Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 15 (7.4.1851)
- Date
- 1851-04-07
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
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171 die Geschichte dieses Volker als Muster aller menschlichen Bildung erwählt zu werdm. Wenn der Botaniker eine Pflanze untersuchen oder erklären will, so nählt er gern ein vollkommenes Exemplar, d. h. ein Solches, worin nicht btos der eine oder andere Theil der Pflanze, sondern alle klar und ganz enthalten sind. So hat das Urtheil einer halben Welt unter allen Held-engeschichten die Gesänge Homers erkoren, weil hier ein gewisser Kreis menschlicher Kräfte mit unübertrefflicher Klarheit, Ganzheit und Einheit geschildert ist. Was den Sänger der Jliade nur im engen Kreise des Heldenlebens und eben nur als Dichtung gelang, das steht durch das Aeugniß derBLbel uv d der Geschichte d es israelitischen Volkes für alle Lebensverhältnisse als Wirklichkeit vor uns: Ein deutliches und vollkommenes Muster des Menschenlebens.-— So giebt die Stellung des Volkes Israel zu anderen Nationen und der angeborene Reichthum an Talenten, den wir in der israelitischen Nation selbst beobachten, Antwort auf die wichtige Arage: Wie sollen wir in den geistigen Anschauungen uvlb Erlebnissen eines so gar unbedeutenden Völkleins Etwas finden, was allen Menschen der ganzen Welt genügen könnte? We konnte das Christenthum, das doch auf dem Grunde des israelitischen Volkslebens erwachsen, den Beruf erhalten, die ganze Welt zu unterwerfen? — Mit gutem Rechte; denn alle Völker der Erde können keinen Charakter aufweisen, der nicht in der Reihe bedeutenden Menschen vom Volke Israel vorgekommem.... Andererseits kann kein Studium, keine Erfahrung zu den Haupt-erscheinungen des egyptischen, phönizischen, babylonischen, persischen und endlich griechischen Kulturpreises etwas wesentlich Neues hinzufügen; die abentheuerlichsten Vorstellungen moderner Theosophie und Kabbala sind im Wesentlichen in jenen großen Geistesgebieten» des Alterthums ebenso« gut zu finden, wie die feinste Dialektik eines Hegelschen Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts.... Ich breche hier ab; bei mehr Muße werde ich mir gestatten, auf den Inhalt des genannten crrca 800 Seiten fassenden Werkes, daß unter Benutzung, mancher jüdischen Arbeiten der Neuzeit, für den Bibelforscher so manches Interessante bietet, näher einzugchen und Einzelnes daraus mitzutheilm. Zeitungsnachrichten. . Deutschland. Magdeburg, 30. März. (Privatmitth.) Es wird allen Gimeinden, die zum ehemaligen westphälischen Königlich gehörten, angenehm sein, den Wort» laut der Verfügung königlicher Negierung über die Korporatiomsrechte der hiesigen Gemeinde kennen zu lernen. Sie lautet: „Es wird hiermit von Oberuufsichtswegen bescheinigt: daß, nachdem des Königs Majestät durch die allerhöchste Knbinetsordre vom 8. August 1830 verordnet haben: „daß sich bis zu weiterer gesetzlicher Bestimmung „in Hinsicht der Verhältnisse der Juden in den „neuen und wiedererworbenen Provinzen lediglich „nach denjlMgen Vorschriften geachtet werden solle, „welche bei der Besitznahme dieser Provinzen „als darin gesetzlich bestehend vorgefunden worden „sind, die hiesige jüdische Gemeind« durch das bei der Besitznahme als giltig Vorgefundene westphälische Dekret vom 31. März 1808 als Kirchengesellschaft ausdrücklich aufgenonmnen worden ist, nird daher in Folge der allerhöchsten Kabinetsordre vom 8. August 1830, und nach dem allgemeinen Landrecht Theil 2, Tit. II, §. 17 die Rechte privilegirler Korporationen in Anspruch nehme« kann, hierunter auch der Artikel 13 der Verfassungsurkunde vom 31. Januar pr. Nichts ändert, da di« hiesige Gemeinde bei Publikation derselben Korporationsrechtc schon ^atte. Magdeburg, den 4. Februar 1851. (L. 8.) Köni,gl. Regierung, Ad theilung des Innern, gez. Oelrichs. Aachen, 25. März, (privatmitth.) In unserer Zeit, w» alles Bestehende einen so heftigen Stoß erlitten, ist erfreulich, das religiöse Interesse unter den Juden nieder erwachsen mb den Gemeinsinn unter ihnen wieder aufleben zu sehen, davon giebt ein Ereigniß in unserer Gemeinde Zeugniß, welches auch der Seltenheit wegen schon verdient, öffentlich erwähnt zu werden. Die Gem einde hat den Präses ihres Vorstandes mit einem piachtvollen silbenen Ehrenpokale beschenkt; die Gemeinde fühlte, daß sie ihren Bestand und ihre