erwarben, zählen wir zu unserer besondern Freude recht viele wackere israelitische Gelehrte und Lehrer, deren Fähigkeiten und unermüdlichem Eifer wir die ausgezeichnetsten in das Schulfach einschlagenden Werke verdanken und deren rastlosen Bemühungen es gelungen, auch unseren Lehr- und Erziehungsanstalten zum Besitze eines systematischen Leitfadens für den Unterricht in der heiligen Religion der Vater, hebräischen Sprache, Pentateuchübersetzung, biblischen Geschichte zu verhelfen. Jeder Sachverständige wird es gern einraumen, daß der gegenwärtige rühmenswerthe Aufschwung unseres Schulwesens lediglich als eine Folge jener Geisteserzeugniffe betrachtet werden müsse, die allenthalben in unseren Instituten den bereitwilligsten Eingang gefunden haben. — So sehr wir uns aber für die Bearbeitung der bezeichneten Branchen der Wissenschaft verpflichtet fühlten, ebenso sehr mußten wir bis jetzt bedauern, unseren Elementarschulen noch kein Werkchen über das Wissenswerthe aus der jüdischen Archäologie verbunden mit der Geographie Asiens zum richtigen Verständnisse der heiligen Schrift darreichen zu können. Die bis jetzt erschienenen größeren, umfassenderen Werke, eignen sich, ganz abgesehen von ihrem zu hohen Preise, nur für Gymnasien und Universitäten; die Elementarschule kann durchaus keinen Gebrauch davon machen, keinen Nutzen daraus ziehen. Um so mehr begrüßte ich mit aufrichtiger Freude eine von Herrn H. Schütz, Religionslehrer zu Kleve, auf dem Felde dieser Disziplin verfaßte Schrift, welche derselbe mir vor einigen Monaten in Manuskript — und zwar den ersten Theit vollständig und vom zweiten die erste Hälfte — zur Durchsicht einzusenden die Güt.e hatte. Im Interesse für die gute Sache unterzog ich mich dieser Arbeit und muß nach sorgfältiger Prüfung gestehen, daß mir die wohlgeordnete Zusammenstellung, die bewundernswürdige Gründlichkeit und namentlich des