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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-03-31 · Heft 14 (31.3.1851) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 14 (31.3.1851)
Date
1851-03-31
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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159 Entscheidung, die sie wahilscheinlich glaubt vcrantw« rten zu können. Der Seiest, an den die Sache vein Notar gebracht wurde, dekretirte, da diese Ehe hier noch nicht legaliter anerkcmnt sei, so könne, in Hinsicht auf die Mutter des verstorbenen Kindes, dessen Beerdigung auf jüdischem Friedhof gegen den Willen der „betreffenden" Vorsteher nicht anbefohlen werden. Unter diesen „betreffenden" Vorstehernsind die K»ltusvorsteher gemeint und es ist deshalb eine Divergenz im Gemeindevorstant t veranlaßt, so wie es überhaupt im Werke ist, die Wiederholung von dergleichen Fällen zu verhüten und überhaupt dafür zu sorgen, daß der zahlreiche freier denkende Theil unserer Gemeinde nicht in allen soltzen Dingen, von denen es dem stabilern beliebt, sie für Religionsangelegenheiten auszugeben, fortwährend gänzlich ignorirt werde. Es wäre freilich um ss mehr zu bedauern, wenn die Verträglichkeit in unserer Mitte durch diese Vorgänge beeinträchtigt werden sollte, als wir gerade jetzt tüchtige Beweise von derselben darin haben, daß einerseits dem „neuen Tempil" aus der Gemeindeka-ffe eine jährliche Subvention von 1500 Mark bewilligt worden, ohne daß irgend eine merkliche Opposition dagegen laut geworden märe, und daß anderersiits unter den 21 Rabbinatsoahlherren auch 2 sehr eifrige Tempelmitglieder sitzen v»d volles Vertrauen dieses Kollegiums genießen. Ein sehr würdiger, ««n allen Parteien in hohem Grade geachteter Mann, der hiesige Bürgermeister Beneke, der jetzt im 85sten Jahre verstorben ist, hat der jüdischen Gemeinde s«r ihre wohlthätigen Anßalten eine Summe von »ngefähr Bko. Mark 15,(100 vermacht, und zwar jeder der beiden Gemeinden zur Hälfte. Es möge zu einem Beweise dienen, wie unglaublich wenig Kenntniß unsere Behörden von den jüdischen Angelegenheiten haben, wenn es einem wohlwollenden Manne, der Zk» Jahre im Senate saß, «infallen konnte, eine Gemeinde, die 9000 Seelen zahlt, mit einer andern gleichzustellen, die kaum hundert (100) Seelen umfaßt. Die finanziellen Verlegenheiten der Verwallung unsers hiesigen „neuen Tcmpclvereins" haben zn erfreulichen Zwecken geführt. Im August v. I. berief diese Direktion eine Generalversammlung, in dev sie drei schwere Uebelstände ankündigte. Es hatte sich nämlich in den letzten Rechnungsjahren ein vorläufig durch Vorschüsse des Kxlffenverwalters gedecktes Defizit von mehreren Tausend Thalern angelhäuft, sodann war das Gleichgewicht zwischen regulärer Einnahme und Ausgabe bedeutend verrückt, itatb endlich waren einige in das Tempelgrundstück (zu welchem vier vcrmiethete Nebenhäuser gehören) bei Gelegenheit des Baues, zu velchem die größtcntheilS geschenkte eigene Aktiensumini« von Bko. Mk. 100,000 nicht reichte, aufgenommienenHypotheken gekündigt worden, und waren nicht wieder zu erhalten, weil ungeachtet der regelmäßigen Zinszahlung jeder Kreditor cs scheute, sein Geld dahin z« geben, wo er keinen Eigentlichen faßbaren Debitor «,or sich hat. Der Tempel ist nämlich nur ein Verein, aus dem Jeder nach Belieben austreten kann. Es wurde nun das obige Defizit durch eine Kollekte zwischen dev Mitgliedern schnell ged-cckt; durch Ersparungen sow»l als durch dir vermehrt, von der Gemeinde bewilliztc Summe ward das G leichgewicht hergestellt, und zvr gänzlichen Tilgung der erwähnten hypothekarischen Schuld ist, vor wenigen Tagen ein Plan eröffnet, vermöge dessen die ganze Summe in zinsfreien Portioncn hergeschossen und ivmerhalb 12 Jahren sukzessive zurückbezahlt wird. Oie größere Hälfte dieser Suiume ist schon gezeichnet, zum Theil von christlichen Häusern. Nachdem somit die materiellen Kräfte des Tempelinstituts eine glänzende Probe bestanden, wird es an der Zeit sein, auch seiner geistigen Kraft neue» Schwung zu geben, wozu von der einen Seite der zvl erwartende neue Rabbiner, und von der andern die Anziehungskraft des Freigemeindcunwesens die eevwünschtc Veranlassung giebt. Da man in diesem Jachrzehend darüber weg ist, allen Fortschritt darin zu solchen, ob ein Lechadodp oder sonst eine Gebetsformcl! beibehalten oder abgesehl wird, so kann sich manche unnütz vergeudete Kraft «euer reellem Richtung widmen Noch einen Vorfall, von der Sorte die das böse Blut vermehren, kann ich zu erwähnen nicht unterlassen. Ein hiesiges Mädchen, Tochter cines hiesigen Bürgers lutherischer Religion, mit Namen Mathilde Grell, nicht ganz ungebildet, und durch Nachbarschaft und Freundschaft von Kind an fast wie eine orthodoxe Jüdin ausgewachsen, meldet sich bei den interimistischen Rabbi» »tsvcrsern zur Aufnahme in's Judenthum. Diese vnrweisen sie bei der Neuheit des Falls (nach den alten Gesetzen dürfen die Juden hier keine Proselytcn machen) an den Gemeindevorstand, und

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