Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 15 (7.4.1851)
- Date
- 1851-04-07
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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170 senheit, welche ihr schon Ta ei tu s andichtete*), vielseitig, ja allseitig. Sie halt nicht nur die Erinnerung an einen gemeinsamen Ursprung aller Völker der Erde fest, sondern bewegt sich auch unter dem Einflüsse aller Kulturperioden und Kultursysteme der ganzen alten Menschheit. Nichts tritt in der Geschichte dieses Volkes so auffallend hervor, als eben die Bestimmung desselben, mit allen Haupterscheinungen der antiken Menschenbildung in Berührung zu kommen. So weit wir mit irgend welchen Mitteln die Geschichte des Alterthums von der zweiten Zerstörung Jerusalems rückwärts überblicken können, finden wir keinen großen Fortschritt, keine einflußreiche Veränderung in der Bildung der Völker, womit die Israeliten nicht in lebendigen Verkehr getreten waren. Es ist eine auffallende Thatsache, daß das hebräische Volk öfters auf sehr schwierigen Wegen aus dem Heimathlande fortgeführt wird, um mittelbar und persönlich dort zugegen zu sein, wo ein neuer Tag der Völkerbildung anbricht. — Nach der altern babylonischen Kultur, aus deren Atmosphäre der Stammvater der Juden, Abraham, zog, treffen wir als die nächstälteste Bildung der alten Menschheit die egyptische. Und in dem Kreise dieser Bildung bringt die jüdische Nation gleichsam ihre Kindheit zu; hier wächst sie aus kleinen Familien zu Stammen und aus diesen zum Volke heran. In den Jahrhunderten, da die Phönizier das lebensvolle Mittelglied zwischen der Kultur des innern Asiens und Egypten bilden, sind die Hebräer im Lande Kanaan von ihren Bergen herab die nächsten Zeugen des regen Treibens *) Tacitus' Meinung (Mistor. V. c. 4), daß die mosaische Offenbarung eine Quelle engherziger Abgeschlossenheit gegenüber allen anderen Nationen sei, sucht der Verfasser durch die 5 Bücher Mose selbst zu widerlegen (S. 40 ff.); er weist auf Genes. 12, 2.; 18, 27.; 22, 16.; Exod. 19, 5. hin, wo neben der Erwählung Israels die Worte stehen: Mir gehört die ganze Erde; ferner Num. 14, 12., wo die göttliche Gerechtigkeit die ganze Nation verwerfen will und auf Moses Fürbitte verzeihend, die Worte spricht: Ich verzeihe ... aber voll der Herrlichkeit Gottes ist die ganze Erde; vergl. Deut. 33, 3. Endlich gesichter, daß der ka th oli sche Grundsatz, auch die Heiden sind nicht ohne göttliche Gnade (Ist dieser Grundsatz von allen Lehrern der katholischen Kirche und zu allen Zeiten anerkannt worden? Die Erfahrung sagt: nein!), dieser katholische Grundsatz sei schon in den entscheidendsten Augenblicken der isra eli ti sch en Offenbarung auf's Deutlichste ausgesprochen und gelehrt (S. 41). jener Zeiten. — Ehe noch Babylon unter der Macht der Meder und Perser zusammenbricht, werden die Israeliten dorthin geführt, um mit der untergehenden Bildung der Chaldäer in ebenso nahen Verkehr zu treten, wie mit der persischen, in welcher im Wesentlichen die indische schon angeschlossen ist. Bis Alexander der Große kömmt und der griechischen Bildung im Morgenlande Bahn bricht, haben die Juden wieder Besitz von Palästina genommen und bald gründen sich zahlreiche jüdische Kolonieen an allen durch griechische Kultur bedeutenden Orten. — Vom Thierdienste der Egyptier bis herab zu der Naturphilosophie Epikurs ist auf geistigen Gebieten von den alteren Völkern nichts Wichtiges erlebt worden, was nicht das Volk Israel hat mit erleben müssen. Die Berührung mit so verschiedenen Völkern und so mannigfachen Arten der Kultur und Religion giebt der Geschichte des Volkes Israel von außen her eine Vielseitigkeit, womit im ganzen Alterthume Nichts verglichen werden kann. Von innen wird diese Geschichte belebt durch den natürlichen Reichthum an geistigen Gaben, welcher dieses Volk bis zur Stunde auch in den Augen seiner Feinde auszeichnet! Alle Leidenschaften, alles Ringen und Streben im Guten wie im Bösen stellt sich auf dem Grunde des hebräischen Volkslebens in den klarsten schärfsten Umriffen dar. Würden wir dieses Volk auch für sich ohne seine Offenbarung, blos in seiner allgemeinen menschlichen Erscheinung auffassen , so würden wir es wegen seiner geistigen Begabtheit als Mustervotk gelten lassen müssen. Es mag sein, daß einzelne Fähigkeiten unter anderen Völkern des Alterthums weiter ausgebildet wurden, als bei den Hebräern, das reine Denken bei den Griechen, die Kunst des Hercschens bei den Römern, aber eine solche Vereinigung aller Tüchtigkeiten, welche der Mensch darstellen kann, möchte wol nirgends gefunden werden, wie im hebräischen Volke. — Man vergegenwärtige sich den Umfang allgemein menschlicher Ausbildung, welcher schon durch wenige Männer gegeben ist, wie Abraham, Joseph, Moses, Josue, Jiphta, Simson, Samuel, David, Salomo, Elija und Achab, Jesaja und Jecheskel und Aehnliche; man stelle den Fürsten und Königen die Propheten und Dichter gegenüber; man messe den Abstand zwischen dem Königsliede der Debora und dem hohen Liede, zwischen dem Stile der mittleren Bücher Moses und dem im Buche Job und man wird keinen Zug hinzuzufügen im Stande sein, um ein vollständiges Bild alles Menschenvermögens darzustellen. So verdiente